Heute wird in Argentinien gewählt. Rund 30 Millionen Argentinier dürfen müssen wählen (ja, hier herrscht Wahlpflicht). Der größte Teil entscheidet sich wahrscheinlich für die Frau des bisherigen Präsidenten, Cristina Fernandez de Kirchner, wegen ihres aufbrausenden und verschwenderischen Lebensstils auch „Königin Cristina“ genannt.
Hier funktioniert Wählen ein bißchen anders als in Deutschland. Nichts mit Wahlzettel und Kreuzchen machen. Jede Partei hat ihren eigenen Wahlzettel. Da stehen die Kanditaten für die Präsidentschaftswahl, die Senatswahl, die Abgeordneten der Provinz im Nationalparlament, die Gouverneurswahl der Provinz (so die denn gleichzeitig stattfindet, was in BsAs der Fall ist) und auch noch die Bürgermeisterwahlen drauf. Die Zettel sind dementsprechend relativ breit, weil für jede Wahl ca. ein Din-A5-Blatt benutzt wird, die nebeneinandergedruckt werden. „Lista sábana“ heißen die Dinger, weil man sich damit fast zudecken kann.
Die eigentliche Wahl findet deshalb in einem großen Raum statt, wo normalerweise stapelweise Zettel rumliegen, und wo man sich dann den „richtigen“ raussuchen und anschließend in einen Umschlag stecken muss. Aber schon am Morgen wurde berichtet, dass in einzelnen Wahllokalen nur die Zettel der Favoriten da waren. Das wird sich über den Tag noch verschlimmern, wette ich.
Man kann die Zettel natürlich zerschneiden, und z.B. den Präsidentschaftskandidaten von der einen, den Senatskandidaten von der anderen Partei wählen. „Cortar boletas“ heißt das. Machen aber angeblich wenige, weil es meistens keine Scheren gibt.
Oder man könnte die fertig zerschnittenen Zettel schon mitbringen, die Wahlzettel sind keine hoheitlichen Dokumente. Viele Parteien verteilen sie schon vor der Wahl von Haus zu Haus oder auf der Straße – offenbar aus gutem Grund (s.o.).
Bei der Auszählung wird daher wahrscheinlich nur spannend, wer Zweite/r wird. Königin Cristina wird sicher im Präsidentenpalast wohnen bleiben – und König Néstor auch.

1 Antwort bis hierher ↓
LISTA 2, LISTA 2 « Me llaman Jorge // Juni 8, 2009 um 20:27 |
[...] Etwas besonders Schönes haben sich auch bei dieser Wahl mal wieder die Kirchneristen ausgedacht. Wäre doch toll, mögen sich die Wahlkampfstrategen der “Frente para la victoria” (”Front für den Sieg”) gedacht haben, wenn wir mit all unseren bekannten Leuten aus Provinzen und großen Städten auf einer Liste stehen könnten. Und haben prompt jeden auch nur halbwegs bekannten Politiker ihrer Partei mit Ausnahme von Königin Cristina auf die Wahlzettel geschrieben, auch wenn die Damen und Herren für die Ämter, die vergeben werden, eigentlich gar nicht zur Wahl stehen. Ist also ungefähr so, als ob bei der gerade abgelaufenen Europawahl auf dem Wahlzettel bei der CDU alle ihre Ministerpräsidenten und Bürgermeister großer Städte draufgestanden hätten, obwohl klar ist, dass die alle nicht nach Straßburg gehen. Mit dem Unterschied dass hier die Listen erheblich größer sind, weil jede Partei ihren eigenen Stimmzettel hat (siehe meine Erklärung des Wahlablaufs). [...]