Wahlzeit!

Seit zwei Tagen ist endlich das große Rätsel im Land gelöst: Macht sie’s nochmal oder nicht? Die Präsidentin. Antreten.

Sie tut’s. Mit einer launigen Rede („Die ewigen Spekulationen langweilen auf Dauer“) warf sie ihren Hut am Mittwoch nachmittag nochmal in den Ring. Bei der Entscheidungsfindung dürfte geholfen haben, dass sie in den meisten Umfragen derzeit einen komfortablen Vorsprung von 18 bis 20 Prozent auf den nächstbestplatzierten Kandidaten hat. Allerdings sind all diese Umfragen mit Vorsicht zu genießen, da ich noch nie eine Angabe gefunden habe, wie viele Bürger auf welche Weise wann befragt wurden. Die Antworten von 50 Bewohnern einer Slumsiedlung dürften anders ausfallen als die 50 Antworten von Bewohnern eines Villenvororts oder eines kleinen Orts auf dem Lande. Außerdem werden die Unentschlossenen selten gesondert ausgewiesen, und das sind angeblich nicht Wenige.

In wenigen Tagen dürfte dann auch feststehen, wie die „Formel“ aussieht, wer also der Vize-Kandidat wird. Nach der Pleite mit dem bisherigen Vize Julio Cobos, der ihr als Senats-Vorsitzender mehrfach in die Parade gefahren ist und gegen die Regierung abgestimmt hat, der er selbst angehört, wird sie in der Frage sicher nur einen 100%igen Anhänger des „Kirchner-Modells“ akzeptieren. Cobos war ein so genannter „Radicál K“, also jemand, der eigentlich der Bürgerlich-Radikalen Union UCR angehörte, sich aber von Kirchner für dessen Ideen begeistern ließ. Im Lauf der Zeit hat er sich dann offenbar wieder anders besonnen.

Fest stehen dagegen schon die Kandidaten, die die anderen Gruppierungen ins Rennen schicken, hier schön zusammengestellt von der Zeitung „Buenos Aires Economico“, kurz BAE:

Kandidaten für die Präsidentschaftswahl in Argentinien 2011

Kandidaten für die Präsidentschaftswahl in Argentinien 2011

Neben der Amtsinhaberin sind das Ricardo Alfonsín (Sohn des Ex-Präsidenten Raúl Alfonsín, Bild oben mitte), Eduardo Duhalde (war 1999 schon mal Kandidat, verlor aber und wurde 2002-2003 trotzdem Interims-Präsident, weil sonst keiner mehr wollte, oben rechts), Hermes Binner (Gouverneur der Provinz Santa Fé und der erste Sozialist, der so ein hohes Amt in Argentinien bekleidet, unten links), Alberto Rodríguez Saá (Gouverneur der Provinz San Luís, unten mitte links), Jorge Altamira (Vorsitzender der Arbeiterpartei, unten mitte rechts) sowie Elisa Carrió (Vorsitzende der Bürgerlichen Koalition, zum dritten Mal Kandidatin für die Präsidentschaft, unten rechts).

Neben der Präsidentin gehören dabei auch Rodríguez Saá und Duhalde zu Gruppierungen (Parteien kann man das nicht nennen, weil die nur für die Wahlen zusammengestrickt werden und hinterher wieder eigene Wege gehen) die sich auf peronistische Wurzeln berufen – wenn auch deutlich weiter rechtsgerichtet als Königin Cristina. Carrió hingegen gehörte früher mal der UCR an, will aber heute nicht mal mehr mit Alfonsín reden. Die Abneigung beruht offenbar auf Gegenseitigkeit. Inwieweit die Linksfront und die Breite Front für den Fortschritt (so die Übersetzungen der jeweiligen Wahlkoalitionen) miteinander können, weiß ich nicht, die kenne ich zu wenig. Große Chancen würde ich beiden ohnehin nicht einräumen. Derzeit liegt laut Umfragen Alfonsín an der Spitze der Verfolger.

Durch diese Zersplitterung der Opposition wird es für Cristina leicht, über die erste Wahl zu kommen. Ins Rennen geht sie jedenfalls als haushohe Favoritin. Die Frage ist, ob sie wieder im ersten Anlauf die 40+ Prozent vom letzten Mal schafft. Dann gibt’s nämlich keine Stichwahl. Sollte ihr das nicht gelingen, könnte es in der Stichwahl für sie nochmal eng werden. Denn dann bliebe von den anderen Kandidaten nur noch einer übrig und die Wähler müssten sich für einen von beiden entscheiden. Ob die Königin dann tatsächlich mehr als 50% holt, ist fraglich. Dazu sind die Kirchners einfach zu vielen Leuten zu lange auf die Füße getreten.

Dennoch: Wenn ich im Moment einen Tipp abgeben müsste, würde ich sagen, sie wird’s wieder. Die Wahl ist aber erst am 23. Oktober, die Stichwahl – so nötig – am 20. November. Bis dahin kann sich noch viel ändern. Zum Beispiel können nach schlechten Ergebnissen bei internen Vorwahlen der jeweiligen Gruppierungen einzelne Kandidaten noch zurückziehen. Deren Wähler müssten sich dann andere Favoriten suchen und könnten so die Chancen der Opposition verbessern. Diese Vorwahlen sind erstmals obligatorisch und werden alle am 14. August abgehalten. Das ist also zunächst das Datum auf das alle schielen. Und ich natürlich auch.

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