Telefonabzocke

Seit etlichen Tagen bekommen wir immer wieder Anrufe von irgendeinem Callcenter, die uns vorgeblich von Seiten der hiesigen Telefonregulierungsbehörde nach Informationen über unseren Telefonanbieter befragen. Beim ersten Mal hat Cecilia das Spiel nicht sofort durchschaut und bereitwillig Auskunft gegeben.

Misstrauisch wurden wir allerdings, als uns ein weiterer Anruf unmittelbar im Anschluss an den ersten angekündigt wurde. Tatsächlich klingelte kurz darauf das Telefon und ein anderer Callcentermitarbeiter – vorgeblich weiter im Auftrag der Comisión Nacional de Comunicaciones – erklärte Cecilia, dass unsere Langstreckengespräche über einen der beiden großen nationalen Anbieter Telefónica laufen müssten. Zum Hintergrund: wir sind Kunden bei einem kleinen aber feinen Anbieter namens Telecentro, der Kabelfernsehen, Internet und Telefon in einem Festpreispaket bündelt; den gibt’s nur hier im Großraum Buenos Aires und der macht, wie ich im Bekanntenkreis feststelle, der großen Telefónica durch günstigere Preise und besseren Service immer mehr Kunden abspenstig.

Zurück zu den Langstreckengesprächen: auf Cecilias Rückfrage, ob das wirklich gesetzlich so geregelt sei, bejahte der Callcentermitarbeiter ausdrücklich, fragte dann noch einmal alle Daten ab und kündigte einen dritten Anruf im Anschluss an diesen zweiten an.

Da wir mittlerweile sehr misstrauisch geworden waren, sind wir beim dritten Klingeln nicht mehr drangegangen – was auch sehr gut war. Denn das Spiel läuft offenbar so geschickt, dass man sich während des ersten Gesprächs als Nicht-Telefónica-Kunde outet, im zweiten Gespräch ohne es recht zu merken einen Vertrag für Langstreckengespräche mit dem Telefonkonzern abschließt, der durch den dritten Anruf bestätigt wird.

Cecilia fand das heraus als sie im Anschluss die tatsächliche CNC anrief, die bestritten, derartige Anrufe zu machen und ihr rieten, sich an die hiesige Variante der Verbraucherzentrale, die Comisión de Defensa del Consumidor zu wenden. zunächst unseren Telefonanbieter und dann die hiesige Variante der Verbraucherzentrale, die Comisión de Defensa del Consumidor anrief. Diese empfahlen uns, uns an die tatsächliche CNC zu wenden. Dort kannten die das Spiel schon und klärten uns entsprechend auf. (Ich hatte da was durcheinander gebracht, sorry.)

Das Perfide an der ganzen Nummer ist, dass Telefónica ein fürchterlicher Krake ist, der einen aus seinen Armen nicht mehr oder nur mit erheblichem Aufwand entlässt. Meine Schwiegereltern haben ihren Telefónica-Anschluss im Januar dieses Jahres gekündigt und sind ebenfalls zu Telecentro gewechselt. Monatelang trudelten von Telefónica jedoch weiter Rechnungen und Mahnungen bei ihnen ein. Jedes Mal sind sie wieder hingegangen, haben Schlange gestanden, ihre abgestempelte Kündigung vorgezeigt, von den Mitarbeitern versichert bekommen, jetzt seien sie aber wirklich aus dem Kundenstamm genommen – nur um im nächsten Monat erneut eine Rechnung zu erhalten.

Im Februar hatten sie die erste sogar noch bezahlt. Im Mai gab es schließlich ein Schreiben, sie hätten ein Guthaben über diesen Betrag und sollten bitte vorbeikommen, damit dieses ausbezahlt werden könne (Überweisungen gibt’s hier in solchen Fällen schon mal gar nicht). Im Juni sind sie also zur hiesigen Zweigstelle gegangen, haben sich in die Schlange gestellt und haben dann erfahren, dass die Auszahlung nur in Monte Grande (einem Nachbarort) vorgenommen werden könne, in dieser Zweigstelle habe man keinen Kassenschalter. Etliche Tage später sind sie also nach Monte Grande gefahren, haben sich in die Schlange gestellt, und schließlich von der Kassiererin erfahren, der Betrag könne nicht ausgezahlt werden, denn es gebe eine unbezahlte Rechnung aus dem Mai. Die Kündigung aus dem Januar interessierte die Kassiererin nicht die Bohne, sie könne das Geld nicht ausbezahlen, nicht mal einen Differenzbetrag.

Das ist nicht ihre erste schlechte Erfahrung mit Telefónica: in früheren Jahren landeten immer wieder merkwürdige Langstreckengespräche auf ihrer Telefonrechnung, die sie gar nicht geführt hatten, bis sie eine so genannte „linea contról“ beantragten, bei der solche Gespräche komplett unterbunden sind. Dann versuchte der Telefonkonzern es damit, einen kostenpflichtigen Anrufbeantworter auf die Leitung zu schalten, den sie nie bestellt hatten, jedoch mehrfach wieder abbestellen mussten. Außerdem immer wieder Anrufe – gerne abends zur Essenszeit – in denen dieser und jener Zusatzservice des Unternehmens angeboten wurde. Undsoweiterundsofort…

Bei der schon erwähnten Comisión de Defensa del Consumidor erhielten Sie vor kurzem nur die Auskunft, sie sollten ein Schriftstück über die Kündigung von einem Notar beglaubigen lassen (natürlich kostenpflichtig) und das an Telefónica schicken. Sehen sie natürlich gar nicht ein. Sie sind ja schon seit einem dreiviertel Jahr keine Kunden mehr und haben das auch Schwarz auf Weiß. Was sie also also nächstes machen, wenn wieder eine Rechnung von Telefónica eintrudelt, weiß ich nicht. Wahrscheinlich einen Verwandten, der Rechtsanwalt ist, damit beauftragen, die Geier endlich ruhig zu stellen.

Ich bin nur froh, dass wir uns dieses Schicksal erspart haben. Vorerst. Bis die Brüder sich einen anderen Trick ausdenken, wie sie einen Kunden ködern, der gar nichts von ihnen will.

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4 Antworten zu Telefonabzocke

  1. antje schreibt:

    mannomann, das ist ja kraß! ein ähnliches spielchen hatten wir mal in DE, dort verlief die geschichte nach etlichen mahnungen und inkassobriefen im sande. und hier gibt es nur die telecom, eine andere wahl für festnetz haben wir gar nicht. wir haben die fehlende konkurrenz vermißt, aber wenn ich deinen bericht lese, sind wir lieber zufrieden.
    liebe grüße,
    antje

  2. llamadojorge schreibt:

    Ja Antje, in den meisten Gebieten in Argentinien gibt’s keine andere Wahl als einen der beiden großen Anbieter – Telefónica oder Telecom. Zu Menem-Zeiten haben die beiden Firmen das Land unter sich aufgeteilt und sich schöne Gebietsmonopole gesichert. Der entsprechend schlechte Service fällt ihnen jetzt auf die Füße, wo es zumindest hier in GBA Alternativen gibt.
    Cecilia hat übrigens noch wo angerufen: eine Firma, die überprüfen kann, ob die Langstreckengespräche vor kurzem auf einen anderen Anbieter überschrieben wurden (Nummer hatte sie auch von der CNC). Nur für den Fall der Fälle. Denn offenbar hat man nur fünf Arbeitstage Zeit um einen solcherart (s.o.) zustande gekommenen „Vertrag“ wieder rückgängig zu machen…

  3. Esther schreibt:

    Langstreckengespräch = long distance call = Ferngespräch
    … falls ich mich als Expat, umgeben von Schwiitzerdytsch, noch an die richtigen Vokabeln erinnere… 🙂
    Nix für ungut!! Sali aus der Schweiz

  4. llamadojorge schreibt:

    Das lass ich mal so stehen. 🙂

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