Seeelefanten, Wale und Maras

Am Tag fünf unserer Drehreise durch Patagonien fuhren wir erstmals an die Ostküste der Halbinsel, also an keinen der beiden relativ gut geschützten Golfe. Bemerkbar machte sich das in erster Linie durch einen erheblich stärkeren Wellengang, aber auch durch eine andere Fauna.

Die Ostküste der Halbinsel Valdés hat erheblich stärkeren Wellengang als die beiden geschützten Golfe nördlich und südlich.

Die Ostküste der Halbinsel Valdés hat erheblich stärkeren Wellengang als die beiden geschützten Golfe nördlich und südlich.

Es gibt an der Ostküste eine große Kolonie Seeelefanten, Pinguine, Seelöwen, Orcas und natürlich eine Menge Vogelgetier. Auch die Glattwale kommen hier auf ihrer Reise gen Norden angeblich vorbei.

Ein paar halbstarke Seeelefanten sonnen sich

Ein paar halbstarke Seeelefanten sonnen sich

Gesehen haben wir aber nur ein paar Seeelefanten, die faul am Strand lagen und sich sonnten. Wir waren extra zur Flut gekommen, weil dann die Wahrscheinlichkeit höher ist, dass Orcas versuchen, sich mit einer Welle an den Strand spülen zu lassen, um sich einen unvorsichtig tief geparkten Seeelefanten zu schnappen. Kam leider (für uns) bzw. zum Glück (für die Seeelefanten) nicht vor, kein Orca weit und breit.

Auch die großen, ausgewachsenen Bullen machten sich rar, anwesend waren nur die Halbstarken des Jahrgangs 2008 und ein paar Muttertiere. Die Jungen werden nur die ersten zwei Monate gesäugt, dann verschwinden die Eltern und überlassen die Kleinen ihrem Schicksal. Natur kann grausam sein.

Fast genauso grausam ist allerdings der Tourismus, der diesen Strandabschnitt bevölkert. Ein speziell auf die Bustouristen eingerichtetes Restaurant mit Kantinencharakter (allerdings erstaunlich gutem Essen) trohnt unmittelbar oberhalb der Steilküste und wird mit seinen eingezäunten Aussichtsplattformen von Touristen aus Holland, Deutschland, Frankreich, Brasilien und noch etlicher weiterer Länder bevölkert, deren Sprachen ich nicht identifizieren konnte. Englisch war merkwürdigerweise gar nicht dabei, aber ich bin sicher, dass auch Amerikaner und Engländer dort einkehren. Oder eingekehrt werden, denn die Bustouristikunternehmen in Argentinien (aber wahrscheinlich nicht nur hier) haben feste Promotionsverträge mit so genannten ‚Paradores‘, die es in regelmässigen Abständen an allen Hauptverkehrsstraßen im Landesinnern gibt, meist in Verbindung mit Tankstellen. Schön jedenfalls, dass wir mit dem Filmteam runter durften an den Strand und so den Seeelefanten deutlich näher kamen als der gemeine Tourist.

Zweiter Stopp an diesem langen Drehtag war wieder das ‚Whale Camp‘. Einerseits um die Arbeit des ICB fertig zu dokumentieren, die häufig eben aus der relativ preisgünstigen Walbeobachtung von einer Klippe aus besteht, andererseits, weil wir uns hier für 15 Uhr mit Virginia verabredet hatten, einer jungen Forscherin des ‚Centro Nacional Patagónico‘, kurz CENPAT, die ihre Doktorarbeit über Maras, Pampashasen schreibt. Mit Hilfe ihrer Freunde versucht sie, eine Populationsstudie der Tiere auf der Halbinsel Valdés zu erstellen. Dazu hat sie verstreut über die immerhin mehrere tausend Quadratkilometer große Halbinsel einige Felder, deren Mara-Population sie kartieren will, um auf dieser Basis eine Hochrechnung zu erstellen. Hat vor ihr angeblich noch keiner gemacht, es gibt daher keinerlei Abschätzung über die Situation der Tiere auf der Halbinsel.

Leider kam sie ein bißchen spät, so dass der Mara-Teil der späteren Sendung etwas dürftig ausfällen wird. Immerhin konnte sie uns einen Bau zeigen, in dem es zurzeit Junge gibt, auch wenn die zu Anfang nicht raus wollten. Die Eltern misstrauten offenbar diesen komischen Leuten, die in der Nähe ihres Zuhauses einige blinkende Gerätschaften aufbauten und machten sich nach kurzer Erkundung der Lage erstmal wieder vom Acker. Bis zu 60km/h schnell flitzen die ausgewachsenen Maras durch das trockene Gestrüpp, das hier überall wächst. Nachdem wir uns kurz zurückzogen, kamen sie schließlich doch zu ihrem Bau und die Kleinen nach Draussen. Virginia und Niko näherten sich diesmal alleine und konnten im Licht der untergehenden Sonne noch ein paar stimmungsvolle Marabilder einfangen.

Auch wenn Virginia traurig war, dass sie uns nicht am nächsten Tag noch mehr von ihrer Arbeit zeigen durfte, war ich ganz froh, nicht auch noch einen Teil des folgenden Tages im immer noch kalten Wind auf einem Acker zu stehen und darauf zu warten dass ein paar Hasen mit zu langen Hinterläufen zwischen den Sträuchern hervorhoppeln (eigentlich sind Maras näher verwandt mit Meerschweinchen, sehen aber wiederum aus wie kleine Rehe mit einem Känguruhkopf).

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