Große und kleine Katastrophen

Die große ist selbstverständlich das Erdbeben mit 8,8 auf der Richterskala, das gestern Chile heimgesucht hat plus die diversen Nachbeben (teilweise auch im Westen Argentiniens mit bis zu 6,1). Glücklicherweise ist Argentinien ja aber ein großes Land, so dass zwar einige Menschen hier an der Ostküste was gespürt haben bzw. unruhig aufgewacht sind (immerhin 4:30 Ortszeit), aber im Großen und Ganzen ist in BsAs nichts passiert. Ich selbst hab geschlafen wie ein Baby. 🙂 Nicht mal von der Unruhe unserer und anderer Haustiere hab ich was mitgekriegt.

Viel näher ging mir da die zweite – erheblich kleinere – Katastrophe des gestrigen Tages: wie leider so viele hier verbrannte auch einer unserer Nachbarn irgendwelche Gartenabfälle auf seinem Grundstück. Idiotischerweise relativ nah an seiner Mauer. Die Mauer ist mit Efeu bewachsen. Das Efeu klettert auch an einer riesigen Palme hoch, die fast auf unser Grundstück ragt. Ihr ahnt es: Die Palme fing an zu qualmen und ich musste Feuerwehrmann spielen.

Palme hinter'm Quincho

Wär schon schade, wenn die Palme das Bild nicht mehr (mit)bestimmen würde

Dummerweise ist hier der Wasserdruck der normalen Leitungen nicht ausreichend für sowas, da pieselt es allenfalls ein paar Meter weit. Deshalb sind wir sehr froh über eine Tiefpumpe, mit der wir Wasser zum Gießen aus rund 70m Tiefe per Knopfdruck nach oben befördern können – mit einem Durchfluss von angeblich rund 7000 Liter in der Stunde (ich hab’s nie gemessen). Der Schlauch kam mir jedenfalls gut zupass, wenn auch der Wasserstrahl vom Boden aus immer noch nur knapp bis zur Palme auf Nachbars Grundstück reichte. Deshalb bin ich also auf’s Dach unseres Quinchos (Gartenhaus) geklettert, und hab den Schlauch hinter mir hergezogen. Dann ging’s. So haben wir immerhin das Feuer kontrolliert, bis die Feuerwehr eintraf. Die haben dem leichtsinnigen Pyromanen ordentlich die Leviten gelesen. Ob sie ihm zusätzlich noch ein Bußgeld aufgebrummt haben, hab ich nicht mehr mitgekriegt. Abends kam er aber reichlich kleinlaut nochmal vorbei und hat sich bei uns für die schnelle Hilfe bedankt. Ich hoffe, der hat seine Lektion gelernt.

Was ich gelernt habe ist: so ein Schlauch, den man hinter sich herziehen muss und der eigentlich dem Gesetz der Schwerkraft folgend schnell wieder runter möchte vom Dach, kann bisweilen ganz schön schwer werden. 🙂

Der Palme geht’s übrigens den Umständen entsprechend gut. Hat offenbar nicht allzu viel abgekriegt. Leider ist wohl die Rettung nur vorübergehend, weil andere Nachbarn auf ihre Beseitigung drängen. Wie schon gesagt, steht sie relativ nah an einer Mauer und drückt diese langsam aber sicher mit ihrem Stamm kaputt. Deshalb müssen wir uns wohl selbst eine pflanzen. Aber bitte mitten im Garten, weit weg von allen Mauern.

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Eine Antwort zu Große und kleine Katastrophen

  1. buep schreibt:

    País de incendiarios… Pobre, nunca quisiste ser bombero!

    Besote repleto de gracias, de la que jamás soñó ser azafata.

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