Lesetipp: Reisebericht in der NZZ, Temperaturdaten im Zweitblog

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen. Das macht Werner Martti in der NZZ, und er ist weit gereist: von Buenos Aires per Auto nach Ushuaia, ans Ende der Welt.

NZZ: Von Buenos Aires ans Ende der Welt

NZZ: Von Buenos Aires ans Ende der Welt

Er erzählt auch sehr schön, aber ich glaube, er ist dem Hotelbesitzer in Rio Mayo auf den Leim gegangen, was die winterlichen Temperaturen angeht (oder spricht nicht genug Spanisch um Durchschnitts- von Tiefsttemperatur zu unterscheiden). Ich kann mir gut vorstellen, dass es in der Mitte der Wüste von Chubut nachts sehr kalt wird, vor allem, wenn dann noch ein starker Wind weht. Aber tagsüber wird es bestimmt meistens über Null, vor allem, wenn die Sonne rausguckt.

Und mit „Durchschnittstemperaturen“ ist das ja so ’ne Sache. Ein Durchschnitt bedeutet, die Summe aller gemessenen Werte durch ihre Anzahl zu teilen. Wenn ich also am Tag plus fünf Grad messe (was 20 Grad vom behaupteten Durchschnitt von -15 Grad weg ist), bräuchte ich nachts Temperaturen von -35 Grad. Und die glaub ich ihm bei einem Breitengrad, der auf der nördlichen Halbkugel dem von Venedig entspräche, nicht.

Ich hab dafür auch einen Grund. Seit einiger Zeit trage ich mich mit dem Gedanken, aus allen möglichen Zahlen und Daten aus und über Argentinien mal ein paar interaktive Grafiken zu basteln und die ins Netz zu stellen, hauptsächlich für mich als Übung. Weil ich das bei wordpress.com aber nicht darf (Javascript und iframes werden ausgefiltert), hab ich dafür ein Zweitblog eröffnet. Heißt fast genauso: Me llaman Jorge2. Und eine meiner ersten Übungen war die Verwandlung einer Datenreihe, die von Klimaforschern zur Bewertung des Treibhauseffekts benutzt wird in eine Landkarte der Messstationen in Argentinien mit den entsprechenden monatlichen Durchschnittstemperaturen, und zwar sowohl der Höchst-, Durchschnitts- und Tiefstemperaturen. Nicht für alle Stationen gibt’s dazu Angaben, es fehlen für ein paar Stationen auch etliche Jahre (ich hab alles ab 2000 genommen, was ich kriegen konnte, manches reicht bis März 2013).

Temperaturkurve für Gobernador Gregores für 2003

Temperaturkurve für Gobernador Gregores für 2003

Die nächstgelegene Inlandsstation zu Rio Mayo ist Gobernador Gregores. Das liegt noch mal gut 300 Kilometer weiter südlich, ebenfalls in the middle of nowhere. Und die Daten sind ziemlich eindeutig: Der Temperaturdurchschnitt dort lag nur im Juni 2000 und 2002 überhaupt unter Null (einmal -0.1° und einmal -1.2°). Alle anderen Monate von 2000 bis 2006 (weiter reicht die Zeitreihe für diesen Messpunkt nicht) haben positive Durchschnittstemperaturen. An alle sonstigen umliegenden Meßpunkten sieht es nicht sehr anders aus. Selbst die durchschnittlichen Tiefsttemperaturen (also der monatliche Durchschnitt aller täglich gemessenen tiefsten Temperaturen) lagen nur im Juni und Juli 2000 unter -5 Grad. Ok, es gibt einen Datenwert, der bei -8,7 Grad liegt, aber das halte ich für einen Datenfehler, denn die Angabe gilt für Januar 2002. Und dann ist Sommer. Wahrscheinlich ist da einfach nur ein Minus zuviel.

Wenn ihr also demnächst nach oder durch Argentinien reist, und nicht wisst, welche Klamotten für die Jahreszeit empfehlenswert wären, schaut doch mal rein.

Und weil ich ein alter Korintenkacker bin: Auch die Angabe im Artikel, in der Provinz Santa Cruz lebten weniger als ein Mensch pro Quadratkilometer stimmt nicht (mehr). Jedenfalls nicht, wenn man der nationalen Statistikbehörde und ihren Zensusdaten von 2010 traut.

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2 Antworten zu Lesetipp: Reisebericht in der NZZ, Temperaturdaten im Zweitblog

  1. spassi schreibt:

    Falls Helge mal die Freizeit übermannt…sollten wir mal einen Malbec, gerne auf meine Kosten, öffnen. Du bist glaube ich in Lomas, ich in Ezeiza. Und als Korinthenkacker bin ich der Ältere! Groetjes de spassi

    • llamadojorge schreibt:

      Hey Spassi, wusste nicht dass du da Rechte dran hältst, am Korintenkacken. 🙂 Aber Malbec klingt gut. Ist nur im Moment wenig Freizeit da. Ich meld mich, wenn’s mal anders ist. Grüße in die Nachbarschaft.

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