Alles für alle

Mit einem symbolischen Kauf von vier Kilo Schweinefleisch hat heute Königin Cristina das Programm „Schwein für alle“ ins Leben gerufen. Das ist nicht der erste „für alle“-Plan der Regierung:

  • „Fußball für alle“: seit zwei Jahren sind sämtliche Spiele live im öffentlichen Fernsehen empfangbar
  • „Fisch für alle“: vor Ostern 2010 und 2011 fuhren drei Trucks v.a. durch den Großraum Buenos Aires, aber auch andere Großstädte und verkauften Seehecht und Kalmar zu besonders günstigen Preisen
  • „Schnitzel für alle“: im Februar wurden über den Großmarkt Buenos Aires Schnitzel zu vergünstigten Preisen angeboten
  • „Rindfleisch für alle“: seit Ende April wurden mit fünf Trucks hauptsächlich in den Armenvierteln im Großraum Buenos Aires einige besonders populäre Fleischzuschnitte 40-50% unter Marktwert verkauft; bin nicht sicher, ob das noch läuft

Offenbar haben sich die mobilen Einheiten bewährt, denn die kommen wieder zum Einsatz. Diesmal gibt’s allerdings vorgefertigte Packungen mit 4kg Schweinefleisch „Premium“ (mit qualitativ hochwertigeren Zuschnitten) und „Popular“, mit den billigeren Sachen für jeweils 40 bzw. 30 Pesos. Das entspricht einer Verbilligung von ebenfalls rund 50%, wenn ich das recht überblicke.

Verkauft werden soll das Fleisch wiederum hauptsächlich hier im Umland von Buenos Aires, wohl weil die Regierung hofft, hier damit besonders viele Stimmen für die anstehenden Wahlen gewinnen zu können. Vermutlich liegt sie damit nicht mal falsch. Immerhin wohnt im Großraum Buenos Aires rund ein Drittel der Wahlberechtigten des Landes. Offiziell dient es der Bekämpfung der Inflation, aber das ist natürlich Quatsch. Da hätte die Regierung andere Hebel, die sie in Bewegung setzen könnte. Außerdem fallen die angekündigten 10 Tonnen Fleisch pro Tag, die bei „Fleisch für alle“ in den Handel kamen, beim argentinischen Gesamtverbrauch von knapp 2 Mio. Tonnen im Jahr überhaupt nicht auf.

Da sich das offensichtlich als Sozialprogramm bei der Regierung festsetzt, werde ich mir glaube ich in den nächsten Tagen mal die Markenrechte an „Eier für alle“ („Huevos para todos“), „Hühnchen für alle“ („Pollo para todos“), „Pommes frites für alle“ („Papas fritas para todos“) und vielleicht auch „Alk für alle“ („Chupi para todos“) und „Joints für alle“ („Porros para todos“) sichern. Da bestehen Chancen, dass die Regierung das noch vor den Wahlen einführt und bei mir dann die Rechte kaufen muss. 🙂

Weniger Chancen bestehen bei dem, was eigentlich Aufgabe einer Regierung wäre: Gas, Wasser, Elektrizität und Sicherheit für alle bereitzustellen. Aber das sind sicher nur meine komischen Ausländerideen.

PS: Ich hatte diesen Artikel schon am Tag vorher geschrieben und wollte ihn dann automatisiert am nächsten Tag publizieren lassen. Dafür bietet WordPress eine schöne Funktion. Man müsste sie nur auch bedienen können. 🙂 Deshalb hier nachträglich aber mit Original-Datum.

Nachtrag 13.7.: Nun gibt’s auch noch „Milchprodukte für alle“. Und auch La Nación ist aufgefallen, dass das mit dem „für alle“ wohl nur ein Marketingspruch ist, weil die Mengen, die da in den Handel kommen, nicht mal 1% des Tagesverbrauchs des Landes erreichen.

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2 Antworten zu Alles für alle

  1. antje schreibt:

    gas wird hier in cordoba auch subventioniert. die flasche mit 10 l kostet statt 26 pesos nur 16 $……wenn es einen lieferanten in der nähe gibt! nach dem kälteeinbruch wurde das gas natürlich wieder knapp, und es gab keins, weder das subventionierte nach das teure.
    wie schön, daß es jetzt wieder warm ist,
    viele grüße,
    antje

    • llamadojorge schreibt:

      Wie anders das Leben bei euch ist – Gas in Flaschen, wenn überhaupt… Wir merken hier im Winter allenfalls, dass weniger Druck auf der Gasleitung ist und der Braten im Ofen ’ne halbe Stunde länger braucht. Bislang gibt es noch immer welches – importiert und hochgradig subventioniert, aber welche Regierung traut sich an das Thema Energiesubventionen schon noch ran? In La Nación stand kürzlich, dass allein im ersten Viertel dieses Jahres rund 10 Mrd. Dollar (also rund 40 Mrd. Pesos!) in Energiesubventionen geflossen sein sollen. Das wären auf’s Jahr hochgerechnet (was natürlich stark vereinfacht und eigentlich nicht zulässig ist) rund 160 Mrd. Pesos. Allerdings standen im Artikel offenbar etliche Falschinformationen, ich bin nicht sicher ob das nicht auch eine ist. Das Gesamtbudget des Staates beläuft sich 2011 auf rund 372 Mrd. Pesos – davon geht der Löwenanteil von 227 Mrd. für „Servicios Sociales“ drauf. Die Energiesubventionen verstecken sich mit Sicherheit hinter dieser Floskel, ob sie aber gleich zwei Drittel des Postens auffressen halte ich doch für eine ziemlich gewagte These, liebe La Nación.

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