Hippie-ah-yay

Am Drehtag Nummer sechs gab es kein festes Programm, wir filmten nur ein paar ruhige, schöne Landschaftsaufnahmen in der Nähe von Puerto Madryn. Dabei schwammen uns im Golfo Nuevo zwar auch wieder ein paar planschende Glattwale vor die Linse, aber im Grunde waren die nur noch der Zuckerguss.

Deshalb an dieser Stelle mal eine kleine Beschreibung der einzigen Siedlung auf der Halbinsel, Puerto Pirámides. Den Namen verdankt der Ort ganz profan einem pyramidisch (gibt’s das als Adjektiv?) geformten Hügel etwas oberhalb des Hafens. Das Dorf hat nur 400 Einwohner, die in früheren Zeiten vorwiegend vom Salzabbau lebten. Es gibt auf der Halbinsel mehrere Salinen, ehemalige Wasserstellen, in denen das Meerwasser verdunstet ist und das Salz zurückblieb. Überhaupt ist die ganze Halbinsel eigentlich ehemaliger Meeresgrund, überall in dem bröseligen Sandstein finden sich Schneckenhäuser, Muschelschalen, Haifischzähne und sonstige Überreste von Meerestieren.

Der Ort hat heutzutage allerdings eher Hippie-Charme. Die Walbeobachtungsfirmen – und von denen gibt’s hier eine Menge, davon scheint der Ort hauptsächlich zu leben – ziehen Aussteiger und Alternative offenbar in besonderem Maße an. Etliche Häuser sind denn auch zusammengehauene Container oder mehrere Stockwerke hohe Baumhäuser, bunt bemalt. Einer der wenigen Läden im Ort hat den zauberhaften Namen “Die bionische Spinne”. Die Auswahl an Obst und Gemüse ist allerdings auf ein paar braune Salatblätter und ein paar schrumpelige Paprika beschränkt. Vegetarier – und noch mehr Veganer – könnten hier ein Problem bekommen.

Und wo man auch hingeht, man trifft überall dieselben Leute, der Ort ist halt nicht groß. Der dicke Kapitän Mariano lebt seit über 40 Jahren hier und erzählt jedem, der es hören will, alte Seefahrergeschichten. Zum Beispiel über den französischen Meeresforscher Jean-Jacques Cousteau, der mit List und Tücke und nachgerade Spionagemethoden einen amerikanischen Forscher – den schon erwähnten Roger Payne – um dessen Forschungsergebnisse betrogen habe. Wie viel davon Seemannsgarn ist, möchte ich lieber gar nicht wissen. Es ist vielen Leuten hier anzumerken, dass sie viel von Roger Payne und seiner Arbeit halten und deshalb wahrscheinlich keine Probleme haben, dessen Partei zu ergreifen. Immerhin ist es letztlich seiner Initiative zu verdanken, dass der Ort dank des Whale-Watching-Tourismus gerade eine ziemlich gute Zeit hat.

Zum Schluss noch ein bißchen Werbung: Das Motel des Automovil Club Argentina (ACA) ist sehr zu empfehlen, auch wenn das Frühstück ab dem dritten Morgen etwas eintönig wird. Und richtig gut essen kann man überraschenderweise in einer Hippie-Bude namens La Estación, in der auch die Bewohner des Städtchens verkehren (immer ein gutes Zeichen). Die beste Reisezeit für Glattwaltouristen geht von Juni bis Dezember, wobei die Hauptzeit der Walbeobachtung definitiv im September liegt. Dann kann man sie ohne Weiteres auch von Land aus beobachten, so viele sind es.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Argentinien abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s