Schlappe für Monsanto

Der US-amerikanische Agro-Multi Monsanto hat vor dem Europäischen Gerichtshof heute eine Niederlage einstecken müssen. Argentinisches Sojamehl, das zu nahezu 100% aus der von Monsanto genveränderten Soja hergestellt wird, darf auch in Zukunft nach Europa verschifft werden, ohne dass die argentinischen Bauern dem Konzern dafür Patentrechte bezahlen müssen. Monsanto hatte in den vergangenen Jahren mehrfach versucht, Schiffsladungen aus Argentinien in europäischen Häfen beschlagnahmen zu lassen.

In Argentinien nämlich hat Monsanto „vergessen“, sich die Roundup-Ready-Soja patentieren zu lassen, die gegen das Unkrautvernichtungsmittel Roundup (praktischerweise ebenfalls von Monsanto) resistent ist. Das sorgte seit Mitte der 1990er Jahre für einen ungeheuren Siegeszug dieser Soja, die inzwischen auf  jedem zweiten Acker in Argentinien wächst – nur Monsanto verdient kaum daran.

Laut Reuters stand bei dem Urteil für Argentinien eine Menge auf dem Spiel: Drei Milliarden Euro Handelsvolumen. Das Land ist größter Exporteur von Sojamehl, die EU größter Importeur. In Europa wird das Sojamehl vor allem als Tierfutter verwendet.

Der EuGH entschied, dass der Patentschutz nur gelte, solange die veränderten Gene eine Funktion erfüllten. Das sei beim Sojamehl aber nicht mehr der Fall. Mit dieser Entscheidung hat der EuGH auch weiteren Winkelzügen der Rechtsanwälte von Monsanto einen Riegel vorgeschoben. Wer weiß, vielleicht wären sie sonst auf die Idee gekommen als nächstes aus Argentinien stammenden Biodiesel zu beschlagnahmen. Der wird nämlich aus Sojaöl gemacht. Größter Importeur: wieder die EU.

Inzwischen dürfte sich das Interesse von Monsanto an dieser alten Sache aber ohnehin etwas gelegt haben. Seit ca. einem Jahr gibt es den Nachfolger: Roundup Ready 2 Yield ™ Soja. Und diesmal wird Monsanto ganz sicher auch in Argentinien erst ein Patent darauf anmelden und anschließend vermarkten…

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2 Antworten zu Schlappe für Monsanto

  1. Maria schreibt:

    Das sind ambivalente Nachrichten, die du hier veröffentlicht. Zwar bedeutet dies eine Niederlage für Monsanto, für Argentinien und Europa aber kein großes gewinn.
    Ich möchte darauf hinweisen, dass die angebliche argentinische „Bauern“ keine in europäischen Sinne sind, sondern etwa 50 Familien, die ein Territorium wie hab Europa besitzen. Außerdem, ein Pech für mich, bald wird mein „Fleischdealer“ in Deutschland keinen argentinischen Steak mehr für mich haben.

  2. llamadojorge schreibt:

    Hallo Maria, ich glaube für Argentinien ist es sehr wohl ein Gewinn, wenn Handelsware im Wert von 3 Mrd. Euro nicht beschlagnahmt werden kann, bis irgendwelche Patentrechte beglichen sind. Womit ich nicht sagen will, dass ich persönlich glücklich darüber bin, dass hier weiter ungehemmt genmanipulierte Soja angebaut wird.
    Abgesehen davon wüsste ich aber gerne, woher du deine Information mit den 50 Familien hast? Zugegeben, die Großgrundbesitzer hier haben richtig große Farmen, aber halb so groß wie Europa wohl kaum. Zum Vergleich: Argentinien ist insgesamt knapp 2,8 Mio. Quadratkilometer groß, Europa etwa 10,2 Mio. Nichts für ungut, aber das geht daher schon rein rechnerisch nicht.
    Und bei allen Vorbehalten die ich hier gegenüber den offiziellen Statistiken ja auch schon geäußert habe, die landwirtschaftliche Nutzfläche ganz Argentiniens liegt laut letztem Agrozensus von 2002 (für 2008 liegen die endgültigen Zahlen noch nicht vor) bei ca. 1,8 Mio. Quadratkilometern. 350.000 Quadratkilometer nahmen davon die allergrößten 936 Farmen ein (alle größer als 200 Quadratkilometer – und einige wohl erheblich). Insgesamt gab es 30.000 Farmen die jeweils mehr als 10 Quadratkilometer groß waren. Diese belegten zusammen eine imposante Fläche von 1,36 Mio. Quadratkilometer. Das statistische Bundesamt hört bei 100 Hektar Betriebsgröße (1 Quadratkilometer) schon auf, weiter zu unterteilen.
    Insofern: Ja, du hast recht, europäische Maßstäbe kann man an die Landwirtschaft hier wirklich nicht anlegen. Und es gibt sicherlich einige Familien, die hier riesige Anwesen ihr eigen nennen und die entsprechend einflussreich sind. Aber es gibt auch Bauern mit „kleinen“ Flächen (alles unter 100 Hektar, laut Agrozensus über 170.000 Betriebe die rund 50.000 Quadratkilometer bewirtschafteten), die von solchen Entscheidungen natürlich genauso profitieren.

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