April, April

Ja, ich bin mir bewusst, dass wir September haben. Aber die Nachrichten heute klingen so absurd, dass man eigentlich glauben könnte, sie seien ein Aprilscherz oder stammten aus der Feder eines nicht sonderlich begabten Autoren für eine Hollywood-Serie wie Seinfeld oder der britischen 80er Polit-Sitcom Yes, Minister, in der die Protagonisten irgendwie komisch aus der Rolle fallen, damit wir drüber lachen.

Keine Ahnung, ob die Königin im Sinn hatte, die Argentinier aufzuheitern, als sie heute folgendes zwitscherte bzw. auf ihrer Website veröffentlichte:

„Was anderes. Der Ex-Wirtschaftssekretär der zweiten Bush-Regierung, (Carlos) Gutiérrez, der heute mit der Ex-Außenministerin Madeleine Albright eine Consultingfirma betreibt, hat erklärt, dass die Strategie der Geierfonds in Argentinien die folgenden fünf Punkte sind:

1. Die Person der Präsidentin mit permanenten persönlichen Attacken angreifen, sowohl in den Medien wie bei Gesprächen auf internationalem Parkett.

2. Gerüchte streuen um wirtschaftliche Unsicherheit hervorzurufen und spekulative Attacken auf den Peso vorzubreiten, um die Glaubwürdigkeit und das Vertrauen in die Regierung zu schwächen, vor allem im Hinblick auf den Dollar „Blue“, der einen illegalen Markt darstellt, der von Umtauschbüros und indirekt den Banken betrieben wird.

3. Eine aggressive Politik auf den Finanzmärkten, um sowohl dem öffentlichen wie dem privaten Sektor Argentiniens den Zugang zu Krediten zu erschweren und damit die Regierung und die Firmen im Land finanziell zu ersticken.

4. Zeit gewinnen, um mit einer neuen Regierung im Jahr 2016 ein für die Geierfonds vorteilhaftes Abkommen abzuschließen.

5. Journalisten und Medien, Politiker und Gewerkschafter in Argentinien und im Ausland für Attacken auf die Regierung bezahlen und sie so zu zermürben.

Was sagst du zu den Punkten 1 und 2? Jegliche Ähnlichkeit mit der Wirklichkeit ist reiner Zufall. Wie in den Filmen, weißt du? Aber weißt du was? Den Film haben wir schon gesehen. Er endete im Jahr 2001 sehr schlecht. Verschuldung. Übertragung von Vermögen. Elend und Tragödie für die Argentinier. Sie versuchen es schon wieder. Und sie haben eine Menge Helfershelfer im Land. Gutiérrez hatte als wichtiger Ex-Staatsmann um eine Audienz gebeten und erklärt, er wolle die Positionen annähern. Im Anschluss erfuhren wir wie der Rest der Argentinier aus amerikanischen Medien, dass sein Büro von den Geierfonds beauftragt war, Argentinien anzugreifen.“

Angeblich hatte Gutiérrez diese „Pläne“ bei einem Treffen im argentinischen Außenministerium erläutert. So sieht also das Weltbild der Königin aus. Ach, und die Helfershelfer im Inland sind natürlich u.a. die gedungenen Medien, allen voran „Radio Buitre“ (Geierradio). Der gemeinte Kanal, Radio Mitre, gehört zum Medienimperium der Clarín-Gruppe und ist das meistgehörte Radio im Land. Dort nahm man es gelassen und änderte schon mal das Senderlogo:

Senderlogo Radio Mitre und verulkt als Radio Buitre

Senderlogo Radio Mitre (oben original) und verulkt als Radio Buitre

Währenddessen feiert die argentinische Börse neue Höchststände, weil man seine Pesos ja sonst nirgendwo anlegen kann, rutscht der Peso auf immer neue Allzeit-Tiefs (aktuell gibt’s „blau“ 15 Pesos für einen Dollar) und dank hervorragender Ernten in den USA sinken die Weltmarkt-Preise für die wichtigsten Exportgüter und Devisenbringer Argentiniens wie Soja, Mais und Weizen. Das ist natürlich auch das Machwerk der Geierfonds. Alles.

Boudou in den Dünen

Der Vizepräsident Amado Boudou hingegen ist ein fröhlicher Mensch. Wann immer eine Kamera auf ihn gerichtet ist: er grinst.

Amado Boudou

Amado Boudou grinst

Er ist inzwischen wegen Bereicherung im Amt und Urkundenfälschung angeklagt, weitere Untersuchungsverfahren gegen ihn laufen, die Opposition würde gerne einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss gegen ihn ins Leben rufen und ihn endlich zumindest zur Zwangspause verdonnern, aber er macht weiter. Und grinst.

Im Einzelnen geht’s da um die seltsame Insolvenz eines Unternehmens, das Geldscheine druckt und plötzlich nach Übernahme durch einen Fonds namens The Old Fund, hinter dem vermeintlich Boudou selbst und ein paar Kumpane stecken, neue Staatsaufträge bekommt und wieder flüssig wird (er war zu der Zeit Wirtschaftsminister). Er leugnet, den Vertreter von The Old Fund überhaupt zu kennen, obwohl dieser ganz offensichtlich in einer Wohnung logiert, die ihm gehört, und bringt sich dadurch in große Schwierigkeiten.

Der zweite Fall betrifft einen Honda CRX, den er irgendwann in den 1990er Jahren gekauft und später wieder verkauft hat. Offenbar hat er beim Verkauf – wissentlich? – einen Fahrzeugschein weitergereicht, der den Wagen zwei Jahre jünger machte, als er eigentlich war, wie sich anhand von Importpapieren feststellen ließ. Und wie sich jetzt herausstellte, hat er sowohl beim Kauf dieses Fahrzeugs als auch bei zwei späteren Gelegenheiten in seinen Ausweispapieren falsche Adressen angegeben – was inzwischen zu einer weiteren Anklage geführt hat. In einem Fall war er so dämlich, eine Küstenstraße anzugeben, die nur auf der Seite mit den geraden Nummern bebaut ist. Sein Domizil mit der Nummer 3365 lag demnach mitten in einer Düne.

Weil die Königin heute – mal wieder – zum Papst gereist und damit außer Landes ist, spielt Amado für die nächsten Tage den amtierenden Präsidenten (Gott steh uns bei*). Trotz aller Gerichtsverfahren und laufender Untersuchungen sieht er keinen Grund für das Ruhen seines Amtes oder gar Rücktritt. Und grinst.

Boudou grinst.

Boudou grinst.

Mal ehrlich, Fernsehunterhaltung kenne ich sonst nicht so bunt und unterhaltsam. Und gleich bei uns: Die Millionengeschäfte des Chauffeurs von Nestor Kirchner. Nach der Werbung…

–ZAP–

 

*Wie lautet die Atheistenformel für diesen Ausdruck?

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2 Antworten zu April, April

  1. antje schreibt:

    wir haben schon das ganze jahr april april, leider können wir nicht darüber lachen. * hilfe oder hol mich hier raus 😉 wer ist eigentlich abgebrühter, cris oder amado? es ist unglaublich, was die sich erlauben (können)! liebe grüße

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