Geeimert

Den Deutschen wird ja so allerhand nachgesagt in der Welt. Sie seien besonders fleißig, ist hier oft zu hören, sehr effizient und ordentlich, jedoch leider wenig humorvoll. Ein weiteres Adjektiv, dass die Deutschen gerne mit sich selbst verbinden, ist „sauber“. Im Urlaubshotel, vor allem im südlichen Ausland, ist es das nie genügend und wie Mutti zuhause putzt schon mal überhaupt niemand. So das Klischee.

Nun, ich hab Neuigkeiten: hier schon. Um ehrlich zu sein, gibt es hier Hausfrauen, die deutlich gründlicher putzen als Mutti daheim (sorry, Mutsch). Nicht, dass ich das für erstrebenswert hielte. Ich bin auch was die Ordnungsliebe angeht nicht sonderlich „deutsch“ im Sinne der oben aufgezählten Tugenden. Das Genie überblickt schließlich das (selbstangerichtete) Chaos. 😉

Mich persönlich irritiert dabei besonders eine Eigenart des Putzens vor der Haustür: das „Eimern“, im hiesigen Idiom „baldear“ genannt (von balde = Eimer). Eimerweise wird da Wasser auf den Fußboden gekippt und hinterher mit einem Strohbesen gründlich gekehrt, damit der Staub von den Steinplatten in der Einfahrt oder – ja tatsächlich – dem Bürgersteig runtergeht. Einige Damen (es sind fast ausschließlich solche), die dieser Tätigkeit nachgehen, belassen es nicht nur beim Wasser, sondern versetzen dies bisweilen sogar mit Putzmittel (z.B. wenn irgendein geparktes Fahrzeug einen Ölfleck hinterlassen hat).

Ganz eifrige greifen sogar zu Chlorreinigern damit der Bürgersteig auch keimfrei wird und dann muss man höllisch aufpassen, dass man keine Spritzer an die Klamotten kriegt, weil die sonst ruckzuck gesprenkelt sind. Glücklicherweise kündigt sich diese Form des Eimerns immer schon einige Meter vor Erreichen der Zone olfaktorisch an, sprich: es riecht nach Schwimmbad. Meist weiche ich dann inzwischen auf die Straße aus, auch weil man beim Durchschreiten der Putzzone während des Putzvorgangs gelegentlich recht ärgerliche Blicke zugeworfen kriegt, nach dem Motto: „Kerl, pass doch auf, ich hab grad‘ frisch geputzt“.

Meine Vermutung ist, dass dies eine Eigenart insbesondere der Porteños ist, also der Einwohner von Buenos Aires. In vielen anderen Landesteilen ist Wasser viel zu kostbar, um es einfach auf die Straße zu schütten. Hier sollte es das eigentlich auch sein, aber das Bewusstsein dafür scheint nicht sehr ausgeprägt.

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2 Antworten zu Geeimert

  1. Cecilia schreibt:

    Son famosas las veredas enceradas de Mendoza y la limpieza de la capital salteña se lleva honores. Los porteños somos muy sucios en realidad, Mr. George!

  2. antje schreibt:

    genau, die bürgersteige in mendoza glänzen immer und sind berühmt dafür. – also das putzen hier ist schon gaaaanz anders als in DE. nicht nur das „eimern“, auch die innenräume werden nach dem fegen oder oder wischen noch mit glanz mittels eines moppähnlichen gerätes versehen, ins putzwasser kommt bei vielen sogar noch duftstoff für den fußboden. in bad und wc darf chlor nicht fehlen, ist nicht gerade umweltschonend. ich denke, daß vor allem wegen ungeziefer so gründlich geputzt wird, damit nur keine unerwünschten tierchen ins haus kommen.
    liebe grüße

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