FAZ: Zwischen Bauruinen und Wolkenkratzern

Nur ganz kurz, weil eigentlich keine Zeit: Schöner Artikel in der FAZ im Vorfeld der Wahlen am Sonntag: Zwischen Bauruinen und Wolkenkratzern. Was der Artikel verschweigt: die Umfragen sehen Königin Cristina inzwischen bei 52-57%. Im Kongress wird sie dann wohl durchregieren und vielleicht sogar eine Verfassungsänderung anstreben, die ihr eine dritte Amtszeit erlauben würde. Gruslig.

Update: So langsam kommen sie alle, beim Deutschlandfunk gibt’s einen guten Beitrag (bis auf die Überschrift), die taz widmet der Wahl einen Artikel (pardon: zwei: letzterer über die Krise vor 10 Jahren), die unabhängige Nachrichtenagentur InterPressService (IPS) hat einen langen Artikel (den es im Womblog auch in deutscher Übersetzung gibt), in dem nochmal die Kandidaten vorgestellt werden und eine Politikwissenschaftlerin zitiert wird, die Opposition habe sich offenbar darauf geeinigt nicht gegen die Präsidentin anzutreten, sondern lediglich um Platz 2 zu kämpfen. Tatsächlich haben sich die Oppositionskandidaten in erster Linie untereinander beharkt, Attacken auf Königin Cristina gab es so gut wie nicht. Die Junge Welt jubelt über den Boom trotz Inflation, vermeldet reihenweise die Erfolge des „Kirchner-Modells“ und gaukelt im Fall der Renten sogar Steigerungsraten von 1000% vor, wo es nicht mal 100% sind (lieber Autor Fernando Krakowiak, falls du das hier irgendwann lesen solltest: 2001 war der Peso noch 1:1 an den Dollar gekoppelt, der Umtausch zum Euro war über das Jahr gemittelt 1,12:1, wie du bei den historischen Wechselkursrechnern von oanda.com leicht hättest herausfinden können und eine Rente von 150 Pesos war dementsprechend rund 130 Euro wert, nicht 25). Düster ist dagegen das Panorama, das Die Welt für die nächsten Jahre aufmalt: Defizite und kreative Buchführung im Staatshaushalt hat Autorin Sandra Weiss hier ausgemacht. Sie freut sich aber im Standard aus Österreich, dass Cristina, die seit Néstors Tod vor fast genau einem Jahr nur noch Schwarz trug, demnächst wieder buntere Klamotten tragen darf. Zur Ehrenrettung dieses Artikels muss man sagen, dass er die erste, schlüssige Erklärung des „Modells“ enthält, von dem die Kirchneristen hier ständig schwafeln und das man „vertiefen“ müsse. Einen erheblich kürzeren Artikel von derselben Autorin gibt’s auch noch im Tagesspiegel.

Wahlkampfzeiten sind gute Zeiten für arme Auslandsreporter. 🙂

Update 2: Der Autor des Artikels in der ZEIThat einen schönen Lapsus fabriziert, er spricht von der „Cassa Rosada“ (also der rosafarbenen Kasse -eigentlich caja im Spanischen-, im Gegensatz zu Casa Rosada, dem rosafarbenen Haus, dem argentinischen Regierungssitz).

Ausriss aus der ZEIT

Ausriss aus der ZEIT

Passend bei einer Präsidentin deren persönliches Vermögen zu Beginn der Amtszeit ihres Mannes 2003 mit etwas über 2 Mio. Pesos, inzwischen aber mit über 70 Mio. Pesos angegeben wird. Ganz offiziell und von ihr selbst übrigens, nicht irgendwelche journalistischen Spekulationen. Warum ihr das nicht auf die Füße fällt und von den Medien mehr thematisiert wird, verstehe ich nicht.

Wikipedia: Sufijo que entra en la formación de palabras con el significado de: I Acción y efecto: cese, corte, tueste.

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3 Antworten zu FAZ: Zwischen Bauruinen und Wolkenkratzern

  1. antje schreibt:

    super artikel! danke!
    liebe gruesse

  2. spassmusssein schreibt:

    Najanunjaundsoschlechter…,
    Wenn ein Artikel die „Brücke de las mujeres“ als „Hängebrücke“ bebuchstabt, mag ich nicht weiter unlesen.
    Vollidioten sind wie Bumeränge…they always come back.
    Bist Du wahlpflichtig als Fremdling?
    P.D. Da die Presse gesamthaft lügt, wäre der Bestaufmacher von Clarin/Tinelli: Reinkarnation in der Show von Nestor und Julio. Einschaltundenkquote: 99%
    Guten Abig

    • llamadojorge schreibt:

      Hallo Spassi, nein, wahlpflichtig bin nicht nicht, nicht mal berechtigt. Bei den nationalen Wahlen ist das wie in D: wir Ausländer müssen draußen bleiben. Für lokale oder Provinzwahlen könnte ich mich als im Land lebender Ausländer registrieren lassen und hätte dann auch eine Wahlpflicht. Das hab ich aber für diese Wahlen zeitlich verpasst. Muss ich im Vorfeld der nächsten mal nachholen.

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