Die Notwendige Identifikation (Teil 4)

Wir sind wieder in Capital. Bei der Ausländerbehörde. Wieder soll Ceci erst gar nicht reindürfen, darf dann aber doch, weil mein Spanisch doch so schlecht ist. 🙂

Jetzt folgt ein Hürdenlauf durch Behörden, der nicht typisch argentinisch ist (Cecilia hat ähnliche Erfahrungen auch mit deutschen Behörden gemacht), aber zumindest eine Idee davon gibt, warum hier im Staatsdienst so viel Geld versickert.

Nachdem wir Wachposten Nr. 1 am Eingang überwunden haben, geht’s zu Wachposten Nr. 2, weiter drinnen. Der sieht sich den Zettel mit unserem Termin an, vergleicht im Kopf mit dem aktuellen Datum, stellt die Übereinstimmung fest und drückt uns einen Zettel mit einer Nummer in die Hand. Dann weist er auf eine Treppe und bedeutet uns: da runter.

Im Kellergeschoss angekommen müssen wir erstmal warten. Bis unsere Nummer dran ist, klar. Der dicke matetrinkende Mann, der meine Papiere durchsieht nimmt sich alle Zeit der Welt, hält noch ein Schwätzchen nebenher und stellt dann fest, dass es offenbar keinen Grund gibt, uns wieder nach Hause zu schicken, weil alle Papiere da sind. Also drückt er uns eine weitere Nummer in die Hand und weist uns in den nächsten Wartebereich. Dort sitzen schon ca. 50 Personen und es scheint überhaupt nicht vorwärts zu gehen.

Merkwürdig auch: keiner weiß so richtig, wann er dran ist. Nach einer Weile kommen wir drauf. Ein weiterer Wachmann organisiert das Ganze, indem er die Leute in Zehnergruppen aufruft, sich in einer Schlange aufzustellen, um _wieder_ zu warten, bis sie dran sind. Da vor uns noch gut 60 Nummern liegen, können wir erstmal eine halbe Stunde „verschnaufen“.

Als wir dran sind, ist die Behandlung immerhin freundlich, ach, aus Deutschland, interessant (da kommen wahrscheinlich nicht so sehr viele her, die meisten um uns herum sind nach meinem Eindruck eher Paraguayos, Bolivianos, Peruanos, vielleicht der eine oder andere Italiener dazwischen). Jetzt werden erstmals meine Daten in einen Computer eingegeben. Modell: x486 würde ich tippen, vielleicht schon mit 1GB Festplatte und 128 MB RAM. Immerhin irgendwie vernetzt, überall laufen Kabel lang. Nachdem das erfolgreich abgeschlossen ist, darf ich bezahlen. Umsonst ist der Tod. Der DNI ist für günstige 15 Pesos zu haben.

Nachdem ich bezahlt habe, muss ich den Beleg in eine Art Schuhkarton werfen. Dort werden sie dann in umgekehrter Reihenfolge wieder rausgefischt und in irgendein Hinterzimmer gebracht, aus dem in unregelmäßigen Abständen wieder jemand rauskommt und einer Reihe von Angestellten an Tischen ausgedruckte Zettel mit den Daten der inzwischen ca. 100 Personen aushändigt, die darauf warten, auf diese Zettel noch ihre Fingerabdrücke draufdrücken zu dürfen (die 60, die schon vorher vor uns dran waren, haben sich zu den 40 gesellt, sie schon vor ihnen da waren; hinter uns kommt nicht mehr viel, ab einer bestimmten Uhrzeit gibt’s keine Termine mehr).

Diesmal wird namentlich aufgerufen. Allerdings ist die Akustik dermaßen schlecht in dieser Halle (und außerdem läuft noch ein plärrendes Radio mit Latino-Schnulzen), dass ich Angst habe, meinen eigenen Namen nicht zu verstehen. Wer weiß, wie der- oder diejenige einen deutschen Namen ausspricht. Das Problem hatte ich bei unserer Hochzeit schonmal, als ich kaum mitbekam, wann mein Einsatz „Si, accepto“ gefragt war.

Schließlich leert sich aber die Halle, wir können etwas weiter vorrücken und ich verstehe auch meinen Namen (gar nicht so falsch ausgesprochen). Nach fünf Minuten, etlichen Unterschriften unter diverse Formulare und 10 schwarze Finger später sind wir dann endlich fertig. Hat nur eineinhalb Stunden gedauert, alles in allem.

Schuld an der langen Wartezeit bei der letzten Station war angeblich das Fehlen von Druckertoner, so dass die ganzen vielen Formulare all der Leute auf einem einzigen (von offenbar zwei) Druckern ausgedruckt werden mussten. Ein bißchen wie an einer deutschen Universität (sofern sie nicht gerade per „Exzellenzinitiative“ ein paar Millionen vermacht bekommen hat).

Jetzt dauert’s nur nochmal zwischen 90 und 120 Tagen, bis das Dokument abholbereit ist. Dafür müssen wir uns dann nochmal einen gesonderten Termin holen. Und Wartezeit einplanen.

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