Opas Hausmittel

Der Kurs des argentinischen Peso kommt einfach nicht zur Ruhe. In der abgelaufenen Woche ist er gegenüber dem Dollar schon wieder über 7% gefallen, er liegt erneut über der psychologisch wichtigen Grenze von 40 Pesos pro Dollar (wenn auch nur knapp). Die Zentralbank hat letzte Woche knapp 400 Mio. Dollar aus ihren Reserven verkauft, um den Peso zu stützen. Viel geholfen hat das nicht.

Von der Linken wird der Internationale Währungsfonds für seine drakonischen Auflagen für die Auszahlung von Krediten kritisiert und Macri dafür, dass er sich ihnen unterwirft. Die Hauptstadt war einmal mehr Schauplatz von massiven Protesten von Gewerkschaften und sozialen Organisationen, am Mittwoch ging während sechs Stunden eigentlich gar nichts in der Innenstadt und auch am Donnerstag wurde fleißig weiter protestiert. „Raus mit dem IWF, Schluss mit dem Hunger“ hieß es auch anderenorts im Land, diverse Fernstraßen wurden von Aktivisten zeitweise blockiert.

In diese Stimmung schlug folgendes Interview mit dem Wirtschaftsberater von U.S.-Präsident Drumpf, Larry Kudlow, daher beinahe wie eine Bombe ein. Auf die umständliche Frage des FOX News Journalisten David Asman, ob er eine Chance sehe Argentinien zu helfen, antwortete er:

Das Finanzministerium diskutiert das zurzeit ganz intensiv, ganz intensiv. Wir haben ja schon gerlernt, dass der einzige Weg aus dem argentinischen Dilemma die Einrichtung eines Währungsamts ist, das den Peso fest an den Dollar koppelt. Auf diese Weise können die Argentinier keinen einzigen neuen Peso ausgeben, keine Geldvermehrung, es sei denn, sie ist durch Dollarreserven gedeckt. Das hat in den 90ern funktioniert, hat die Inflation beendet und den Wohlstand bewahrt, deshalb müssen sie das wieder machen. Und beim Finanzamt sind sie da dran. Sie sind dran, David, also gib die Hoffnung nicht auf.

The Treasury is deeply involved in that discussion, deeply involved. And, as you and I learned, and others, the only way out of Argentine’s dilemma is to set up a currency board, the peso links to the dollar, but you can’t create a single new peso, no money creation, unless you have a dollar reserve behind it. That worked in the 90s, brought down inflation and kept prosperity, that’s what they need to do again. And you know what, Treasury department people are on it. They’re on it, David, so keep hope alive on that one.

 

(für diejenigen, die des Spanischen mächtig sind: die Untertitel im obigen Video geben den Part mit der Ausgabe des Peso falsch wieder, da hat jemand „can“ statt „can’t“ verstanden und so macht das Ganze natürlich gar keinen Sinn)

Also nochmal zum mitschreiben: Laut Kudlow arbeitet die U.S.-Regierung an einem Plan für eine Dollarisierung der argentinischen Volkswirtschaft, weil das in den 90ern ja so gut geklappt hat. Dieses Rezept funktionierte tatsächlich kurzfristig durch die Privatisierung von Staatsbetrieben und der Rentenversicherung – allerdings nur für einen kleinen Teil der Bevölkerung wirklich dauerhaft gut. Das „uno a uno“, wie das im hiesigen Volksmund heißt, also der 1:1 Umtausch von Dollar und Peso, sorgte nämlich in der Konsequenz für die Schließung vieler hiesiger Unternehmen, die mit den billigeren und besseren ausländischen nicht mithalten konnten. Alles musste importiert werden. Weil aber eben nichts mehr produziert und exportiert wurde, kamen die Importe natürlich auf Pump – bis zum Debakel von 2001.

Während der ganzen Kirchner-Regierungszeit wurde den Argentiniern später immer wieder eingebläut, wie schlecht diese Politik war (obwohl sowohl die Abgeordnete Cristina wie auch Gouverneur Nestor sie jahrelang mitgetragen hatten). Nicht dass es viel gebraucht hätte, die Argentinier zu überzeugen. Die Krise von 2001/2002 haben die wenigsten heute schon vergessen. Macris Mannen waren denn auch ziemlich flink, sämliche Aussagen von Kudlow rundheraus zu verneinen. Man habe keinerlei Pläne für eine Dollarisierung oder eine feste Bindung des Peso an den Dollar. Das Ergebnis diesen Weges seien 20% Arbeitslosigkeit und 50% Armut gewesen. Dafür gebe es „keine Chance“.

Fake News

Wer die Politik im Land der unbegrenzten Dämlichkeiten ein bißchen verfolgt, weiß ja schon, dass Drumpfs Mannschaft insbesondere im Sender FOX News eine Lüge nach der anderen verbreitet. Dieser Fall reiht sich da schön ein. Von den dortigen Moderatoren muss niemand der gegenwärtigen Administration kritische Nachfragen oder gar Kompetenz befürchten.

Und es wäre auch nicht das erste Mal, dass Kudlow mit einer öffentlichen Aussage so richtig daneben gelegen hat. Als das Platzen der Immobilienblase vor zehn Jahren absehbar war, bestand er darauf, dass es gar keine Blase gebe. Als sich nach dem Platzen die schlimmste Rezession der letzten Jahrzehnte anbahnte, erklärte er sie via TV schon wieder für beendet. Ein echter Drumpf-Experte eben.

Vielleicht ist die mangelnde Glaubwürdigkeit des Boten der Grund dafür, dass hier merkwürdigerweise relativ wenig Wind um die Sache gemacht wurde. Es weiß wohl selbst die hiesige Opposition, dass Macri kaum so dumm sein wird, den Konvertibilitätsplan von Opa Menem wieder aus der Schublade zu holen. Das wäre wahrlich politischer Selbstmord – mit Ansage.

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3 Antworten zu Opas Hausmittel

  1. Esther schreibt:

    Schön, dass du dein Publikum wieder informierst! Auch wenn die aktuellen Themen eher frustrierend sind. Aber „Augen und Ohren zu“ hilft da ja auch nicht weiter. Hoffe, für Argentinien, dass es trotzdem aufwärts geht – oder zumindest nicht weiter abwärts.

    • llamadojorge schreibt:

      Danke für die guten Wünsche. Ein Schrumpfen der Wirtschaft wird sich in den nächsten Monaten nicht vermeiden lassen, da beißt die Maus keinen Faden ab. Aber es wäre schon schön, wenn das Land mal wieder in ruhigeres Fahrwasser käme. Da hülfe schon eine bessere Sojaernte als nach dem letzten vertrockneten Sommer. Und natürlich auch nur, solange nicht in den USA oder Brasilien auch Rekordernten eingebracht werden. Ist ja leider so, dass wir hier von diesem genmanipulierten Scheißprodukt total abhängig sind.

  2. llamadojorge schreibt:

    Und noch ein kurzer Hinweis auf einen sehr interessanten Artikel, den einer der Väter der früheren 1:1-Bindung verfasst hat, in dem er die sehr unterschiedlichen Ausgangslagen herausarbeitet und den Plan von Mr. Kudlow als brandgefährlich für Argentinien bezeichnet. Nicht zuletzt, weil die aktuellen freien Dollar-Reserven der Zentralbank tatsächlich nur $22 Mrd. betragen, die umlaufende Geldmenge des Peso aber 2,15 Billionen. Die Konvertibilität wäre daher nur zu einem Peso-Dollar-Kurs von 100:1 zu haben. Und wie gesagt: aktuell sind wir bei 40:1.

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