Kampagne für den Riachuelo

Der Riachuelo ist ein ca. 80 Kilometer langer Fluss, der u.a. die Hauptstadt vom Umland trennt und bei La Boca („Die Mündung“) in den Rio de la Plata fließt – und er ist Prototyp des verschmutzten Flusses in Argentinien. Die spanische Zeitung „El Mundo“ hat ihn gar im Februar zum verschmutztesten Fluss Südamerikas gekürt. Wer aus dem Süden in die Hauptstadt will, muss ihn unweigerlich überqueren und insbesondere in den Sommermonaten ist das kein Vergnügen, weil sich die Annäherung an den Fluss schon olfaktorisch ankündigt. Mit anderen Worten: er stinkt. Gewaltig.

Taucher im Riachuelo

Taucher im Riachuelo versuchen Verschmutzer zu ermitteln

Nicht nur, dass die Ufer und der Fluss selbst zum Abladen von Bauschutt, ausgedienten Autos und viel Plastik-Müll verwendet werden, es leiten auch tausende von Industriebetrieben und Haushalten ihre Abwässer meist ungeklärt in den Fluss (offiziell sind es entlang des Flusses und seiner Zuflüsse 4100 Betriebe). Entlang des Flusses befinden sich auch etliche „Villa Miseria“ genannte Elendsviertel, in denen die Bevölkerung weder Zugang zu sauberem Trinkwasser noch einer geordneten Abwasserentsorgung hat.

Elendsviertel am Ufer des Riachuelo

Elendsviertel am Ufer des Riachuelo

Die Kollegen des argentinischen Greenpeace-Büros haben gestern einen Report vorgestellt, in dem sie Messwerte vom Februar publizieren. Demnach finden sich im Wasser und den Sedimenten hohe Anteile an

  • Nonylphenol: beeinflusst die Fortpflanzungsfähigkeit
  • Hexachlorcyclohexan: krebserregend, Bestandteil beispielsweise des Insektizids Lindan, das in der EU seit 2007 vollständig verboten ist
  • Chlorbenzene: Lösungsmittel, die ebenfalls die Fortpflanzungsfähigkeit stören können und biologisch schwer abbaubar sind
  • Toluol: verursacht Nerven-, Nieren- und Leberschäden und ist ebenfalls fortpflanzungsschädigend
  • Tetrachlormethan: krebserregend und leberschädigend
  • Bromdichlormethan: krebserregend und erbgutschädigend

Daneben enthält das Wasser diverse Schwermetallverbindungen, darunter vor allem eine Menge Chrom aus der Lederverarbeitung, die hier besonders präsent ist. Außerdem Blei, Quecksilber, Cadmium etc. Fazit der Greenpeace-Studie: es hat sich gegenüber Messungen von 1998 so gut wie nichts geändert, in einigen Fällen ist die Konzentration der Giftstoffe sogar noch höher als früher.

Schon seit mindestens 15 Jahren wird von den jeweiligen Regierungen versprochen, jetzt aber wirklich alles zu tun, um den Riachuelo „binnen zwei Jahren wieder so sauber zu kriegen, dass man darin schwimmen kann“ (so die Umweltministerin der Menem-Regierung Maria-Julia Alsogaray). De facto geschehen ist offensichtlich nichts.

Letztes Jahr hat der oberste Gerichtshof die Regierung verdonnert, endlich etwas zu unternehmen und gleichzeitig eine Kommission aus dem staatlichen Ombudsmann und fünf NGOs – darunter Greenpeace – eingesetzt, die den Staat hierbei überwachen soll. NGOs als Umweltpolizei, höchstgerichtlich angeordnet. Das muss man sich mal reinziehen.

Dass Greenpeace diese Aufgabe sehr ernst nimmt, wollen sie in den nächsten Monaten beweisen. Gestern haben sie schon der zuständigen Behörde auf die Finger geklopft, weil die in diesem Jahr noch nicht einen einzigen Peso zur gerichtlich angeordneten Säuberung des Flusses ausgegeben hat – obwohl das Budget dafür in diesem Jahr um 70% aufgestockt wurde und insgesamt 135,4 Mio. Pesos bereitstehen. Schon im vergangenen Jahr hat die Behörde nur 35% des ihr zur Verfügung stehenden Geldes ausgegeben.

Um das zu ändern, ruft Greenpeace – wie schon 1998 – die Bevölkerung auf, per Telefon und anonym auf Einleiter hinzuweisen. Die Telefonnummer prangt bereits seit einigen Tagen am Wahrzeichen des Hafens in La Boca.

Greenpeace-Telefonnummer an der Hafenbrücke von La Boca

Greenpeace-Telefonnummer an der Hafenbrücke von La Boca

Und weil heute der Tag der Erde ist und die Leute bei Greenpeace International so lieb bitte gesagt haben, hier auch noch ein Video, das möglichst viele zum eigenständigen Handeln für Mutter Natur bewegen soll.

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Eine Antwort zu Kampagne für den Riachuelo

  1. llamadojorge schreibt:

    Hab gerade im Deutschlandfunk und bei der Deutschen Welle zwei Beiträge zum Riachuelo gefunden. Wie es scheint, bewegt sich endlich was.

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