Drehtag 11: Abschied von den Kondoren

Am letzten Drehtag in der Sierra Pailemán durften wir alle ausschlafen – alle bis auf Walter und Niko. Die wollten diesmal nur zu zweit hoch auf den Berg, um zu sehen, ob sie nicht doch noch Bilder von fressenden Kondoren einfangen könnten.

Ein schon erwachsenes Kondormännchen beäugt die komischen Leute auf seinem Hügel. Kondore sind sehr neugierig.

Ein schon erwachsenes Kondormännchen beäugt die komischen Leute auf seinem Hügel. Diese Kondore waren sehr neugierig.

Was soll ich sagen? Ich glaube, die Kondore verhungern eher, als dass sie sich beim Fressen filmen lassen. Schon drei anderen Fernsehteams vor uns ist das gleiche passiert. Wäre schön gewesen, das erste Team zu sein, dass solche Bilder aus dieser Gegend mitbringt, aber wenn man nur begrenzt Zeit hat, geht eben nicht alles. Wir sind schließlich nicht die BBC.

Als die beiden gegen Mittag wieder runter kamen vom Berg hatten wir schon das Auto startklar gemacht, alle unsere Sachen wieder verstaut und den vorsichtshalber mitgebrachten Benzinkanister in den Tank entleert. In der ganzen Sierra gibt’s auf hundert Kilometer nämlich keine Tankstelle, und selbst wenn, kann man Pech haben, dass gerade kein Diesel da ist (und der Defender, mit dem wir unterwegs waren, schluckte nun mal nichts anderes).

Dieselmangel ist ein generelles Problem hier, insbesondere im Landesinnern, weil dort viele landwirtschaftliche Maschinen, Lastwagen, Pick-Ups etc. alle mit Diesel betankt werden wollen. Ich hab schon mehr als einmal Geschichten gelesen von Familien, die zum Ferienende stunden- oder gar tagelang irgendwo in der brütenden Hitze festsaßen, bis irgendein Brummifahrer sich erbarmte und aus seinem Tank ein paar Liter Diesel abgezweigt hat.

Der Kondorhügel. Wenn man genau hinguckt, kann man obendrauf auch den Bretterverschlag sehen, in dem wir uns versteckt hatten - leider umsonst.

Der Kondorhügel. Wenn man genau hinguckt, kann man obendrauf auch den Bretterverschlag sehen, in dem wir uns versteckt hatten - leider umsonst.

Zurück zum Kondor-Projekt: Nach einem kurzen Mittagessen haben wir uns schließlich von Walter und Mariano verabschiedet, die nun wieder alleine in der Einöde saßen, nur unterbrochen von vier freien Tagen alle zwei Wochen. Was Mariano dann macht weiß ich nicht, dessen Familie lebt in der Provinz Buenos Aires, rund 1.000 Kilometer weit weg. Walter ist da besser dran, seine wohnt in der „unmittelbaren Umgebung“, in San Antonio Oeste. Das ist der nächstgelegene Ort, nur etwa 120 Kilometer weg. Er sagt aber, wenn die vier Tage um sind, freut er sich richtig auf die Ruhe, die ihn dann wieder für die nächsten 14 Tage empfängt. Ist nicht jedermanns Sache, so ein Job als Wildhüter.

Für uns ging’s erstmal wieder über die staubige Schotterpiste zurück zur Ruta Nacional No. 3, wieder Richtung Süden. Nächster – und letzter – Stopp der Reise: Trelew, etwa fünf Stunden Fahrt. Nach den Tagen in der Halbwüste der Sierra genossen wir nun den Luxus eines Vier-Sterne-Hotels (wobei das sicherlich nicht mit den Vier-Sterne-Hotels in London, Paris, New York oder auch nur hier in Buenos Aires zu vergleichen ist, uns aber so vorkam).

Von hier aus wollten wir am letzten geplanten Drehtag die Pinguinkolonie bei Punta Tombo besuchen, die größte Patagoniens mit – je nach Jahreszeit – bis zu 1 Million Tieren (Magellanpinguine, also nicht die aus der „Reise der Pinguine“). Diese sind, ähnlich wie die Glattwale und Seeelefanten, ein wichtiger Touristenmagnet der Region. Am letzten Drehtag also: Pinguine.

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