Tornado-Saison

Tornados? Da dachte ich zumindest bisher an den Mittleren Westen der USA. Tatsächlich hat aber offenbar auch Argentinien seine Tornado-Saison. Und die wurde vorgestern eröffnet.

Am schlimmsten erwischt hat es die Kleinstadt Chivilcoy, ca. 120 km westlich von hier (Bilderstrecke). Dort sind ’ne Menge Hausdächer weggeflogen, Scheunen und Fabrikhallen (meist einfache Wellblechstrukturen) wurden zusammengedrückt, Bäume entwurzelt oder abgeknickt, Strommasten umgeworfen.

Hier in Lomas haben wir nur noch die Ausläufer abgekriegt, aber auch die hatten es mit Windböen von 150km/h noch in sich. Auch hier hat es viele Bäume erwischt, Strom-, Telefon- und Fernsehkabel abgerissen und auch das eine oder andere Hausdach abgetragen. Auf dem Foto unten der Sitz des hiesigen Sportclubs „Los Andes“, dessen Dach auf der Hauptverkehrsader von Buenos Aires Richtung Süden landete, die deswegen voll gesperrt werden musste.

Sitz des Club Atletico Los Andes nach dem Tornado am 2.12.2013

Sitz des Club Atletico Los Andes am Tag nach dem Tornado vom 2.12.2013

Im Gegensatz zum eher dünn besiedelten Chivilcoy waren hier in Lomas auch zwei Todesopfer zu beklagen. Ein achtstöckiger Rohbau war zusammengestürzt und hatte die Männer unter sich begraben. Was – so zynisch das klingt – meine Vorurteile über die „Qualität“ des hiesigen Hochbaus leider voll bestätigt.

Mehr Glück hatten die Autofahrer, die in ihrem Auto beinahe vom goldenen Werbe-M von McDonalds erschlagen worden wären. Solche riesigen Werbestrukturen auf Hausdächern – meist nur in Leichtbauweise ausgeführt und entsprechend anfällig für Wind – waren es vor allem, die hier in Lomas gerade entlang der Hauptverkehrsstraßen zu Bruch gingen.

Umgestürzte Werbetafel. Im Hintergrund nochmal der Club Los Andes.

Umgestürzte Werbetafel. Im Hintergrund nochmal der Club Los Andes.

Bei uns zuhaus ist glücklicherweise nichts zu Bruch gegangen. Ein paar abgerissene Äste und zerzauste Tomatenpflanzen waren schon alles. Nicht mal Strom oder Internetanschluss fielen aus. Den Nachbarn zur rechten sind allerdings ein paar Ziegel vom Dach in unseren Vorgarten gefallen und denen zur linken ist der Pflaumenbaum abgebrochen und auf die Garage gekracht – allerdings ohne größere Schäden anzurichten. Überhaupt hat sich das Panorama in unserer Umgebung durch etliche umgestürzte oder abgerissene Bäume etwas verändert.

Der Pflaumenbaum in Nachbars Garten: links im September 2010 in voller Blüte, rechts der Stumpf heute.

Der Pflaumenbaum in Nachbars Garten: links im September 2010 in voller Blüte, rechts der Stumpf heute.

Karte der Tornados in Argentinien von 1930 bis 2010. Hellblau die unbestätigten Tornados

Karte der Tornados in Argentinien von 1930 bis 2010. Hellblau die unbestätigten Tornados (Quelle)

Dass Tornados hier zwar nicht so häufig vorkommen wie in Oklahoma oder Arkansas, aber dennoch keine Seltenheit sind ergibt sich aus der nebenstehenden Grafik. Tatsächlich gibt es pro Jahr angeblich zwischen 10 und 15 Tornados, meist der Kategorien F1 oder F2, gelegentlich jedoch auch mal F3 oder F4. Und seit etwa dem Jahr 2000 wird eine Zunahme sowohl der entsprechenden Wetterlagen als auch der tatsächlich auftretenden Tornadoereignisse registriert:

Liniengrafik Entwicklung der Tage mit Tornado-Wetterlage (braun) und der Tage mit Tornados (orange)

Entwicklung der Tage mit Tornado-Wetterlage (braun) und der Tage mit Tornados (orange) pro Saison von 1974/75 bis 2010/11 (Quelle)

Ich bin jedenfalls froh, dass ich nicht in so einem Holzhäuschen in der Prärie von Illinois wohne, sondern in einem solide gebauten Steinhaus, das sich noch dazu ein bißchen in den Windschatten des großen Nachbarhauses duckt. Und auch wenn ich zugeben muss, dass einem die 10 Minuten heftiger Wind und Gerüttel an Türen und Fenstern schon einen Adrenalinkick geben: ich muss das jetzt nicht jede Woche haben. Geht ja immer nur so lange gut bis es mal schlecht geht…

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2 Antworten zu Tornado-Saison

  1. antje schreibt:

    ja fein, da bist du ja wieder! wenn auch mit weniger schönen nachrichten, aber ihr seid verschont geblieben. wie wir neulich bei hagel und „steinen“, das kannte ich bis dahin nur aus dem tv. sieht beängstigend aus und hört sich noch schlimmer an, wenn 5 – 10 cm-große eisklumpen um´s und auf´s haus hageln. viele grüße aus den bergen

    • llamadojorge schreibt:

      Ahoi Antje, ja, ich hatte wegen viel Arbeit ’ne längere Zwangspause hier im Blog (hab allerdings nach dem Datafest was im Zweitblog hinterlassen). Die „Steine“ kenn ich schon, das haben wir hier gelegentlich. Running Gag in meiner argentinischen Familie ist bei einem strahlend blauen Himmel mit einer einzigen, klitzekleinen Schönwetterwolke die Vorhersage, dass es sich zuzieht und bald Steine regnet. Mein Schwiegerpapa pflegte derlei düstere Ansagen zu machen. Hat sich allerdings gelegt, seit wir uns drüber lustig machen. 🙂 Grüße zurück!

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