Banken und andere Raubritter

Argentinische Banken sind eine Krankheit. Sie sind teuer, arbeiten ineffizient bis zum Geht-nicht-mehr (ein Angestellter fertigt Kunden am Eingang ab bzw. weist sie anderen Mitarbeitern zu; wenn am Eingang viel zu tun ist, haben die anderen Mitarbeiter Pause und schaukeln sich die Eier, weil bis zu ihnen niemand mehr durchdringt; außerdem wird hier alles und jedes auf Papier festgehalten – am besten mehrfach, eine fürchterlich langsame Bürokratie; alle haben einen Computer und einen Drucker neben sich stehen, aber Formulare – und davon gibt es viele – werden grundsätzlich schön langsam von Hand ausgefüllt, um später von irgendwelchen Schreibkräften wieder elektronisch erfasst zu werden), haben schlechte Öffnungszeiten (10-15 Uhr), werden andauernd bestreikt, werden Tag für Tag von langen Schlangen von Leuten belagert, die einfach nur an den Geldautomaten oder die Kasse wollen, um Geld abzuheben oder einzuzahlen, ihre Geldautomaten spucken manchmal gar kein und manchmal nicht den Betrag aus, den man haben wollte, die Banken haben vor Jahr und Tag jedem Rentner eine Kreditkarte hinterhergeschmissen, bis sie feststellten, dass die Leute diese Karten auch benutzen, dann aber den so aufgenommenen Kredit gar nicht tilgen können, und bilden sich wer weiß was darauf ein, jetzt so schlau zu sein, jeden potenziellen Kreditkartennehmer erstmal auf Herz und Nieren zu prüfen und im Zweifelsfall den Antrag lieber abzulehnen.  Ok, sie schmeißen eigentlich immer noch jedem eine hinterher, der keine haben will. Allerdings haben die alle ein Limit von vielleicht 2000 Pesos (aktuell weniger als 400 Euro). Wenn man eine haben will, mit der man beispielsweise ein Flugticket nach Deutschland kaufen könnte werden sie pingelig. Arghh. Und hab ich schon gesagt, dass sie teuer sind?

So etwas wie ein Girokonto haben hier die allerwenigsten. Wenn man überhaupt ein Konto hat (und viele Argentinier besitzen keins), dann ist das meist eine „Caja de Ahorro“, also ein Sparkonto. Zu dem gibt’s auch eine „Tarjeta de debito“, also eine Art EC-Karte für den bargeldlosen Zahlungsverkehr, man kann Überweisungen machen und entgegennehmen und es verhält sich auch sonst fast wie ein deutsches Girokonto. Wenn da nicht die Gebühren wären. Jeder Sch… kostet. Nix mit kostenloses Konto. Monatsgebühr, Überweisungsgebühren, von Überziehungskreditzinsen will ich gar nicht anfangen.

Auf den Auszügen ist mir jetzt aber noch was aufgefallen: Für jede Gutschrift zieht mir die Bank wieder was ab. Zum Beispiel gibt’s eine Gutschrift eines Supermarkts von 20% (also ungefähr der Höhe der Mehrwertsteuer), wenn ich meine Einkäufe dort an einem Mittwoch oder Donnerstag mit meiner EC-Karte bezahle (weshalb natürlich dann immer der Markt brechend voll ist). Zusätzlich legt die Bank noch 5% oben drauf.

Da tauchen also „Bonificación Promo Supermercado“ auf meinem Kontoauszug auf: 16,43 Pesos. Und gleich drauf „Regimen de Recaudación SIRCREB T“: -0,33 Pesos. Wann immer ich einen Geldeingang auf dem Konto habe – zack, behält die Bank wieder was ein. Ich hab inzwischen gegoogelt, dass SIRCREB das „Sistema de Recaudación y Control de Acreditaciones Bancarias“ ist, also so was wie die hiesige Quellensteuer. Das muss die Bank also an die Zentralbank abführen. Was mich aber nervt, ist, dass das selbst dann zuschlägt, wenn ich selbst Geld einzahle oder eine Überweisung erhalte, nicht nur für Zinsen. Das Geld muss ich – sofern es der Lohn für meine Arbeit war – ja ohnehin noch versteuern. Jeder Zahlungseingang wird aber pauschal erstmal um 2% erleichtert. Grandios, oder?

Nee, wirklich: Argentinische Banken sind eine Krankheit.

Sistema de Recaudación y Control de Acreditaciones Bancarias
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