Die spinnen, die Deutschen

„Hallo, wie geht’s?“ <schmatz>. In Argentinien wird zur Begrüßung geküsst. Meistens einmal, manchmal aber auch zweimal. Und zwar zwischen Männern und Männern genauso wie zwischen Frauen und Männern oder Frauen und Frauen. Völlig normal hier. So normal, dass sogar wir Expats (also Deutsche, die sich hier unten treffen) das untereinander inzwischen so machen, was uns in D wahrscheinlich nie einfallen würde.

Kopfschütteln und Heiterkeit hat daher hier eine Nachricht ausgelöst, die uns aus Deutschland erreicht hat. Die Deutsche Knigge Gesellschaft – im hiesigen Medium vorgestellt als „eine wichtige deutsche Gesellschaft für Etikette und Verhaltensweisen“ – habe das Küssen am Arbeitsplatz untersagt. Ich wusste gar nicht, dass das in Deutschland ein Problem war. Außer Ausländern, Verliebten und Familienangehörigen kenne ich niemanden, der sich in Deutschland zur Begrüßung ein Küsschen auf die Wange drückt.

Muss aber doch ein wichtiges Thema sein. Immerhin hat die Knigge-Gesellschaft im letzten Jahr über 50 (!) Zuschriften dazu erhalten. Aufgrund der

„vielen Anfragen sah sich die Deutsche Knigge Gesellschaft nun veranlasst, Stellung zu beziehen.“ (Originalzitat)

So richtig viel Post scheinen die sonst nicht zu kriegen.

Aufgrund der Wichtigkeit des Themas haben die Hüter von Benimm und Anstand jedenfalls dann auch gleich eine ganze Kampagne losgetreten und bieten auf ihrer Website Aufsteller zum Runterladen und Selbstausdrucken an mit diesem Motiv:

Bussi, nein danke

Anti-Kuss-Motiv der Knigge-Gesellschaft

So ganz befreit von jeglichem Realitätssinn sind die Herrschaften dann aber doch nicht. Immerhin gestehen sie ein, dass es sich hierbei

„zur Zeit nicht unbedingt [um] das dringlichste Problem auf unserem Planeten“

handelt, das aber trotzdem erstaunlich viele Menschen beschäftige. Schlüsselwort in dem Satz ist wohl „erstaunlich“.

Und so richtig verbieten mochten sie’s auch nicht (können sie ja auch gar nicht). Für die Busserl-Fraktion in deutschen Büros gibt’s parallel den Aufsteller „Küss mich! Bussi Bussi erlaubt“, um klarzumachen, dass das mit dem Küsschen schon in Ordnung geht.

Leider kennen nur wenige Argentinier Asterix und Obelix. Sonst würden sie sich wohl in diesem Moment an die Stirn tippen und sagen „Die spinnen, die Deutschen.“

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8 Antworten zu Die spinnen, die Deutschen

  1. Cecilia schreibt:

    Die spinnen, di Deutschen! 🙂

  2. antje schreibt:

    wo ist mein kommentar geblieben… : |

    • llamadojorge schreibt:

      Hallo Antje, keine Ahnung, scheint hier nie eingegangen zu sein. Ich habe weder in den „unerledigten“ (noch zu moderierenden) noch in den als Spam gekennzeichneten Ordnern irgendeinen Kommentar liegen. Scheint im Datennirvana gelandet zu sein. Tut mir leid. Gelöscht hab ich ihn sicher nicht, ich war das ganze WE nicht online.

  3. Cecilia schreibt:

    Los argentinos también andamos mal 😦

  4. antje schreibt:

    ok, danke, ich hatte mich gewundert, was du so alles liest! aber nur so kannst du sooo schöne artikel finden! besonders lustig finde ich die 60 cm abstand zwischen zwei personen!
    porque andan mal tambien los argentinos?

    beso beso 😉

  5. Volker schreibt:

    Sonntag beim „El Clasico“ in Madrid. Das übliche Abklatschen aller Spieler beider Mannschaften vor dem Anstoß. Nur Messi drückt seinem Landsmann di Maria zusätzlich einen Kuss auf die Wange.
    Das hat mich sofort an diesen Beitrag hier erinnert.

  6. Cecilia schreibt:

    Antje, lo escribí el domingo, tras las primeras informaciones de la votación. Quedé perpleja y fue todo lo que me salió. Puff! Sigo sin palabras…. Como verás, ni siquiera en castellano…

    Beso!

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