Économie grotesque

Ich hab vor kurzem Flugtickets gekauft. Ich muss nach drei Jahren doch mal wieder sehen, wie’s in der alten Heimat aussieht und wie’s den Daheimgebliebenen so geht. Wie man das heute so macht, hab ich meine Kreditkarte genommen und online zwei Tickets für mich und meine bessere Hälfte gekauft. Und das war grundfalsch.

Denn in dieser komischen kontrollierten Wirtschaft funktioniert vieles anders, als man das gewöhnt ist. Was ich stattdessen hätte tun sollen: Mit z.B. 2000 Dollar in bar (so vorhanden) zur Wechselstube meines Vertrauens gehen und diese in Pesos umtauschen. Aktueller inoffizieller Kurs: 8,70 Pesos pro Dollar. Macht 17.400 Pesos.

Mit diesen in der Hand zum nächsten Reisebüro marschieren und die Tickets dort bar bezahlen. Oder, wahlweise, wenn sie die nicht bar annehmen, auf ein argentinisches Bankkonto einzahlen und dann mit dem Equivalent einer EC-Karte (Tarjeta de debito) oder einer Kreditkarte bezahlen. Dabei wird u.U. – je nach Reisebüro – bereits ein Aufschlag von 20% auf den Ticketpreis erhoben. Die Regelung ist neu und keiner weiß so richtig, in welchen Fällen sie nun gilt und wer das Geld abführen muss (das Reisebüro oder der Reisende). Die Ausführungsbestimmungen dürften aber nicht lange auf sich warten lassen.

Ohne diesen Aufpreis hätte ich die Tickets sicher ebenfalls für die rund 16.000 Pesos bekommen, die ich online bezahlt habe. Falls er fällig geworden wäre, wären es eben ca. 19.200 Pesos geworden, umgerechnet 2.200 Dollar oder 1.700 Euro. Aber trotz des höheren Peso-Preises immer noch weit günstiger als die 2.400 Euro, die die 16.000 Pesos zum offiziellen Kreditkartenumrechnungskurs wert waren. Scheiße. Wieder mit 700 Euro Cristinas Économie grotesque finanziert.

Vor drei Jahren hab ich für meine zwei Flugtickets übrigens noch 8.330 Pesos bezahlt, nicht zuletzt weil Steuern und Flughafengebühren von 1.274 Pesos pro Ticket (2010) auf 2.616 pro Ticket (2013) angehoben wurden. Aber auch der Preis des Tickets selbst hat sich von 2.891 auf 5.411 Pesos beinahe verdoppelt. Oh, und das waren jeweils die günstigsten Tickets, die ich finden konnte, beide Male bei der gleichen Fluggesellschaft für die gleiche Strecke und zu ähnlichen Terminen, ist also vergleichbar (wenn man so was wie höhere Spritpreise und Pilotenbezüge mal außen vorlässt). Hat da jemand Inflation gesagt? Gibt’s hier nicht, ist offiziell auf 10% im Jahr begrenzt. Wer was anderes behauptet, muss Strafe zahlen (kein Witz!).

Ich habe gelernt, dass ich noch viel lernen muss, dass höhere Preise manchmal niedriger sind und außerdem dass Bargeld lacht. Vor allem grünes.

 

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36 Antworten zu Économie grotesque

  1. antje schreibt:

    pech gehabt! ich hab mein flugticket über eine deutsche onlinebank bezahlt 🙂 vor drei jahren hab ich auch ca. 200 euro weniger bezahlt. dafür flieg ich dieses mal ohne umsteigen. mitte april geht´s los – und ihr?
    liebe grüße

    • llamadojorge schreibt:

      Wie, von Córdoba nonstop nach Alemania? Welche Fluglinie ist das denn?
      Meine Kreditkarte gehört auch zu ’nem deutschen Konto. Das ist ja der Ärger. Da zahl ich zwangsläufig den deutlich schlechteren offiziellen Wechselkurs, nicht den für Bargeld auf der Straße. Und du wahrscheinlich auch…

      • antje schreibt:

        neeneenee, soweit kommt argentinien nicht! erstmal nach bue mit dem bus…..aber der geht direkt tanti – bue
        mit dem wechselkurs hast du recht, da bezahl ich drauf, erspare mir aber viel ärger, weil ich kein argentinisches konto habe. übrigens habe ich auch überwiegend bahnhof verstanden 😉

  2. (Aus dem Hintergrund: cambio-cambio-Rufe)

    Tze, tze, tze, Du Anfänger, Jorge, solche Fehler dürfen einfach nicht passieren. Ich habe als Mathevolltrottel von Deiner Modellrechnung nur 9/13 verstanden, was aber doch nicht so wenig ist, weil ich gewöhnlich bei Dir nur 7/8 verstehe.

    Also, ich glaube: Hättest Du den linken Schuh zweimal zugebunden, eine 5-Peso-Münze in die rechte Hosentasche gepackt, vor dem Verlassen der Wohnung drei Kniebeuge gemacht und dabei exakt den kleinsten gemeinsamen von 12 in Sekunden an Evita gedacht – Du hättest weniger bezahlt. Wobei das immer natürlich auch von der Windstärke abhängt (unbekannte Variable).

  3. llamadojorge schreibt:

    Ok, offenbar ist meine Rechnung nicht so klar wir ich angenommen hatte. Nochmal zum nachrechnen.
    Ich hab ’ne deutsche Kreditkarte, mit der ich online zwei Flüge kaufe. Weil ich als Wohnsitz Argentinien angebe, krieg ich die Preise automatisch in Peso umgerechnet. Das sind die 16.000 Pesos oder (zum offiziellen Kurs) 2.400 Euro von denen ich oben schwadroniere.
    Hätte ich stattdessen Bargeld zum Blaumarktkurs in Pesos umgetauscht und für die so erworbenen Pesos die Tickets gekauft wäre ich unterm Strich rund 700 Euro besser weggekommen, selbst wenn ich die 20% Strafzoll für Auslandsreisen, oder wie die hiesigen Finanzgauner das nennen, einrechne. Statt etwas über 1200 Euro pro Ticket nur 850. Jetzt klarer?
    @Christoph, du hast vergessen, dass man vor den Kniebeugen noch das Fenster öffnen muss, sonst wirkt’s nicht. Deshalb ist ja auch die Windstärke so wichtig, Ich hab all das natürlich nicht gemacht und steh jetzt als Depp da. Lass dir das eine Lehre sein, du bist ja noch nicht so lange da. Auch wenn du mir vielleicht aus der Ukraine schon die eine oder andere Erfahrung voraus hast. Und natürlich deinen Nachbarn Pablo.

  4. Also, ganz geht die Rechnung nicht auf. Du müsstest auch die eineinhalb bis zwei Tage einrechnen, die die Frau im Reisebüro braucht, um Deine Scheinchen gegens Licht zu halten. Könnte ja Falschgeld sein. (Ich habe das am Anfang übrigens sehr persönlich genommen.)

    Aber kauf doch einfach noch mal zwei Tickets auf die von Dir geschilderte Art, dann hast Du die 700 Euro Ersparnis abgegriffen.

  5. Marcel schreibt:

    Der Würgegriff der AFIP wird zunehmend perfektioniert – wer sich dort so was alles ausdenkt um die Grünzeugreserven zu optimieren. Die Folterknechte von gestern transformierten sich in Steuerfunktionäre, die sich immer neue Steuern und Gebühren ausdenken.

    Christinas Multi-Argentina : Version teuer oder official oder
    Version günstig mit dem blue
    Hast Du tatsächlich schon 8.70 auf die Hand bekommen für den US$ – guter Kurs
    Wie lange geht es wohl noch geht, bis sie für Touristen Umtauschbestimmungen machen, nur mit offiziellem Formular, tausend Stempeln und natürlich zum offiziellen Kurs…mir graut schon!!

    Mit der ausländischen Kredit Karte hat man eh schon mal verloren in Argentinien – da gibt es den königlichen Abgriff – al cambio oficial

    Ein Bankkonto in Uruguay ist halt schon was praktisches, da kann man noch grüne Scheine aus dem Automaten ziehen.

    • llamadojorge schreibt:

      Nee, ich hab leider einfach zu wenig Grünzeug, um damit zur Tauschbude zu gehen und Kurse von 8,70 (heute auch nur noch 8,42) Pesos abzugreifen. Man kommt ja hier nicht ran. Kannst du irgendeine Bank in Colonia empfehlen bei der Überweisungen aus dem Ausland und anschließend die Auszahlung von Devisenscheinen möglich sind? Dann komm ich nächste Woche und mach ein Konto auf… Oder geht das womöglich sogar mit der deutschen Kreditkarte, ohne Konto beim Institut? Das wär ja noch schicker.

  6. Marcel schreibt:

    Wenn Du ne Plus Karte (blaues Signet auf weiss z.b. bei Banred) hast, kannst hier auch USD aus dem Automaten ziehen. Ich habe so eine von der Postfinance in der Schweiz und da kostet es null Spesen bei einem guten Kurs. Gibt es in Deutschland sicher auch.
    Mit Kreditkarten wird es sauteuer, mit Limit 200 USD pro Bezug (kannst aber mehrmals) und jedesmal mind. USD 10 Spesen und schlechter FX-Kurs.
    Bei der Plus Karte weiss ich nicht wieviel man pro Tag rausziehen kann 500 oder so
    Ansonsten ein Konto bei der Banco Republica Oriental de Uruguay – ab 500 USD keine Spesenkosten, gutes Internetbanking – Dann kannste ein paar tausend dorthin überweisen und jeweils bei einem Tagesausflug Grünzeug abholen – bei der Bank selber kannst dann auch mehr beziehen.
    Bin mir allerdings nicht sicher, ob Du zuerst 500 USD einzahlen musst – die Bank ist jeweils ab 13h geöffnet – wenn es nicht paro hat oder einen Feiertag – für die Ktoeröffnung brauchst schon etwas Geduld, Pass
    http://www.brou.com.uy
    Nächste Woche bin ich drüben – wir fahren nach San Luis – ins andere Argentinien –

  7. Marcel schreibt:

    Ah und so ne Doku oder sonst was glaubhaftes (ev. Arg Steuerrechnung) über die Herkunft der Gelder ist auch hilfsreich (oder Arbeitsvertrag , wenn möglich alles auf Spanisch – wenn Du allerdings weniger als 10’000 $ sendest wird nicht gross nachgefragt.
    Ueberweisung Dauert zwischen 3 Tagen und 10 Tage – manchmal Glückssache -manchmal muss man nachfragen, wenn das Geld irgendwo hängt – Spesen ca 40-60 $ für 9900

  8. Marcel schreibt:

    Hola Helge,
    Ich bins nochmal – am 27. bin ich in Burzaco, wenn Du Lust und Zeit hast, können wir ja was trinken oder essen gehen und dann kann ich Dir ja noch genauer was erzählen, wie das in der „Schweiz Südamerikas“ mit dem Geldwesen so funktioniert.
    Nehme an nächste Woche werden die Banken hier wegen der Semana Santa vermutlich einige Tage geschlossen sein, weiss aber nicht genau von wann bis wann.
    Hasta luego
    Saludos
    Marcel

  9. Kai schreibt:

    Das mit dem bar bezahlen hat allerdings auch so seine Schattenseiten. Vielleicht ist das bei Argentinien nicht so schlimm, zwischen USA und Europa allerdings nicht zu empfehlen, es sei denn du hast viel Zeit und gute Antworten parat.
    Viel Spass zu Hause. Aber warum du so spät fliegst und damit den Fasching verpasst verstehe ich nun wirklich nicht 🙂
    Kai

    • llamadojorge schreibt:

      Howdy, Kai, lange nichts gehört. Gute Antworten im Sinne von „wo stammt das Geld her“? Kann mir schon vorstellen, dass im Land der tausend Kreditkarten jemand mit Bargeld in der Tasche schief angeguckt wird. Hier ist das noch nicht der Fall. Es gibt zwar online einiges, was man nicht mit Bargeld erwerben kann (Groupon ist da so ein Beispiel, die nehmen nur Kreditkarte), aber ansonsten wird Bargeld überall gerne genommen. Meist sogar mit einem 10%igen Abschlag auf den ausgewiesenen Preis (wo ich nie den Verdacht loswerde, dass das die Hälfte der eigentlich fälligen 21% Mehrwertsteuer ist, die in diesen Fällen dann eben nicht abgeführt wird). Du bist nicht zufällig im Juni/Juli in D, oder? Da ist zwar kein Fasching, aber es ist dann hoffentlich wärmer als derzeit… Sonst müsste ich mit dem neuen Stellvertreter Petri nochmal ein ernstes Wort reden. Den kennt hier ja jeder persönlich, weil er so viel U-Bahn fuhr. 🙂 Grüße ins Land der Longhorns!

      • llamadojorge schreibt:

        Einen hab ich noch:
        „Ein Besuch im beliebten Steakrestaurant «Don Julio» in Buenos Aires zeigt, wie die Krise das Land für Touristen zu einem Cash-Paradies macht: Die Rechnung der Familie Waehrer aus Washington beläuft sich auf 600 Pesos. Keith Waehrer holt ein Bündel Geldscheine hervor und zahlt in bar. Zu Hause hätte Keith im Restaurant die Kreditkarte gezückt. Aber über die wird nach dem offiziellen Wechselkurs abgerechnet, das wären 120 Dollar. Für seine Steaks zahlt der Amerikaner in cash, also nach dem inoffiziellen Kurs, rund 75 Dollar. Für solche Preise nimmt Waehrer wie viele andere Touristen in Kauf, die Taschen voller Geldscheine zu haben.“ (Quelle)

  10. naranjablue schreibt:

    Tja ja von dem Thema könnte ich ein Lied singen. Wird Lustig wenn man was verkauft hat und das Land verlassen möchte, an jeder Ecke hört man nur noch „USD No hay“! Die Banco Frances sagte mir das es ganz EINFACH mit einer Überweisung geht auf mein Konto in CH. Pustekuchen, nur 1.500 Peso pro Monat für familiäre Hilfe. Na zum Glück konnte ich noch zu 7.9 wechseln bevor der Kurs in die Höhe rauschte. Es gibt ja jetzt 3 Kurse hier http://blog.dolarblue.net/2013/03/los-mil-y-un-valores-del-dolar.html

    • llamadojorge schreibt:

      Hallo Stephan, das ist ja wirklich scheiße gelaufen bei dir. Stopfst du dir die Kohle jetzt in die Strümpfe und fährst nach Chile? Bis 10.000 Dollar darf man ja angeblich ohne Deklaration über die Grenze bringen. Allerdings bin ich nicht sicher ob das nicht bloß bei der Einreise gilt. An der Grenze nach Uruguay gibt’s angeblich Hunde, die auf den Geruch von Geld trainiert sind und so den Transfer von Devisen außer Landes unterbinden sollen. Ob das aber hauptsächlich für Argentinier gilt oder auch für Ausländer, die das Land definitiv verlassen wollen, weiß ich nicht. Viel Glück jedenfalls!

  11. Marcel schreibt:

    Hallo
    10’000 USD darf man ein- oder ausführen, man kann auch mehrmals reisen… – Hunde hatte es in letzter Zeit keine mehr und in Uruguay eh schon gar nicht – die sind glaub eh auf USD spezialisiert und € riechen anderst, habe ich mal gelesen, aber vielleicht haben sie sich auch weiterentwickelt…
    Die Regelung gilt für alle…
    Heute noch den Witz des Tages gelesen von der Königin zum Malvinas Tag:

    Cristina: „Que el Reino Unido no utilice Malvinas para ocultar el desastre económico“

    Kommst mal rüber, oder ich kann mal bei der BROU anfragen (hat auch eine Filiale in BsAs in Esmeralda 111 esq Bme. Mitre.Tel +5411 4132 2000) Das wäre vielleicht noch eine Möglichkeit – ein BROU Konto in Uruguay mit USD Konto und dann in BsAs beziehen vom USD Konto die Grünen ziehen (am Schalter halt)….müsstest dort mal anfragen, allerdings vermutlich zuerst ein Konto in Uruguay haben….das wäre ganz toll wenn das gehen würde…müsste man ausprobieren – Nationalsport – die AFIP überlisten…

  12. Marcel schreibt:

    Habe heute noch einen Artikel gefunden zum Thema – ich habe gedacht, die hätten das schon lange eingestellt, dass man mit argentinischen Kreditkarten US$ im Ausland ziehen kann…kannste hier für ca 6.10 A-Peso ziehen und in BsAs wieder für mehr als 8 wieder verkaufen….

    http://www.ieco.clarin.com/economia/argentinos-sacar-dolares-tarjeta-Uruguay_0_894510581.html

    Hecho la ley – hecho la trampa!!

  13. Pingback: Haste ma’ ‘nen Messi? « ARGENTINISCHES TAGEBUCH

  14. Marcel schreibt:

    Jetzt wird die Schöpfungsgeschichte neu geschrieben mit dem Kunstdollar Cedin – der grosse Geldzauberer Kicillof – wie in Kuba – das ist Voodoo Economics in Reinkultur – die lassen aber auch gar nichts aus – fürchte jetzt gilt dann für mich bald noch der Zwangsumtausch – wie damals in der DDR – mit allen Tricks und Kniffs wollen sie das System jetzt retten – und was könnte das besser helfen als Kunstgeld einer anderen Währung zu drucken – unglaublich….weiss ja nicht wie hoch die Matratzenrücklaufquote sein wird, aber nach 2001 ist das Vertrauen nicht mehr so gross, nehm ich mal an. Die ZB Reserven sind ja auch schön am schwinden und auch schon mit dubiosen Papieren zuhauf unterlegt…es geht glaub langsam um die Wurst resp. den Chorizo 🙂

    • llamadojorge schreibt:

      Ich hab auch den Eindruck, das, was sie sich da jetzt wieder ausgedacht haben ist eine Verzweiflungstat. Für Nichteingeweihte: Argentinien lädt ein, Schwarz- oder Matrazendollars zu legalisieren, indem man sie a) in eine Energieanleihe (Boade), b) in ein Zertifikat zum Kauf von Immobilien (Cedin) oder c) in eine normale staatliche Anleihe umtauscht – no questions asked, keine Strafverfolgung für nicht versteuertes Vermögen, keine – nicht mal symbolische – Nachversteuerung.
      Alle lauten nominell auf Dollar und zumindest das Immobilienzertifikat ist angeblich jederzeit rücktauschbar gegen Bargeld (angeblich Dollar, aber damit sind die Argentinier ja schon 2001 auf die Nase gefallen; ob sich das Spiel so schnell wiederholen lässt?).
      Damit hat die Kirchnertruppe jedenfalls gleich mal den Immobilienmarkt in Argentinien ganz offiziell wieder dollarisiert, denn jetzt wird wohl niemand mehr sein Eigenheim oder sonst irgendeine Immobilie für Pesos verkaufen (ausgenommen vielleicht die Immobiliengesellschaften, die noch zu bauende Wohnungen mit Sparplänen verkaufen).
      Abgesehen davon ist das Vorhaben auch ein Schlag ins Gesicht derjenigen, die ihre Steuern brav gezahlt und ihr Vermögen deklariert haben. Der Ehrliche ist der Dumme, der Schwarzgeldverstecker wird auch noch mit Zinsen auf sein unversteuertes Vermögen belohnt.
      Allerdings: Zahlen muss erst die nächste Regierung, die Anleihen laufen bis 2016. Bis dahin ist das derzeitige „Ökonomen“-Quintett hoffentlich raus aus ihren Ämtern. Wer dann den Schaden beheben muss, den diese „Experten“ angerichtet haben, ist nicht zu beneiden.

      • „Abgesehen davon ist das Vorhaben auch ein Schlag ins Gesicht derjenigen, die ihre Steuern brav gezahlt und ihr Vermögen deklariert haben. Der Ehrliche ist der Dumme …“

        Also, mein Lieber, auf die Drei kann nun wirklich keine Rücksicht genommen werden.

      • llamadojorge schreibt:

        Wie, du meinst die fünf vom „equipo economico“ zahlen nicht alle?

      • Ach, mein Fehler, natürlich zahlen die! Wobei natürlich jeder der fünf mit dem Finger nach links und rechts zeigen würde: „Also, für den da würde ich meine Hand nichts Feuer legen. Und für den auch nicht.“ Man hält nicht so viel voneinander, lese ich im Lügenblatt.

  15. Marcel schreibt:

    Wenn da bei 400-500 Mrd U$ der Argentinier die unter Matrazen, in Uruguay und sonstwo liegen so 5-10% eingetauscht werden, wären das immerhin 25-50 Mrd, allerdings würde der Verkäufer des Hauses die Cedins direkt vom Escribano zur Banco Central bringen – die BCRA hätte eigentlich gar nie viel USD – will ja jeder die Cedin so schnell wie möglich wieder loswerden, – nur ob das mit jederzeit rücknehmbar stimmt sei dahingestellt.
    Gut für die sonstigen Anleihen wäre es noch interessant aber eben ist eine Vertrauensfrage…und das Hold-out Urteil ist ja auch noch ausstehend…

    Immerhin dürfen die Regierungsmitglieder und ihre Verwandten bis zurück in die 80er Jahre da nicht umtauschen und auch nicht Tinelli, Ricky Ford, Susanna Gimenez und ein paar tausend andere Steuersünder – wie Echegaray alle genüsslich aufzählte – Schutz der Persönlichkeitsrechte existiert in diesem Land nicht wirklich!
    Dass der Bond bis 2016 geht ist wieder wieder mal fies – dieser Kicillof ist ein durchtriebener Bastard – nur enteignen, profitieren, ja sogar falsche USD drucken und wenn dann nicht klappen sollte – nach mir die Sintflut…der Typ ist wirklich gemeingefährlich als Vizeökonomieminister – mal schauen was die Presse in Europa dazu meint in den nächsten Tagen…

  16. Marcel schreibt:

    Der Bloomberg Titel ist ja ziemlich direkt
    .
    Argentina’s Deadbeat Special: Buy a 4% Bond or Go to Jail
    .
    Oder Echegaray: “You better bring your dollars back because we will find you,”
    Aber die Erwartungen vom Programm sind ja eher bescheiden: mit 5 Mrd U$ Rücklauf in den 3 Fenstermonaten – und dann kommt die Gestafip – ob es wohl dort auch schon Verhörräume und leichte Folter gibt bei der AIFP – das kommt vermutlich noch….und zuhause aufbewahren ist auch nicht sicher – bei Marinas Tante wurde eingebrochen und 8000 USD weg – schöner Frust – Colonia ist das sicherste und günstigste in diesen schwierigen Zeiten

    http://www.bloomberg.com/news/2013-05-10/deadbeat-special-unveiled-in-jail-free-4-bond-argentina-credit.html

    • llamadojorge schreibt:

      Interessanter Artikel bei Bloomberg. Die Kriminalität ist das, was mich bisher davon abgehalten hat, nach Uruguay zu fahren und Dollar aus dem Automaten zu ziehen. Mit denen in der Tasche muss man ja auch wieder nach Hause kommen… Und wer abends um 22 Uhr am Hafen von BsAs mit der Fähre aus Colonia ankommt, hat sicher die Taschen voll.
      Tut mir leid für Marinas Tante.

  17. Marcel schreibt:

    Es gibt ja auch noch Fähren am Nachmittag 🙂 und wenn Du das Geld in einem speziellen Geldgurt bei den Unterhosen hast, ist das Risiko sicher nicht viel höher als dass zuhause eingebrochen wird. Habe neulich einen holländischen Unternehmer kennengelernt, der in BsAs wohnt und seine Kohle hier bei HSBC hat und ein mehrfaches der erlaubten 10’000 USD geholt hat und nach BsAs gefahren ist mit der 17 Uhr Fähre. Der macht das alle zwei Monate mal und ist vermutlich nicht der einzige 🙂

  18. Marcel schreibt:

    Hola Helge – den Artikel in der Huffington Post musst Du lesen -sehr spannend. Die BCRA würde also alle rund 320 Mrd $ARS für z.B. 9.5 gegen $ aufkaufen, dann hätte die Bevölkerung USD$ – aber die ZB nix mehr an Grünzeug – dann würden auch die anderen $ eher zurückfliessen — das einzige Problem dabei wäre, dass die ZB keine US$ schöpfen kann…oder gute Fälschungen drucken 🙂 der Voodo geht weiter….aber dann wäre ja der Evita Geldschein nix mehr wert – das liesse die Königin sicher nicht zu 🙂

    Die unten sind ja auch noch spannend – von den Nebenkriegsplätzen: Nummer 1 und Nummer 2.

    Saludos – der Blue geht runter — Moreno Effekt???

    • llamadojorge schreibt:

      Herzlichen Dank, Marcel, in der Tat interessante Artikel. Ich bin kein besonderer Freund der Aufgabe der monetären Souveränität eines Landes. Wohin das bei gleichzeitig schlechter Finanzpolitik führen kann sehen wir in Griechenland, Zypern, Italien, Spanien, Portugal, Irland… Allerdings kann’s so wie derzeit auch nicht lange weitergehen.
      Der Blue fällt – aber in meinen Augen hauptsächlich weil sich dank verstärkter Kontrollen in der City derzeit kaum jemand in die Wechselstuben traut. Wenn die Kontrollen mal wieder nachlassen, wird er auch wieder steigen.

  19. Marcel schreibt:

    Ich glaube es auch kaum dass sie plötzlich den Yankee Dollar einführen werden – vermutlich ist es dafür auch schon zu spät – die wirklichen Cash Reserven der BCRA schon viel zu klein…aber wäre tatsächlich noch eine Option gewesen, an die ich nicht gedacht habe….wäre doch schön – plötzlich eine Inflation wie in Deutschland, aus den Automaten kommen Dollars, man kann wieder alles problemlos importieren…..fast zu schön um wahr zu sein 🙂
    – Abgesehen von der Inflation fast schon Verhältnisse wie in Uruguay

  20. naranjablue schreibt:

    So nun wo ich schon über 2 Monate aus AR raus bin, kann ich ja verraten wie ich es gemacht habe………… Habe mein Geld in eine Bauchtasche gepackt und bin geflogen 🙂
    Am Flughafen in BsAs wollte ich noch die letzten 2.000 AR$ tauschen aber keine wollte mir Dollar geben, nur die netten Taxifahrer waren mit Dollar ausgestattet

    • llamadojorge schreibt:

      Hi naranjablue, mutig, Hut ab. Die Aktion hätte auch in den nächsten Knast führen können. Freut mich aber, dass du’s geschafft hast. Bist du schon in Belize oder wo immer du hinwolltest?

  21. Pingback: Señor Schnauzbart und die Höhle: Geldtauschen ins Blaue hinein « ARGENTINISCHES TAGEBUCH

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