Feiertage

Jetzt, wo in Deutschland der Tag der Einheit mal wieder bevorsteht, möchte ich mal erläutern, wie das in Argentinien mit den Feiertagen eigentlich geregelt ist. Wikipedia vermeldet 15 offizielle Feiertage, wozu so illustre Tage gehören wie der Tag der Nationalflagge (20.6.), der Tag der Malvinen (Falkland) (2.4.) oder der Tag der Rasse (eigentlich Gedenktag der Entdeckung Amerikas durch Kolumbus, 12.10.). Unabhängigkeitstage gibt’s gleich zwei, nämlich einmal den 25.5. (Erklärung der Unabhängigkeit anno 1810) und den 9.7. (Anerkennung der Unabhängigkeit durch Spanien sechs Jahre später). Daneben natürlich die christlichen wie Weihnachten, Gründonnerstag, Karfreitag, Ostern oder Maria Empfängnis (8.12.). Neujahr und Tag der Arbeit sind irgendwie ja international. Fehlen noch der Gedenktag an den letzten Militärputsch (24.3.) und den zu Ehren des Generals José de San Martín (17.8.), der die Unabhängigkeit Süd-Südamerikas erkämpfte, so wie Simón Bolivar das im Norden des Subkontinents getan hat.

Dieser letzte verdeutlicht übrigens schön eine merkwürdige Eigenart: Hier werden nicht die Geburtstage der Nationalhelden zu Feiertagen, sondern deren Todestage. Irgendwie ein bißchen morbide, aber nicht ganz unlogisch, denn als Säugling haben sie ja schließlich noch nix geleistet. Erst mit dem Tod wurden sie letztlich zu Helden. Auch der Tag der Nationalflagge ist eigentlich der Todestag des Generals Manuel Belgrano, ebenfalls ein Unabhängigkeitskämpfer und Designer der Flagge.

Was die Feierei angeht sind die Argentinier im Übrigen pragmatisch: oft wird ein Feiertag auf den nächstliegenden Montag verschoben, damit man am verlängerten Wochenende den Tourismus und damit die Binnenwirtschaft ankurbeln kann. Und wer hat’s erfunden? Nein, nicht die Schweizer, obwohl der Herr dort noch einige Schwarzgeldkonten haben soll, sondern Präsident Carlos Menem in der ultraliberalen Dekade der 90er.

Weit eigentümlicher als die offiziellen Feiertage (die übrigens nicht alle tatsächlich arbeitsfrei sind, Supermärkte und Einkaufszentren haben z.B. nur an Weihnachten und Ostern geschlossen) sind aber die hiesigen Erfindungen der Feiertage für bestimmte Berufsgruppen. Da gibt’s den Tag des Kioskinhabers, des Arztes, des Bankangestellten, die Lehrer haben ihren Tag, die Journalisten, die Zeitungsverkäufer. Neben Vater und Mutter haben hier auch Oma und Opa ihren Tag, genau wie die Kinder, die Patenkinder, die Enkel.

Diese Tage sind natürlich keine Feiertage im eigentlichen Sinne, aber die Banken haben am Tag der Bänker geschlossen (19.6.), die Schulen bleiben am Tag des Lehrers zu (11.9.), die Nationalparkmitarbeiter machen am Tag der Nationalparke früher Feierabend (ist natürlich der Todestag des Gründers der Schutzgebiete, Domingo Faustino Sarmiento, auch der 11.9.).

An ihren jeweiligen Tagen bekommen die Gefeierten manchmal von Kunden, Patienten oder Schülern ein kleines Geschenk, z.B. ein paar Blumen. Naheliegend daher, dass die vollständigste Übersicht all dieser Feiertage auf der Website eines Blumengeschäfts zu finden ist.

Aber es gibt nicht nur in Argentinien komische Feiertage. Auch in Deutschland gibt’s da ganz schön absurde. Gestern beispielsweise war der Tag des deutschen Butterbrots. Glaubt ihr nicht? Stimmt aber. Die Werbeagentur der deutschen Agrarwirtschaft CMA ruft seit Ende der 1990er den letzten Freitag im September zum Butterbrottag aus und verteilt Gratis-Stullen auf Bahnhöfen. Cecilia fand das so lustig, dass sie diese Illustration gemacht hat:
Cecis Illustration zum Tag des Butterbrots

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Eine Antwort zu Feiertage

  1. llamadojorge schreibt:

    Esther hat mich gerade auf diesen Artikel in der Neuen Zürcher Zeitung aufmerksam gemacht, der sich ebenfalls mit dem Feiertagswesen in Argentinien beschäftigt. Da gab’s nämlich Neuerungen. Besten Dank!

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