Cristina schafft Atomkraft in Deutschland ab

Eigentlich wollte ich mal wieder über etwas Alltägliches schreiben und nicht immer nur über politische Dinge. Das macht’s irgendwie so unpersönlich. Aber was soll ich sagen: die Politiker hier hauen immer wieder so Dinger raus, die nicht unkommentiert bleiben können.

Königin Cristina bei der heutigen Rede

Königin Cristina bei der heutigen Rede

Heute zum Beispiel hat Königin Cristina eine schöne Rede gehalten (Text und Video) zur Vereinbarung eines Sozialen Dialogs mit der Bergbau-Industrie (Acuerdo de Diálogo Social con la industria Minera). Sie sprach zunächst über die Debatten, die sie in Santa Cruz geführt habe zum Thema Bergbau und brüstete sich mit dem Kohlekraftwerk, das dort gerade gebaut wird. Es gebe ja viele Mythen um das Thema Bergbau und Umweltverschmutzung. Und dann erwähnte sie Deutschland:

Als ich in Deutschland war – sie wissen vielleicht, dass Deutschland aufgrund eines Abkommens zwischen den Parteien keine Atomenergie produziert. Der Umweltschutz in Deutschland ist eine wahrhaftige Staatsaufgabe. Und als ich Volkswagen besucht habe, die größte Autofabrik in ganz Europa und ich glaube eine der größten der Welt, die Stadt [in der das Werk liegt] und alle Nachbarstädte produzieren absolut ihre ganze Energie auf Basis von Kohle. Und man kann in den Himmel sehen und sieht kein Partikel, kein Gestank, keine Verschmutzung weder visuell noch olfaktorisch oder der Umwelt irgendeiner Art. Natürlich braucht es dafür große Investitionen. Was will ich damit sagen? Dass jede Investition in Bergbau verbunden mit dem Umweltschutz nicht nur durchführbar ist, sondern sogar empfehlenswert.

Die Übersetzung und der [Zusatz] sind von mir, aber mit der Diktion hab ich nichts zu tun. Die Frau spricht frei einfach so. Die Rede ging noch etwa 15 Minuten weiter, über Lithiumreserven hier im Land und in den Nachbarländern Chile und Bolivien und wie wichtig die in Zukunft sein werden etc., aber das spar ich mir hier.

Tja, an dem Absatz stimmt ja leider so einiges nicht. Zum Mitschreiben: Atomkraft hat immer noch einen 25-30%igen Anteil an der Stromproduktion in Deutschland – und ist gerade nochmal für mindestens 12 Jahre verlängert worden (danke, Herr Bundespräsident). Wenn das Bundesverfassungsgericht dieses Gesetz nicht wieder zu Fall bringt, produzieren die dann 60 Jahre alten Reaktoren noch Strom, wenn ich irgendwann in Rente gehe. Derzeit bin ich ja zum Glück weit weg.

Und die „Volkswagen-Stadt“ (Wolfsburg, liebe Cristina), hat ein Stadtwerk, die LandE Stadtwerke Wolfsburg GmbH & Co. KG, kurz LSW. Die LSW muss, wie alle deutschen Stromanbieter, den Strommix mindestens einmal jährlich bekanntgeben, den sie ihren Kunden verkauft. Stromkennzeichnung heißt das. Und siehe da: 29% Anteil Atomstrom, 45% fossile Quellen und 26% Erneuerbare. „Absolut die ganze Energie auf Basis von Kohle“ sieht anders aus (zum Glück).

Entweder haben die Honoratioren, die die Dame in Deutschland informiert haben, ganz gehörig geschwindelt oder der Übersetzer konnte nicht wirklich deutsch und hat übersetzt, was ihm gerade einfiel. Oder da wird Politik mit „Wahrheiten“ gemacht, die keine sind. Sprich: gelogen, dass sich die Balken biegen. Und beim Bergbau ist richtig Geld im Spiel, ein Bergbauprojekt zieht man ja nicht mal eben so auf. Ich tendiere daher zu Letzterem.

Falls doch Unkenntnis der Grund sein sollte: Bevor Cristina sich wieder so einen Schnitzer leistet, sollte das argentinische Außenministerium zur besseren Information des Staatsoberhaupts vielleicht auf bewährte Techniken zurückgreifen und sich von seiner Botschaft haarklein alles berichten lassen, was in Deutschland so vor sich geht. Die Diplomaten anderer Staaten machen das doch schließlich auch.

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3 Antworten zu Cristina schafft Atomkraft in Deutschland ab

  1. Cecilia schreibt:

    Me encanta como titulaste a tu post! And she’s a cutie! I love it/her! 😉

  2. rainer hagendorf schreibt:

    hallo helge, derzeit kann ich aufgrund der op nur mit links schreiben, aber dein bericht hat mir mal wieder so gut gefallen, daß ich einfach mal ein dankeschön loswerden möchte (auch noch wegen der mail zum burzeltag). schreibst du aufgrund solcher veröffentlichungen auch mal was an die redaktionen, die solch einen unsinn unter die bevölkerung bringen ? das ganz wäre schon mehr als nur einen leserbrief wert 😉
    gruß rainer

  3. llamadojorge schreibt:

    Hallo Rainer, da hast du sicher recht. In diesem Fall waren die Journis allerdings nur mittelbar beteiligt, denn den Unsinn hat ja Cristina selbst erzählt. Nur leider völlig unwidersprochen in den hiesigen Medien. Insofern hast du vielleicht Recht und man müsste die Damen und Herren da mal drauf hinweisen. Hab auch schon überlegt, ob diese Nachricht nicht vielleicht sogar mal eine Übersetzung ins Spanische bekommt, aber ich fürchte, die würde hier komplett aus dem Rahmen fallen. Außerdem beherrscht derzeit sowieso ein völlig anderes Thema die hiesigen Medien, zu dem ich auch noch was schreiben will: der sonderbare Klassenkampf Arm gegen Arm. Dir einstweilen gute Besserung.

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