Aufschrei, irgendwo?

Hat jemand laut aufgeschrien, dass das ja nun keinesfalls ginge? Gab es eine Drohung irgendeines Landes, dies notfalls mit Waffengewalt zu unterbinden? Hat’s überhaupt jemand mitbekommen? Offenbar nicht so richtig. Die Rede ist von einem gemeinsamen Programm Argentiniens und Brasiliens zur Urananreicherung.

Denn genau das haben die beiden Staatschefs Lula da Silva und Königin Cristina bei ihrem Treffen letzte Woche hier in Buenos Aires unter anderem besprochen. Ende nächster Woche sollen die Verhandlungen über die genaue Ausgestaltung des binationalen Vorhabens beginnen, im September beim Gegenbesuch von Cristina in Brasilia soll das Abkommen dann besiegelt werden.

Bis jetzt ist das also nichts als eine Absichtserklärung, aber es könnte daraus schon bald nicht nur eine Urananreicherungsanlage zur Selbstversorgung der – momentan – je zwei Atomreaktoren in beiden Ländern werden, sondern eine Anlage, die ihr Material auch auf dem internationalen Markt anbietet. Bislang kauft zumindest Argentinien seinen Atombrennstoff im Ausland ein, obwohl beide Länder auf erheblichen Uranvorkommen sitzen.

Natürlich soll alles ausschließlich friedlichen Zwecken dienen, keinesfalls zum Bombenbau verwendet werden. Moment mal, fragt sich da der geneigte Leser, ist das nicht genau das, was auch der Iran immer betont? Und bevor jetzt einer sagt, dass Argentinien und Brasilien ja Vertragsstaaten des Atomaren Nichtweiterverbreitungs-Abkommens sind – das ist der Iran auch (bitte mal hier schauen).

Nicht, dass ich Herrn Ahmadinedschad besonderes Vertrauen entgegenbringen würde, was diese Aussage angeht. Aber der Bohei, den die Ankündigung des Irans nach sich gezogen hat, ist schon bemerkenswert angesichts der absoluten Stille nach der im Grundsatz gleichen Ankündigung Argentiniens und Brasiliens am Samstag. Ich konnte in den internationalen Medien bis jetzt keine einzige Reaktion irgendeines Landes finden. In Deutschland hat’s offenbar gerade mal die FR überhaupt aufgegriffen (obwohl es eine dpa-Meldung dazu gab).

Ich weiß nicht, ob’s nur mir so geht, aber ich finde das ziemlich bezeichnend. Mein Eindruck ist, dass die Kriegstreiberei am Golf noch nicht vorbei ist.

Und was leider auch noch nicht vorbei ist, ist die Uran-Ära. Das Teufelszeug wird weiter angereichert, verstrahlt die Gegend und wird weltweit verteilt, dass es eine wahre Freude ist. Dabei weiß immer noch keiner, wo es irgendwann mal sicher für tausende von Jahren gelagert werden soll – und mit jedem Kilo mehr davon steigt die Gefahr, dass es die Falschen in die Finger kriegen.

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