Ehrenrettung für die argentinische Bürokratie

In seinem Rundumschlag gegen die deutsche Bürokratie hat Christoph gerade auch die argentinische madig gemacht. Dass er sich die nicht antue und auf jeden Fall wieder einen deutschen Führerschein haben will usw.usf.

Deshalb – und weil ich zufällig gerade heute beim Amt war, um meinen Führerschein zu verlängern (ja, der läuft in zwei Wochen ab, ist hier so) – muss ich jetzt mal zur Ehrenrettung der argentinischen Behörden sagen: ist alles gar nicht so schlimm.

  1. Termin per Internet gemacht
  2. Am Amt angekommen und sofort am Empfang bedient worden. Nochmal weggeschickt worden, um Kopien meines DNI (Personalausweis) und alten Führerscheins zu machen. In doppelter Ausfertigung. Mit Anleitung, welche Seiten des (in meinem Fall noch in Heftform vorliegenden) Personalausweises denn bitte kopiert werden müssen.
  3. Wieder zurück vom Kopieren beim Kiosk gegenüber, wieder sofort bedient worden. Wobei das Bedienen in diesem Fall darin bestand, zu kontrollieren, ob ich die Kopien alle beisammen hatte. Nummer gekriegt und zur nächsten Station geschickt worden.
  4. Kaum hab ich mich im Wartebereich hingesetzt, bin ich auch schon dran. Ich krieg zwei Zahlzettel und werde zur Kasse geschickt. Aufruf per Nummer.
  5. Wieder bin ich sofort dran und darf meine 116 Pesos blechen. Weiter geht’s.
  6. An der nächsten Station (wo mich der freundliche junge Mann von der Cámpora schon erwartet (!)), wird kontrolliert, ob ich bezahlt habe, meine Daten werden aufgenommen, elektronischer Fingerabdruck, elektronisches Foto und ab zur Augenkontrolle.
  7. Hier muss ich erstmals 30 Sekunden warten. Dann bin ich kaum drin und schon wieder draußen. So schnell konnte ich gar nicht gucken. Der Herr am Gerät sagte original: „Sie müssen bitte schneller lesen.“
  8. Dann hakt es plötzlich. Ich muss tatsächlich geschlagene 10 Minuten warten bis ich an der Station „Recibos“ noch mal einen Zahlzettel ausgehändigt bekomme. Damit also wieder zur Kasse.
  9. Kasse geht wieder fix (beim Kassieren sind die wirklich schnell). Also nochmal 114 Pesos auf den Tisch und ab zur letzten Station.
  10. Erste Enttäuschung des Tages: nach diesem Durchmarsch hab ich schon fest damit gerechnet, den neuen Führerschein auch sofort ausgehändigt zu bekommen. Fehlanzeige, Abholschein mit Datum 2.9. Auf meinen Einwand, dass mein alter aber am 28.8 ablaufe, meint die junge Dame gegenüber, ich könne es ja auch dann schon mal versuchen. Aber sie seien mit der Postbearbeitung etwas in Verzug.

Watt sachste nu? Ok, die gefühlt 148 Stationen sind echter Overkill, aber es ging dafür erstaunlich schnell. Termin um 10:10, um 11 Uhr war ich schon wieder draußen. Und außerdem: Irgendwo muss die Million neuer Arbeitplätze im öffentlichen Dienst ja sein, die in den vergangenen zehn Jahren geschaffen worden ist. Denn das ist natürlich die Kehrseite des Geschwindigkeitsrauschs beim Amt: ’ne Menge Leute, die sich die Eier schaukeln. Und zwar richtig feist und vor Publikum (und die Smartphones mit Whatsapp und ähnlichen Zeitvertreiben sind da wirklich keine Hilfe).

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7 Antworten zu Ehrenrettung für die argentinische Bürokratie

  1. Habe soeben meine beiden deutschen Führerscheine verbrannt, zerschnitten, zerkratzt (in dieser Reihenfolge) und dann ohne frankierten Rückumschlag an den Bundesverkehrsminister verschickt. Morgen hole ich mir das argentinische Ding – und wehe, ich werde nicht von La Cámpora bedient. Beim feisten Eierschaukeln bin ich auf jeden Fall dabei, da mach ich mit.

    Geht das mit dem Nationalitätswechsel auch so schnell, weißt Du das, Jorge? Hätte am Freitag zwischen elf und zwölf noch Luft in meinem unsichtbaren Terminkalender.

    • llamadojorge schreibt:

      Christoph, du hast das missverstanden: Die „Kunden“ kommen gar nicht dazu, sich die Eier zu schaukeln, weil die armen öffentlichen Angestellten schon so gelangweilt sind, dass sie sich über jeden, der auftaucht, tierisch freuen: endlich was zu tun! Aber du kannst dich natürlich bewerben. Formulare dafür hat das Cámpora-Mitglied deines Vertrauens. Vielleicht verteilt auch Martín (Insaurralde) noch welche. Ich muss sagen, hier in Lomas hat er wirklich ganze Arbeit geleistet.
      Thema Nationalitätswechsel: nee, keine Ahnung. Aber ich lese Danü kennt sich da aus.

  2. Monica schreibt:

    duelo de campeones …
    😀
    ¿quién lo cuenta mejor? ¿quién es más gracioso?

  3. antje schreibt:

    also echt, ich komm aus dem lachen nicht raus, nachdem ich auch bei cw gelesen habe! 🙂 du bist bestimmt so freundlich und schnell behandelt worden, weil, es ist ja wieder vor der wahl…
    in tanti geht das übrigens in 5 minuten, mit foto UND neuem fs ! alles auf einem amt 🙂 ok, mit drucken vielleicht 10 minuten.
    grüße aus den sierras

    • antje, wie lange fährt man denn von Buenos Aires nach Tanti? Müsste den Bus (welche Linie?) nehmen, habe doch keinen Führerschein mehr. Ja, oder Fahrrad.

      • antje schreibt:

        mit dem zug natürlich! dauerte vor 2 oder 3 jahren 14 – 18 stunden, allerdings nur bis cordoba, von dort dann mit dem fahrrad, naja… du brauchst wahrscheinlich nur ´ne stunde für die 60 km bis tanti. bis bald denn.

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