In diesen Tagen würde ich gerne…

…mal einen Blick in die Depeschen werfen, die die amerikanische Botschaft in Buenos Aires nach Washington schickt. Denn hier spielt sich gerade ein diplomatischer Skandal ersten Ranges ab, den die Botschaft sicher nicht unkommentiert lässt.

Am vergangenen Donnerstag landete eine US-amerikanische Militärmaschine auf dem Flughafen von Buenos Aires in Ezeiza, die offenbar brisante Ladung hatte – so die argentinische Seite. Waffen und Munition, Spionageequipment, Drogen und Medikamente mit abgelaufenem Haltbarkeitsdatum hätten sich unter der Ladung befunden. Das alles sei nicht deklariert gewesen und deswegen beschlagnahmt worden. Die argentinische Regierung verlangt eine Entschuldigung von Washington. Das ist die eine Lesart.

Die andere ist die der Nordamerikaner (und nicht weniger Oppositioneller in Argentinien). Das Flugzeug transportierte nämlich in der Hauptsache einen Trupp von US Special Forces, die auf Einladung der argentinischen Regierung hier ein Training mit Beamten der Bundespolizei durchführen sollten. Die amerikanische Botschaft hatte im Vorfeld eine Liste von Dingen eingereicht, die das Team mitbringen würde – und diese war vom argentinischen Außenministerium genehmigt worden.

Allerdings war diese Liste offenbar nicht vollständig oder genau genug. Bei der Inspektion des Zolls fanden sich zu den Maschinengewehren (deklariert und genehmigt) auch Ersatzmagazine, für den Fall, dass die vorhandenen bei der Übung überhitzten. Die hatten nicht die gleichen Seriennummern wie die MGs und wurden entsprechend beschlagnahmt.

Die vermeintliche „Spionageausrüstung“ sind angeblich lediglich aktuelle Satellitentelefone und Notebooks inklusive Kommunikationscodes der Spezialagenten, die im Fall einer Krise die Übung hätten abbrechen und auf sichere Weise mit ihren Einsatzleitern kommunizieren müssen.

Bei den Drogen handelt es sich nach US-Angaben um Morfine, wie sie Verwundeten gegen die Schmerzen gegeben werden. Offenbar sollte während der Übung mit scharfer Munition gearbeitet werden, wobei Verletzungen nicht völlig auszuschließen wären. Die abgelaufenen Medikamente befanden sich in einem Erste-Hilfe-Set, das als solches zwar deklariert war, aber ohne den Inhalt zu spezifizieren. Im Vorfeld hatten die argentinischen Behörden den Amerikanern angeblich noch versichert, solche Kleinigkeiten müssten nicht bis ins Detail aufgelistet werden.

Von einer völlig überzogenen Reaktion der argentinischen Behörden spricht daher die US-Regierung, verlangt die beschlagnahmte Ausrüstung zurück und lässt durchsickern, dass die argentinische Regierung beleidigt agiere, seit bekannt sei, dass US-Präsident Barack Obama bei seiner ersten Lateinamerikareise im März nur Brasilien, Chile und El Salvador besuchen wird.

Tatsächlich hatte sich Außenminister Héctor Timerman vor wenigen Tagen über US-finanzierte Fortbildungskurse für die vor wenigen Monaten neu gegründete Policia Metropolitana der Hauptstadt geäußert, die in einem Camp in El Salvador stattfinden. Er verlangte, das Kursmaterial zu prüfen und rückte die Ausbildung in El Salvador in die Nähe der berüchtigten Militärschule „School of the Americas“, wo angeblich nicht wenige lateinamerikanische Folterer ihr Handwerk erlernten. Zuvor hatte er die US-Administration bereits für ihre Waffenexporte kritisiert, die in der Region ein Wettrüsten verursacht hätten.

Die argentinische Regierung beharrt zumindest öffentlich derweil auf ihrer Sicht der Dinge. Die Gesetze gälten für jedermann, die US-Regierung könne nicht machen was sie wolle, was nicht deklariert sei, könne auch nicht eingeführt werden. Basta. „Souveränität“, so heute Königin Cristina bei einer Rede zur Einweihung der „Nestor-Kirchner-Strandpromenade“ in El Calafate, sei es, „die Interessen des Landes zu verteidigen.“ Und fügte hinzu: „Seit dem 25. Mai 2003 werden die Entscheidungen vom Präsidenten in der Casa Rosada getroffen und nicht von irgendwem von außerhalb aufgezwungen.“

Den Kommentar der US-Botschaft dazu würde ich zu gerne lesen. Kein Leak, irgendwo?

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Eine Antwort zu In diesen Tagen würde ich gerne…

  1. karl schreibt:

    moin, finde deinen stil ausgezeichnet, gute zusammenfassung der lage. bin ueber den artikel mit deiner katze hexe hergekommen, weil ich in den naechsten 1/2 monaten auch nach buenos aires ziehen moechte und mein kater mit soll. kannst du mir per mail schreiben, wie genau du das gemacht hast? er ist jetzt 14 und ne box im frachtraum wollte ich ihm nicht antun. vielleicht kannst du mir ja helfen. gruß, karl

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