Soja für BMW, Porsche kauft Wein, Adidas Möbel

Mist, aus der Nummer hätte ich auch gerne mal ’ne Geschichte gemacht, aber wie das so ist: es fehlt die Zeit – und jetzt steht’s in der Wirschaftswoche.

Ausriss Wirtschaftswoche

Ausriss Wirtschaftswoche: Bizarre Millionengeschäfte deutscher Firmen mit Argentinien

Kurzer Artikel über die absurden Gegengeschäfte, zu denen ausländische Firmen inzwischen gezwungen werden, damit die argentinische Handelsbilanz ein bißchen besser aussieht.

Ich frag mich nur: was machen die Konzern mit den Produkten, von denen sie eigentlich nichts verstehen? Bei Porsche, die Wein kaufen, kann ich noch nachvollziehen, was damit passiert (Prost, die Herren Vorstände :-)). Aber was macht Adidas mit Möbeln im Wert von mehreren Millionen Euro? Und was will BMW mit Reis und Soja?

Im Grunde muss ich sagen, das ist eigentlich ein ganz cleverer Einfall von Wirtschaftsstaatssekretär Guillermo Moreno. Wenn Argentinien für die deutschen Konzerne als Absatzmarkt so attraktiv ist, sollen sie bitte schön auch was von den hiesigen Produkten abnehmen. Wenn’s denn funktioniert und die Firmen nicht komplett vergrault. Denn das steht auch im Artikel: Apple liefert deswegen schon seit drei Monaten keine iPhones mehr…

Wahrscheinlich ist es wie so vieles bei Königin Cristina: kurzfristige Effekthascherei vor der Wahl. Danach sehen wir weiter.

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12 Antworten zu Soja für BMW, Porsche kauft Wein, Adidas Möbel

  1. rubenkalmbach schreibt:

    Komisch davon habe ich in den Arg Medien noch nichts gelesen :/ würde bestimmt ne coole Schlagzeile bei Clarin oder La Nacion abgeben hehe

  2. llamadojorge schreibt:

    Gibt’s aber auch, ist nur zum Teil schon etwas länger her: Clarín (Autobeilage): Automotrices: Buscan destrabar las importaciones
    La Nación: Vinos por autos, para equilibrar la balanza

  3. llamadojorge schreibt:

    Ich seh gerade, nach der WiWo hat’s auch AFP aufgegriffen: Deutsche Firmen setzen in Argentinien auf Tauschhandel

  4. Gerrit schreibt:

    BMW, VW, Adidas, etc. treten quasi als „Zwischenhändler“ in bereits bestehende Geschäftsbeziehungen ein. Dadurch wird nicht eine Flasche Wein oder ein Gramm Soja mehr exportiert. Allerdings können die Firmen behaupten sie würden exportieren. Die Transaktion kostet nur ein bisschen mehr und dieser Zusatzaufwand wird halt von VW und BMW getragen, damit sie ihre Autos importieren können. Wie die meisten Einfälle von Herrn Moreno eher wenig clever und der Wirtschaft Argentiniens eher schädlich…

  5. llamadojorge schreibt:

    Hallo Gerrit, das rückt die Sache in ein anderes Licht. Wenn bloß ein anderer Name auf den Exportpapieren steht ist der Effekt für die Handelsbilanz natürlich Null.
    Im Fall VW ist es aber scheinbar ein bißchen anders – die exportieren tatsächlich mehr und zwar Autos. Die haben nämlich die Fabrikation des Amarok-Pickups nach Argentinien gelegt und der wird von hier aus gut in andere Länder verkauft. Erst ab 2012 sollen die Kolosse (Leergewicht: rund 2 Tonnen, Realverbrauch >10 Liter auf 100 Kilometer) auch in Deutschland gebaut werden.

  6. Gerrit schreibt:

    VW hat natürlich hier die Produktion in Pacheco. Allerdings hat auch VW meines Wissens mehr Im- als Export und damit ein entsprechendes „Moreno-Problem“. Wollen die den Amarok tatsächlich in Europa bauen? Wer braucht denn so ein Ding dort? Das ist doch ein Nutzfahrzeug für die Schotterpiste…

    Eine andere durchaus lustige „Moreno-Geschichte“ ist das Thema „LCD para todos“. Diese Programm, das preisgünstige Flachbildfernseher für „alle“ bringen soll, ist nämlich handelsbilanztechnisch auch ein Schuss in den Ofen. Erst hat Herr Moreno die hier ansässigen „Hersteller“ (z.B. BGH) gedrängt, ein solches Gerät (32″ Bilddiagonale, Digitalempfänger etc.) kurzfristig anzubieten und als es dann soweit war bekamen eben diese Hersteller einen Anruf, dass sie nicht so viel importieren sollen. Das Problem aber ist, es gibt gar keine echte Produktion von Elektronikprodukten in Argentinien. Was z.B. BGH macht, ist in Japan oder Korea ein „Set“ zu kaufen, das dann in der „Fabrik“ in Feuerland (steuerbegünstigt) zusammengebaut wird. Ein solches Set besteht üblicherweise aus drei oder vier Teilen, die fast nur zusammengesteckt werden müssen. Fertig ist „made in Argentina“. Nur ist ein solches Produkt natürlich ein Netto-Import. Und das widerum gefällt Herrn Moreno nicht so sehr….

  7. llamadojorge schreibt:

    Ist halt ein echter Experte, der Herr Moreno. 🙂
    Was die Im- und Exporte von VW angeht, kann ich nur auf das verweisen, was in den hiesigen Gazetten stand: Durch den Export des Amarok soll die konzerninterne Handelsbilanz in diesem Jahr ausgeglichen, im nächsten Jahr sogar ein Exportüberschuss von über 500 Mio. Dollar erwirtschaftet werden. Und ja, die bauen den ab 2012 tatsächlich in D, im Werk Hannover. Siehe hier (und hier und hier). Wer den Brummer da kauft entzieht sich allerdings meiner Kenntnis. „Gebraucht“ wird er wohl von den Wenigsten. Aber das ist ja bei den meisten SUV auch so.

  8. llamadojorge schreibt:

    Bei Fortunaweb hab ich gerade noch einen Artikel gefunden, der die vermeintlichen Zusatz-Ausfuhren der Autoimporteure darstellt. Von Granatäpfeln bis Erdnüssen – alles dabei. Im Übrigen zahlen die Firmen aber offenbar auch nicht unerhebliche Summen Geld an das Wirtschaftsministerium, damit sie weiterhin Autos importieren dürfen. Das dürfte sich in den Preisen der Neuwagen niederschlagen.

  9. llamadojorge schreibt:

    Und jetzt hat auch das Manager-Magazin eine etwas größere Geschichte draus gemacht, die das Ganze in einen kontinentalen Kontext einordnet.

  10. llamadojorge schreibt:

    Dieses Jahr gibt’s in Argentinien keine neuen Harley’s mehr. Die Importquote ist erschöpft, vor 2012 werden keine neuen reingelassen.
    Mist, und ich wollte doch schnell noch vor dem Sommer…

  11. llamadojorge schreibt:

    Das Wall Street Journal hat einen längeren Artikel von Taos Turner von der „Argentine Post“ veröffentlicht, in dem Argentinien die zweifelhafte Ehre zuteil wird, als das protektionistischste Land der Welt gerühmt zu werden. Später im Artikel wird dann deutlich, dass es dabei nur um die Anzahl der neuen Handelsbeschränkungen im dritten Quartal 2011 geht.
    Interessant auch: offenbar gibt es wenig schriftliche Anweisungen, wie sich Importeure verhalten müssen, was sie importieren dürfen und was nicht. Das klärt Herr Moreno persönlich am Telefon. „Wie bei der Mafia“ zitiert das WSJ einen Manager. Auf diese Weise sind natürlich Beschwerdeverfahren bei der WTO schwieriger. Wenn die Praxis Schule macht und mehr Länder drauf bestehen, für den Import eines BMW aber bitte schön auch was von ihren Produkten loszuwerden, hat Deutschland die längste Zeit einen Handelsbilanzüberschuss gehabt.
    Und noch was hat für Schlagzeilen gesorgt: iPhones und Blackberrys sind ab sofort hier nicht mehr erhältlich. Verschiedene Online-Medien melden, dass diese Smartphones für die absehbare Zukunft in Argentinien nicht mehr erhältlich sein werden, weil beide Hersteller – im Gegensatz zur Konkurrenz Motorola, Nokia, Samsung etc. – keine Produktionsstätte im Inland besitzen. Das wirft den hiesigen Markt ziemlich durcheinander, denn angeblich haben Apple und RIM (Hersteller der Blackberrys) hier einen Marktanteil bei Smartphones von 60%. Diese Zahl möchte ich allerdings aus eigener Anschauung und aufgrund der Tatsache, dass die iPhones ja ohnehin schon länger nicht erhältlich waren, anzweifeln.

  12. Pingback: Mangelwirtschaft | Me llaman Jorge

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