Einfach ein wunderschöner Tag

Ich geb zu, ich schreib gerne kritische Sachen. Ich bin auch gern sarkastisch. Und verwende einiges an Ironie – vielleicht nicht immer gleich zu erkennen, aber sie ist da. Umso schwerer fällt es mir dagegen, anzuerkennen, das etwas wie der heutige Tag einfach mal nur wunderschön war.

Laguna de Lobos

Wir sind ausgeflogen zur Laguna de Lobos, einem See rund 100 Kilometer südwestlich von Buenos Aires (dieser hier). Bei 28° und leichtem Wind, Sonnenschein und ein paar sehr merkwürdigen Schleier-Wolken ein ideales Ausflugsziel. Dachten auch: ungefähr 20.000 andere. Aber, oh Wunder: statt des in Argentinien eher üblichen lauten Auftretens (das Auto wird auf der Wiese geparkt, direkt daneben der Grill gestellt, die Cumbia-Musik höllisch laut aufgedreht, damit sie die des Nachbarn 5 Schritte weiter übertönt) ging alles sehr ruhig zu. Ohne Geschrei und Gemurre, trotz vieler, vieler Kinder (so viele Kinder kriegt man in Deutschland vielleicht auf dem Kinderspielplatz mal auf einen Haufen zu sehen, sonst sicher nicht; überhaupt gibt es hier unglaublich viele Kinder, überall) und Jugendlicher, die für einen Tag ihre Motorräder mal einfach nur abgestellt haben, statt damit wie üblich hin- und herzubrausen, um die Mädchen respektive Jungs zu beeindrucken.

Hab ich schon die Wolken erwähnt? Wenn mir die irgendein Maler auf sein Bild malte, würde ich sagen, der spinnt. Gemalt, wie mit dem Wischfinger von Photoshop – so unrealistische Wolken glaubt man nicht, wenn man sie nicht selbst gesehen hat. Deshalb hier das Foto, und nein, ohne Nachhilfe durch Photoshop:

Schleierwolken

Umweht wurden wir vom etwas harzigen Duft der Eukalyptusbäume, unter denen wir lagen, und die uns gelegentlich bei einem Windstoß mit ihren Zweigen bewarfen. Des weiteren in der Luft: natürlich der Geruch nach über Feuer gegartem toten Tier, hombre, wir sind hier in Argentinien, das muss sein. Gegessen haben wir allerdings kalt – insbesondere Eis. 🙂

Schattenspender Eukalyptus

Nerven konnten mich nicht mal die Ameisen, die in völliger Selbst- überschätzung versuchten, mich alleine (!) als besonders große Trophäe nach Hause zu tragen und zu diesem Behufe immer mal wieder zwickten und zwackten. Und Mücken gab’s erstaunlicherweise gar keine.

Zu all dem Musik von Transatlantic aus dem MP3-Player solange die Batterie was hergab. Auch mal reinhören? Zu Last.fm klicken (Achtung: Prog-Rock, ja, der, wo Musikstücke schon mal 30 Minuten dauern; wer sowas nicht mag, soll’s lieber lassen)…

Fische ausnehmen verboten

Einziger kleiner Wermutstropfen ist mein heutiger Sonnenbrand, an den Stellen, an denen ich mich nicht ausreichend eingecremt hab – z.B. den Fußrücken (aua!). Ist aber alles nicht so schlimm. War jedenfalls insgesamt einfach ein wunderschöner Tag.

Ist so ein Tag ein Grund, die Heimat zu verlassen und nach Argentinien auszuwandern? Sicher auch… vor allem, weil solche Tage hier nicht wie in Deutschland eine Ausnahme sind. Am nächsten Samstag feiern wir Cecis Geburtstag nach – wieder im Grünen, mit Grill und Badegelegenheit. Das Tolle ist: solche Sachen kann man hier tatsächlich schon zwei Wochen vorher planen, weil man fast sicher davon ausgehen kann, dass das Wetter in dieser Jahreszeit mitspielt. Probiert das mal im grauen Hamburg mit seinem launischen Klima.

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2 Antworten zu Einfach ein wunderschöner Tag

  1. Rainer Hagendorf schreibt:

    Lieber Helge,
    ich schätze deine kritischen und informativen Berichte ebenso wie deinen Sarkasmus. Verrate mir bitte mal gelegentlich den Trick wie man bei der (Argentinischen) Grillkultur mithalten kann, ohne daß sich der Speck auch am Körper festsetzt.

    Gruß auch an Ceci von
    Rainer

  2. Pingback: Asado « Me llaman Jorge

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