Drehtag 7: Zu neuen Ufern

An diesem Tag verabschiedeten wir uns von der Halbinsel Valdés und fuhren nach Norden. Rund 500 Kilometer immer an der Küste entlang – und durch eine Landschaft, die von der Straße besehen kaum eintöniger sein könnte: Grün-graues Buschwerk wohin das Auge blickt.

Patagonien

Kaum Verkehr, stundenlang geradeaus, eintönige, aber doch schöne Landschaft: Patagonien

Unser Ziel war ein Badeort namens ‚El Condor‘. Dieser Name ist nicht dem Auftauchen von Kondoren in der Gegend geschuldet sondern der Strandung eines dänischen Schiffes irgendwann im 19. Jahrhundert. Das hieß nun aber nicht einfach ‚Condor‘, sondern hatte eine Galeonsfigur in Form eines Kondors. Warum einfach, wenn’s auch kompliziert geht.

Aber was macht man in ‚El Condor‘, wenn es für die Sommerfrische noch zu früh (und zu frisch) ist? Wer jetzt auf die Beobachtung von Seegetier getippt hat, liegt grundfalsch. Der Ort ist voll mit Papageien. Zehntausende Felsensittiche bewohnen die Klippen westlich des Badestrands. Mehr als 12 Kilometer zieht sich die Kolonie an der Küste entlang. Sowohl oberhalb wie unterhalb kann man dort entlangwandern und fühlt sich dabei schon manchmal an Hitchcocks “Vögel” erinnert, wie da die Sittiche so auf den Stromleitungen sitzen und in Schwärmen hin- und herfliegen. Dabei veranstalten sie ein permanentes Spektakel, das selbst nachts kaum nachlässt.

Unser wissenschaftlicher Begleiter diesmal war Juan Masello, der an der Vogelwarte des Max-Planck-Instituts in Radolfzell arbeitet und seit ca. 12 Jahren mit den Sittichen hier zu tun hat. Bei der Kolonie handelt es sich um die größte und zumindest derzeit einzige zahlenmäßig stabile weltweit. Rund 35.000 Nester gibt es, die natürlich jeweils doppelt besetzt sind und im Januar, zum Ende der Brutzeit, sogar 150.000-200.000 Vögeln Platz bieten müssen (pro Nest gibt’s 2-5 Küken, im Schnitt überleben 3).

Nisthöhlen der Felsensittiche

Nisthöhlen der Felsensittiche

Felsensittiche heißen die Vögel, weil sie ihre Nester in “Felsen” anlegen, was natürlich nur zur Hälfte stimmt. Eigentlich graben sie Höhlen in den Sandstein, der nicht zu fest, aber auch nicht zu bröselig sein darf. An dieser Küste ist er genau richtig. Außerdem gibt es ausreichend frisches Wasser und Futter.
Letzteres wird allerdings zunehmend schwieriger zu finden. Bisweilen müssen die Papageien schon 40-60 Kilometer fliegen, bis sie eine Futterstelle finden. Denn in der Umgebung von Viedma, wo der Badeort liegt, wird die Landwirtschaft intensiviert. Das bedeutet: das olle Gestrüpp, das auf den Weiden wächst (und mit seinen Beeren die Hauptnahrung für die Vögel liefert) muss weichen. Weizen wird bereits an verschiedenen Stellen angebaut, wo vorher extensive Viehhaltung betrieben wurde. Allerdings hat die diesjährige Trockenheit einigen Bauern offenbar einen kräftigen Strich durch die Rechnung gemacht, das Getreide wächst auf den Sandböden ohne ausreichende Wasserzufuhr nicht.

Die Hochhaussiedlung der Felsensittiche

Die Hochhaussiedlung der Felsensittiche

Dirk und Juan kletterten in die Nähe der Nester hoch und holten ein Küken unter Protest der gesamten gefiederten Nachbarschaft aus seinem Loch. Da hochzuklettern ist nicht ganz ungefährlich, es kommt vor, dass ganze Abschnitte der Klippe einfach abrutschen. Wer da nicht gut gesichert ist und einen Helm auf dem Kopf hat, riskiert Kopf und Kragen. Dirk und Juan hatten weder Seil noch Helm. Passiert ist zum Glück trotzdem nichts.

Felsensittiche bevölkern 12 Kilometer Steilküste

Felsensittiche bevölkern 12 Kilometer Steilküste

Oberhalb der Klippe gibt es eine sehr schöne Straße direkt an der Küste entlang. Dort sammeln sich die Papageien gerne vor dem Schlafengehen auf den Strommasten und -leitungen. Dort gelangen uns ein paar wunderschöne Aufnahmen im Abendlicht mit Leuchtturm und Meer im Hintergrund.

Ein für mich wichtiges Detail am Rande: Matthias, einer der Studenten von Juan, hat ebenfalls eine IXUS und konnte meine inzwischen leergesaugte Kamerabatterie zum Aufladen mitnehmen. Momentan geht bei mir nur die wesentlich schlechtere Handykamera, aber morgen…

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