Führerschein

Seit ein paar Tagen hab ich einen argentinischen Führerschein und angesichts der Leichtigkeit, diesen zu erwerben, frage ich mich inzwischen, warum ich den nicht früher schon gemacht habe. Aber hinterher ist man eben immer schlauer.

Machen musste ich ihn, wenn ich hier Auto fahren will, weil mein deutscher nicht akzeptiert wird. Wenn ich mir in Deutschland einen internationalen Führerschein hätte ausstellen lassen, hätte ich damit hier wohl ein Jahr oder so fahren dürfen, aber so eben nicht. Interessant ist dabei, dass man hier drei Monate mit einem Touristen-Visum leben und natürlich auch mit einem ausländischen Führerschein z.B. einen Leihwagen fahren darf. Wenn man aber einwandert, gilt der ausländische Lappen mal gerade 30 Tage – dann ist Schluss. Da hat jemand mal gründlich nachgedacht. 🙂

Es gibt einige Unterschiede zum deutschen Führerschein. Das fängt damit an, dass man nicht unbedingt eine Fahrschule besuchen muss. Die gibt es zwar, aber eben für die Leute, die noch nicht fahren können. Sachen wie soundsoviele Stadtfahrten, Nachtfahrten etc. sind hier ebenso unbekannt. Zur eigentlichen Prüfung muss man sich auch nicht anmelden. Man geht einfach zur entsprechenden „Dirección Municipal de Transito y Transporte“ (so was wie die Verkehrsaufsicht) und macht die Prüfungen.

Diese bestehen aus: Augenuntersuchung, theoretischer Prüfung und praktischer Fahrprüfung. Die Augenuntersuchung dauerte bei mir eine ganze Minute. Die theoretische Prüfung bestand aus 34 Multiple-Choice-Fragen am Computer, bei denen in der Regel irgendwelche Straßenschilder gezeigt wurden, und man innerhalb 30 Sekunden dasjenige auswählen musste, das abgefragt wurde. Wer selbst mal schauen möchte, wie diese Fragen so aufgebaut sind, kann sich ja mal diesen Fragenkatalog runterladen. Um zu bestehen konnte man bis zu 17 (!) Fehler machen. Angesichts dessen wundert mich die Fahrweise mancher Fahrer hier nicht mehr.

Abschließend musste ich noch mein Können am Steuer beweisen. Dazu braucht man natürlich ein Auto. Wenn man nicht mit einer Fahrschule kommt, muss man das selbst mitbringen, darf aber natürlich nicht selbst hinfahren. Also musste mein Schwiegerpapa mit seinem Auto mitkommen. Die Fahrprüfung bestand dann aus dem Umfahren zweier Straßenblocks und dem Anhalten am Straßenrand. Einparken, das ich vorher mit dem Auto nochmal geübt hatte, wurde gar nicht verlangt. Auch kein Slalomparcour, wie ich z.B. in Online-Foren gelesen hatte. Wahrscheinlich hat mir ein Deutschland-Bonus dabei ein bißchen geholfen. Die Tatsache, dass ich schon einen deutschen Führerschein hatte (den ich allerdings zu keinem Zeitpunkt vorzeigen musste), war wahrscheinlich Ausdruck genug meines Könnens.

Danach noch 100 Pesos auf den Tisch und schon konnte ich das Plastikkärtchen abholen. Das gilt allerdings nur fünf Jahre, danach muss ich die Prüfung wiederholen. Das ist einerseits natürlich lästig, führt andererseits aber dazu, dass Tattergreise mit schlechten Augen und langsamen Reflexen keinen Führerschein mehr erhalten und macht so die Straßen ein bißchen sicherer. Wir wurden Zeuge eines Überzeugungsgesprächs mit einem älteren Herren, warum dies auch in seinem eigenen Interesse sei. Einfach hatte es der Beamte von der Verkehrsbehörde dabei nicht.

Bei der Auseinandersetzung mit den Verkehrsregeln ist mir allerdings aufgefallen, dass hier offenbar jede Gemeinde ein klein wenig andere Regeln hat. Die Stadt Buenos Aires hat ein ganzes Gesetz, das sich in etlichen Punkten von der nationalen STVO und den hier in Lomas de Zamora geltenden Regeln unterscheidet. Dort darf man z.B. auch auf Avenidas links abbiegen, die in beide Richtungen befahren werden, vorausgesetzt es ist eine Ampel mit Linksabbiegerpfeil da oder es gibt gar keine Ampel. Außerdem darf man auf den innerstädtischen Autobahnen nur 100 km/h fahren, während sonst 130 km/h erlaubt sind.

Auch hinsichtlich des Parkens gibt’s subtile, aber bisweilen teure Unterschiede, wenn man feststellt, dass das eigene Auto gerade abgeschleppt wurde, weil man es nach den Regeln der falschen Gemeinde abgestellt hat. Hier in Lomas ist es z.B. verboten, zum Öffnen des Garagentors oder der Einfahrt auf dem Bürgersteig stehenzubleiben (auch wenn sich da in den Wohngebieten niemand drum schert).

Der eigentliche Grund für die Unterschiede dürfte deshalb wohl sein, Geld in die Stadtkassen zu bekommen.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Argentinien abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Führerschein

  1. HerrFrodo schreibt:

    danke für den ausführlichen blog, bin jetzt seit drei monaten in argentinien und wollte mal sehen ob das mit dem führerschein auch in córdoba klappt.

    • llamadojorge schreibt:

      Oh bitte, gern geschehen. Allerdings gibt’s dabei zwei Sachen zu bedenken: Nach meiner Erfahrung laufen hier viele Sachen schon innerhalb der Provinz unterschiedlich ab, in anderen Provinzen darum erst recht. Und zweitens ist das bei mir ja schon wieder drei Jahre her. Viel Zeit in einem Land wie Argentinien um Sachen zu verkomplizieren oder zu vereinfachen, meist aber einfach sie zu verändern. Eine Garantie, dass das bei dir genauso läuft würde ich also nicht geben wollen. 🙂 Kannst ja mal berichten.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s