Volksfest am Krankenhaus

Es gibt so Dinge, da möchte ich als Mensch mit ein bißchen gesundem Menschenverstand, anderen, die davon anscheinend zu wenig besitzen, gerne eine reinhauen, um ihnen so etwas Verstand einzubläuen. Ich weiß, das funktioniert nicht. Deshalb lass ich’s natürlich. Aber so ging’s mir mit den rund 500 „Militanten“ Kirchner-Anhängern, die seit letztem Montag bis gestern eine Art Mahnwache vor einem der exklusivsten Krankenhäuser Lateinamerikas abhielten, um ihrer Cristina Kraft für die dort vor vier Tagen erfolgte Schilddrüsen-Operation und anschließende Genesung zu geben (Bild unten aus der Bilderstrecke in diesem Artikel von La Nación).

Volksfest am Krankenhaus

Volksfest am Krankenhaus - Cristina-Anhänger belagern das Hospital Austral in Pilar

Der Grund: Das Ganze geschieht selbstverständlich in Hörweite des Krankenhauses und neben Gebeten gehören Sprechchöre, Gesänge, rhythmisches Klatschen und ähnliches offenbar genauso selbstverständlich zu den Dingen, die die Heilung der Präsidentin beschleunigen. Dito ein fürchterlicher Medienzirkus mit Flutlichtern, die den Platz der „Mahnwache“ schön ausleuchten, damit man im Fernsehen auch hübsche Bilder bekommt. An die restlichen Patienten des Krankenhauses verschwenden die alle offenbar keinen Gedanken. Das ist übrigens leider eine hier ziemlich verbreitete Unangewohnheit. Dabei steht an jedem Krankenhaus ein Schild mit der Aufschrift „Silencio Hospital“ – „Ruhe, Krankenhaus“.
„>http://maps.google.com/?ie=UTF8&hq=&hnear=Lomas+de+Zamora,+Buenos+Aires,+Argentinien&ll=-34.456438,-58.863984&spn=0.006254,0.011684&t=h&z=17&vpsrc=6&output=embed&w=425&h=350]

Das Krankenhaus liegt auch relativ abgelegen und ruhig im Grünen in Pilar, einem Vorort von Buenos Aires (s. Karte). Ich kenn es zufällig, weil die Frau eines Freundes dort Krankenschwester ist und während eines gemeinsamen Mittagessens aus ihrer Bereitschaft gerufen wurde, so dass wir zusammen hingefahren sind. Alles dort strahlte Ruhe und Erholung aus – im Gegensatz zu den meisten sonstigen Krankenhäusern hier. Damit war’s nach dem Einfall der Hottentotten, pardon, Kirchneristas allerdings vorbei. Unsere Freundin hat zum Glück zurzeit Urlaub.

Das Schlimme ist: nach gut verlaufener OP, der gestern verkündeten Nachricht, bei der Analyse der Gewebeproben habe sich herausgestellt, dass sie nun doch nicht wie kurz vor Weihnachten verkündet an Krebs erkrankt ist (herzlichen Glückwunsch) und der anschließenden Entlassung der Präsidentin, werden sich diese Idioten das auf ihre Fahne schreiben und verkünden, wenn sie nicht gewesen wären…

Dumm gelaufen nur für Onkel Chavez. Was macht der jetzt bl0ß mit seiner Theorie der durch die CIA verbreiteten Krebserkrankungen unter lateinamerikanischen Staatschefs? Und die hiesigen K-Gruppen, die das als Teil der wahren Lehre eifrig getwittert und gebloggt haben?

The Free Dictionary: nor·ma·ler·wei·se so, wie es sonst üblich ist oder sein sollte Normalerweise habe ich heute frei, aber ich muss trotzdem arbeiten.

Argentinien im Terrorkampf

Eines der ersten Gesetze, das der vor zwei Wochen neu vereidigte Kongress mit der Mehrheit der Kirchner-Partei verabschiedet hat, ist ein neues Antiterrorgesetz. So richtig wissen aber anscheinend selbst die Protagonisten nicht, was für ein Gesetz sie da verabschiedet haben, denn es gibt selbst unter den Kirchneristen Streit darum, wie weit es reicht und gegen wen es ausgelegt werden kann.

In den Vordergrund rückt dabei eine „Grupo de Acción Financiera Internacional“ (GAFI) (zu deutsch: Arbeitskreis Maßnahmen zur Geldwäschebekämpfung), der die beschlossenen Maßnahmen angeblich gefordert habe. Anderenfalls drohten finanzielle Sanktionen, weil Argentinien der Geldwäsche und Finanzierung des Terrorismus nicht genügend Einhalt gebiete.

Insbesondere schafft das Gesetz einige neue Straftatbestände, verbietet zum Beispiel Insiderhandel und die Manipulation von Aktienkursen (wusste nicht, dass das vorher erlaubt war). Interessant wird’s aber da, wo Paragraph 3 solche Aktionen unter Strafe stellt, die die Bevölkerung „terrorisieren“ sollen und die Regierbarkeit des Landes gefährden. Mit dem spanischen Verb „aterrorizar“ kann aber auch „beunruhigen“ gemeint sein. Ein weit gefasster Begriff. Der folgende Satz stellt immerhin klar, dass von einer Verfolgung abzusehen sei, wenn die Tat oder Taten im Rahmen der Wahrnehmung eines verfassungsmäßigen Rechtes, insbesondere dem Schutz der Menschenrechte, geschieht (kompletter Text bei Indymedia in den Kommentaren).

Aus der Opposition wird trotzdem gewarnt, dass mit diesem Gesetz – je nach Auslegung durch die Gerichte – auch soziale Proteste kriminalisiert werden können. Der Chef der Unidad de Información Financiera (UIF) – immerhin die staatliche Einrichtung zur Verfolgung von Geldwäsche und dubiosen Bankgeschäften – verkündete schon, selbst die Berichterstattung über steigende Dollarkurse und die dadurch verursachte Verunsicherung der Bevölkerung (eventuell verbunden mit einem Run auf die Banken und Destabilisierung der argentinischen Wirtschaft) könnten in Zukunft unter das Gesetz fallen. Das wurde freilich vom Fraktionsführer der Kirchneristen im Abgeordnetenhaus, vom Justiz- und Innenminister gleich dementiert: Keine journalistische Nachricht könne einen terroristischen Akt darstellen. Und: „In diesem Land kann jeder sagen, was er will.

Noch. Denn der Richter am Obersten Gerichtshof des Landes, Eugenio Zaffaroni, hatte bereits letzten Sonntag in einem Radiointerview klargemacht, dass ein solches Gesetz ein Risiko beinhaltet, je nachdem, wer es anwendet. Er warnte, es könne in der Zukunft durchaus dazu verwendet werden, soziale Proteste zu kriminalisieren oder die Gewerkschaften zu zähmen. Er halte das Gesetz für Unsinn und in Argentinien nicht für nötig. Und einen Hieb gegen die GAFI hatte er auch parat: Diese Arbeitsgruppe sei nur dazu da, zu garantieren, dass Geldwäsche auch in Zukunft nur in der nördlichen Hemisphäre stattfinde.

Cartoon von Nik zur verbreiteten Praxis, kurz vor Jahresende noch etliche Gesetze durch den Kongress zu peitschen. Ein Abgeordneter, der eigentlich nur einen Kaffee bestellen wollte, hat plötzlich 152 Gesetzen zugestimmt. (© La Nación)

Gleichzeitig mit diesem Gesetz von zweifelhafter Justierung hat der Kongress auch noch ein weiteres Gesetz verabschiedet, dass zumindest potenziell die Pressefreiheit im Land gefährden kann: die Produktion, Verteilung und Vermarktung von Zeitungspapier ist in Zukunft von staatlichem Interesse. Damit hat die Regierung die Möglichkeit der Kontrolle über das einzige Unternehmen im Land geschaffen, das Zeitungspapier herstellt, Papel Prensa. Beteiligt war der Staat schon früher, weitere Aktionäre sind die Verlage der größten Tageszeitungen La Nación und Clarín (siehe auch meinen schon etwas älteren Beitrag zum Konflikt um das Unternehmen).

Auch hier beeilten sich die Funktionäre der Regierung – allen voran Königin Cristina – zu versichern, dass es nur darum gehe, den Zugang der kleinen Verlage zu diesem wichtigsten aller Bestandteile einer Zeitung herzustellen und das Duopol der großen Verlage zu brechen.

Interessant an dieser Stelle ist, was der Herausgeber von Perfil, Jorge Fontevecchia, der mit La Nación und Clarín im Wettbewerb steht, dazu letzte Woche zu Papier gebracht hat: Das Papier von Papel Prensa ist nämlich aktuell teurer als das importierte (US$ 753 im Vergleich zu US$ 680 pro Tonne), sofern man genug auf einmal kauft (was außer Perfil sonst nur die beiden anderen Großverlage und einige inländische Papiergroßhändler können). Der Plan der Regierung, die Importe aus dem Ausland durch Investitionen in Papel Prensa und Ausbau der inländischen Produktionskapazität überflüssig zu machen, würde also den Preis für Papier eher erhöhen – schlecht für die Kleinverlage. Fontevecchia befürchtet noch weiteres: sobald die Produktionskapazität im Inland erhöht ist, wird der Import von Zeitungspapier vollkommen untersagt oder mit prohibitiven Importzöllen belegt, weil sonst die Kapazitäten ja nicht ausgelastet wären. Schlecht für Perfil. Wenn dann noch irgendwie begründbare Produktionsengpässe dazukämen, die dazu führten, dass ein Teil der Papierlieferungen nicht ausgeführt werden könne, werde sich sehr schnell zeigen, ob das Papier für alle nicht eigentlich das Papier für die Freunde der Regierung sei.

In letzterem Sinne hat wohl die World Association of Newspapers und News Publishers (WAN-IFRA) das Gesetz interpretiert und die Maßnahme scharf verurteilt. In einer heute veröffentlichten Presseerklärung heißt es, das Gesetz sei klar Teil einer Kampagne der Regierung gegen eine unabhängige Presse, verletze fundamentale Prinzipien der Pressefreiheit und könne eingesetzt werden, um zu zensieren und Kritik zu unterbinden.

Sehr bedenklich, was da abläuft. Ich brauch zum Glück kein Papier, um hier zu schreiben, aber ich weise schon mal vorsorglich darauf hin, dass ich mit diesen Zeilen niemanden beunruhigen, verunsichern, zu irgendwelchen Aktionen gegen die Regierung aufstacheln oder sonstwie terrorisieren will. Ich mache lediglich von meinem verfassungsmäßigen Recht auf eine eigene Meinung Gebrauch. Und nachdem das geklärt ist: Frohe Weihnachten allen da draußen!

Gecheckt

Ich hab mich hier schon oft über die argentinischen Journalisten geärgert, die scheinbar alle öffentlichen Statements irgendwelcher Politiker unhinterfragt und unüberprüft in ihre Programme oder Artikel übernehmen und nicht selten noch etwas dazuerfinden. Und wie leicht machen es die Politiker ihnen bisweilen!  Mit ein bißchen gesundem Menschenverstand (sentido común – el menos común de los sentidos) kann man die Lügen oder Halbwahrheiten gelegentlich schon als solche entlarven.

Gefreut hab ich mich daher, als ich vor ein paar Tagen eine interessante Website namens chequeado.com gefunden habe, neudeutsch: gecheckt. Dort macht ein kleines Team von Mitarbeitern das, was eigentlich alle Journalisten tun sollten – recherchieren.

Logo von chequeado.com

Logo von chequeado.com

Zum Beispiel den Wahrheitsgehalt der Aussage von Königin Cristina, die argentinischen Auslandsschulden lägen nur noch bei 27,5% des Bruttoinlandsprodukts. Stimmt offenbar: die öffentlichen Schulden liegen bei 173 Mrd. Dollar, wovon aber nur 62% Auslandsschulden sind, umgerechnet 107 Mrd. Dollar. In Relation zum BIP von 374 Mrd. Dollar sind das 28,6%, die Präsidentin war also dicht dran – und Argentinien ist heute weit entfernt von der Auslandsverschuldung Griechenlands (2010: 88%)[Quelle] oder gar der eigenen noch vor knapp 10 Jahren (2002 war der Anteil der Auslandsverschuldung aufgrund der massiven Abwertung des Peso kurzfristig auf 130% gestiegen; 2003 waren es immer noch gut 100%)[Quelle]. Natürlich nur, wenn man die zwischenzeitlich nicht bezahlten Schulden nicht berücksichtigt.

Grafik der Schulden verschiedener Länder von 1995 bis 2015 (Schätzungen)

Update 12.12.: hab gerade diese passende Grafik bei einer weiteren Neuentdeckung von mir gefunden: dem Google Public Data Explorer (einer visuellen Aufbereitung aller möglicher offiziellen Statistiken). Da werd ich in Zukunft sicher auch öfter vorbeischauen.

Beispiel zwei: die nationale Statistikbehörde INDEC schwärmt vom Rückgang der Armut im Land, die Universidad Católica hielt mit einer Studie dagegen: 9,1% Armutsbetroffene standen 34,9% gegenüber. Ein gewaltiger Unterschied. In den meisten Medien wurden einfach die Zahlen gegenübergestellt und die Journalisten positionierten sich entsprechend der politischen Leitlinie des Blattes oder Senders. Chequeado hat sie sich genauer angesehen und stellt heraus, dass die Zahl der UCA auf der Befragung von nur 1700 Haushalten im Großraum Buenos Aires beruht. Abgesehen davon werden unterschiedliche Werte für einen Warenkorb an Grundbedürfnissen zugrunde gelegt. Nicht mal der Autor der Studie sieht dadurch die Zahlen des INDEC widerlegt, meldet aber Zweifel an ihrer Richtigkeit an.

Tatsächlich ist die Armutsstatistik des INDEC durchaus kritisch zu hinterfragen, weil sie die falschen Angaben zur Inflation enthält. Wo die Preissteigerung „nur“ 10%  beträgt, fällt man nicht so leicht unter die Armutsgrenze. Dass die tatsächliche Inflation deutlich höher liegt und dementsprechend mehr Menschen in die relative Armut rutschen, sieht man der INDEC-Statistik nicht an.

Es ist schön zu wissen, dass journalistische Grundfähigkeiten hier doch nicht ganz unbekannt sind. Und dass das Team von chequeado.com durchaus auch den eigenen Berufsstand auf die Probe stellt. Die Edelfedern einiger hiesiger Gazetten stellen nämlich auch gerne die eine oder andere These in den Raum, ohne sie durch Fakten zu untermauern.

Vorbild für chequeado.com sind übrigens die US-Projekte Factcheck.org und Politifact.com (gesponsert von der St. Petersburg Times), das britische Pendant FactCheck Blog von Channel4 und die französische Website Les décodeurs von Le Monde. Mit Ausnahme von Factcheck.org haben alle diese Sites allerdings große Medienunternehmen im Rücken – was bezeichnenderweise bei chequeado.com nicht der Fall ist. Deren Unterstützung kommt von verschiedenen argentinischen Stiftungen. Die hiesigen Medienhäuser halten offenbar nicht viel von Faktenhuberei. Macht die schönen, einfachen Geschichten kaputt.

Steuer-Stasi

Ich hab ja vor ein paar Tagen schon was zu den ersten Veränderungen in der Regierungspolitik nach der Wahl geschrieben – insbesondere zu den Problemen mit der Geldflucht. Heute machte die regierungskritische Tageszeitung Perfil mit der schönen Schlagzeile auf: „La SIDE espía para la AFIP“ – Die SIDE spioniert für die AFIP. SIDE ist der argentinische Geheimdienst (Secretaría de Inteligencia del Estado), AFIP die oberste Finanzbehörde (Administración Federal de Ingresos Públicos).

Titelseite Perfil vom 20.11.2011

Titelseite Perfil vom 20.11.2011

Aufgabe einer gemeinsamen Arbeitsgruppe von „Spürhunden“ ist es, die Geldflüsse von Devisen zu analysieren, bestehende Informationen miteinander zu vernetzen, insbesondere wo der Verdacht der Geldwäsche oder Unterstützung des Terrorismus besteht, heißt es im Artikel. Angeblich gehören der Gruppe auch Mitarbeiter an, die bereits ab 2009 die Verlagsgruppe Clarín durchleuchtet haben (meines Wissens, ohne nennenswerte Funde krummer Machenschaften). Der Verdacht liegt daher nahe, dass es auch jetzt in erster Linie darum geht, regierungskritische Unternehmer unter die Lupe zu nehmen und ihnen möglichst Steuerhinterziehung oder Geldwäsche nachzuweisen.

Bislang besteht die Arbeitsgruppe offiziell nur aus einem Dutzend Mitarbeitern, kann also sicherlich zunächst nur wenige Firmen untersuchen. Es steht aber nirgendwo, dass nicht weitere Mitarbeiter von SIDE und AFIP für diese Sonderaufgabe abkommandiert werden können. Dann sind sicher auch Telefonabhöraktionen und Online-Spionage im großen Umfang drin. Toll, wir kriegen eine Steuer-Stasi.

In der vergangenen Woche hat die Regierung schon so’n Ding rausgehauen. Ich hab ja schon mal erwähnt, dass die Preise für diverse staatliche Dienstleistungen wie Energie-, Gas- und Wasserversorgung stark subventioniert werden. Derzeit für alle Bürger. Offenbar ist der Regierung aber aufgefallen, dass es ja durchaus Leute gibt, die die Subvention dieser Grundbedürfnisse gar nicht brauchen, weil ihre Einkommen eine Bezahlung der vollen Gebühren durchaus hergeben (wozu offenbar auch ein Großteil der Mittelklasse gerechnet wird). Diskutiert wird jetzt, an jeden Haushalt einen Fragebogen zu verschicken, dessen Beantwortung Pflicht ist und der als eidesstattliche Erklärung gewertet wird. Damit wird abgefragt, ob man „freiwillig“ auf die Subventionierung der genannten Güter verzichtet, weil man genug verdient. Wenn man das verneint, kann es passieren, dass die Steuerbehörde einen genauer untersucht. Die Strukturen dazu werden ja gerade geschaffen.

Das geht ja gut los

Königin Cristina ist beim G20-Treffen in Cannes und ermahnte dort in einer Rede zu einem „ernsthaften Kapitalismus“ zurückzufinden, nicht diesem „Anarcho-Kapitalismus“, in dem niemand mehr Kontrolle ausübe. Man müsse nicht die Märkte beruhigen, sondern den Menschen Arbeit verschaffen und Sicherheit geben, um so den Konsum und die Produktion anzukurbeln. Von den versammelten Staatenlenkern wurde sie dabei, so ist den hiesigen Gazetten zu entnehmen, allenthalben hofiert, Späßchen mit Sarkozy und Küsschen für Merkel inklusive (schöne Fotostrecke bei La Nación). Selbst Obama bezeichnete sie angeblich als gute Freundin. Und in etlichen Meldungen habe ich in den letzten Tagen immer wieder gelesen, dass Argentinien ein Vorbild für die Gesundung des Pleitekandidaten Griechenland sein könne.

Wow. Das nenn ich einen furiosen Start in die zweite Amtszeit (die offiziell eigentlich erst im Dezember beginnt). Denkste. Denn das ‘Modell’, das die Kirchneristen so gerne im Munde führen, kriegt hier gerade ziemliche Kratzer.

Beispiel: Um die Flucht der Sparer in den Dollar zu bremsen, die die Zentralbank an mehreren Tagen nur mit riesigen Verkäufen von Devisen befriedigen konnte, ist diese Woche ein neues System eingeführt worden, nach dem nur noch Dollar kaufen darf, wer das vom Finanzamt erlaubt kriegt.

Konkret funktioniert das so: Herr Mustermann marschiert zu seiner Wechselstube und will 1000 Dollar kaufen. Die Wechselstube schickt dieses Ansinnen per E-Mail an die Finanzbehörde AFIP. Dort wird anhand der Steuernummer von Herrn Mustermann binnen Minuten geprüft, ob er überhaupt über genügend deklarierte (!) Einkünfte verfügt, um einen solchen Kauf zu rechtfertigen. Ist das der Fall, bekommt er die Dollar; falls in den Augen der AFIP das Einkommen von Herrn Mustermann zu klein ist bekommt er gar keine oder nur bis zu einer Höchstgrenze. Das hat am Donnerstag dazu geführt, dass nur die Hälfte der Interessenten die gewünschte Devise in der gewünschten Menge erhielt. Selbst wer Sondereinkünfte aus dem Verkauf eines Autos oder von Wertpapieren nachweisen konnte, ging leer aus.

Diese Restriktionen haben dafür gesorgt, dass der Parallelmarkt blüht und mit ihm die Devisenspekulation. Denn auf dem ‘Blauen’ Markt (um nicht das Wort Schwarzmarkt zu verwenden) werden inzwischen 4,75-4,90 Pesos pro Dollar gezahlt. Der offizielle Umtauschkurs hingegen liegt bei 4,25 (Fixing vom Freitag laut Banco de la Nación) – immerhin eine Differenz von inzwischen 10%. Das macht sogar den Schmuggel von Dollarnoten aus den Nachbarstaaten attraktiv. Betroffen sind im Übrigen auch Touristen, die Dollars verkaufen wollen, wenn auch anders. Offenbar gibt es dafür eine Explosion an Papierkram, der ausgefüllt sein will, selbstverständlich alles auf Spanisch. Viel Vergnügen.

Die Handelsbeschränkungen konnten den Run auf Dollar bislang nur ein wenig bremsen, die Nachfrage bleibt weiter hoch. Das zeigt, wie wenig Vertrauen die Bevölkerung der hiesigen Wirtschaftspolitik entgegenbringt. Selbst die unverzinste Lagerung von Dollar ‘unter der Matratze’ wird einer gut verzinsten Anlage in Pesos vorgezogen (Zinsen für Festgeld von 15% und mehr sind möglich!), weil immer mit einer erheblichen Abwertung des Peso gerechnet werden muss. Und selbst die beste Geldanlage bei den Banken gleicht den Kaufkraftverlust durch die Inflation nicht annähernd aus, de facto wird also auch dort das Geld weniger wert. In ihrer Verzweifelung kaufen die Argentinier Autos, Kühlschränke, Klimaanlagen, Fernseher als wenn’s kein Morgen gäbe. Ist es das, was die Königin mit ‘Ankurbelung des Konsums’ meint?

Es gibt noch ein paar weitere Baustellen, an denen deutlich wird, wie löchrig das ‘Modell’ inzwischen geworden ist. Allen voran die horrenden Subventionen auf Energie. Die sollen zunächst für Unternehmen erheblich gekürzt werden, weil der Regierung das Geld auszugehen droht und angesichts des Standings von Argentinien auf den Finanzmärkten neue Kredite allenfalls im Inland aufgenommen werden können (vorzugsweise bei der Rentenversicherung, Rückzahlung ungewiss). Auf die Dauer wird die Regierung daher wohl kaum um Preiserhöhungen von Benzin, Strom und Gas auch für den Privatsektor herumkommen.

Auch die Subventionen für den Transportsektor stehen auf dem Prüfstand. Busunternehmer erhalten beispielsweise monatlich Unterstützungszahlungen von bis zu 50.000 Pesos pro Bus, weil die Fahrpreise seit Jahren eingefroren sind. Die U-Bahn der Hauptstadt funktioniert auch nur, weil zwei Drittel des Budgets vom Staat übernommen werden. Kein Wunder bei Fahrpreisen von 1,10 Pesos (0,19 Euro für eine unbegrenzte Fahrtlänge innerhalb des U-Bahn-Systems). Deshalb wird hier bereits mit der Hauptstadt verhandelt, dass doch bitte schön diese die Metro übernehmen soll. Schließlich komme sie in erster Linie den Hauptstädtern zugute. Der Bürgermeister hat heute verlauten lassen, wenn die Bundesregierung nicht auch entsprechende Mittel für den Weiterbetrieb zur Verfügung stelle, sei ein Fahrpreis von 3,40 Pesos nicht ausgeschlossen (für europäische Verhältnisse immer noch günstige 0,58 Euro).

Für’s erste scheinen also die Zeiten vorbei, in denen die hohen Steuereinnahmen aus dem Sojaexport für allerlei Annehmlichkeiten des Volkes ausgegeben wurden. Angesichts des Preisverfalls von Soja sprudelt diese Quelle nicht mehr so üppig. Aber die Bestechung des Volkes ist ja auch jetzt nicht mehr nötig. Die Wahlen sind schließlich vorbei.

Sperrstunde

Ich hab gerade gestern gelernt, dass hier wegen der Wahlen ab heute abend 20 Uhr (12 Stunden vor Öffnung der Wahllokale morgen) bis morgen 21 Uhr (3 Stunden nach Schließung derselben) kein Alkoholausschank und -verkauf erlaubt ist. Die genauen Hintergründe für die Maßnahme konnte ich allerdings nicht aufklären, offenbar soll man mit klarem Kopf seine Wahlentscheidung treffen. Wahrscheinlich ist aber auch ein Grund, dass sich nicht wie bei diversen Fußballveranstaltungen die Anhänger der einen mit denen der anderen Partei in die Wolle kriegen.

Das Ganze nennt sich übrigens „Ley Seca“ („trockenes Gesetz“) oder schlicht Prohibition und ist laut Wikipedia in Lateinamerika ziemlich verbreitet. Neben Argentinien gibt’s das auch in Chile, Ecuador, El Salvador, Kolumbien, Perú, Uruguay und Venezuela zu den nationalen Wahlen.

Immerhin: zur Verkündung der Hochrechnungen am späten Sonntag abend und des vorläufigen amtlichen Endergebnisses am Montag darf dann wieder geprostet werden. Zum Glück. Die Dame ist nüchtern auch eigentlich nicht zu ertragen.

FAZ: Zwischen Bauruinen und Wolkenkratzern

Nur ganz kurz, weil eigentlich keine Zeit: Schöner Artikel in der FAZ im Vorfeld der Wahlen am Sonntag: Zwischen Bauruinen und Wolkenkratzern. Was der Artikel verschweigt: die Umfragen sehen Königin Cristina inzwischen bei 52-57%. Im Kongress wird sie dann wohl durchregieren und vielleicht sogar eine Verfassungsänderung anstreben, die ihr eine dritte Amtszeit erlauben würde. Gruslig.

Update: So langsam kommen sie alle, beim Deutschlandfunk gibt’s einen guten Beitrag (bis auf die Überschrift), die taz widmet der Wahl einen Artikel (pardon: zwei: letzterer über die Krise vor 10 Jahren), die unabhängige Nachrichtenagentur InterPressService (IPS) hat einen langen Artikel (den es im Womblog auch in deutscher Übersetzung gibt), in dem nochmal die Kandidaten vorgestellt werden und eine Politikwissenschaftlerin zitiert wird, die Opposition habe sich offenbar darauf geeinigt nicht gegen die Präsidentin anzutreten, sondern lediglich um Platz 2 zu kämpfen. Tatsächlich haben sich die Oppositionskandidaten in erster Linie untereinander beharkt, Attacken auf Königin Cristina gab es so gut wie nicht. Die Junge Welt jubelt über den Boom trotz Inflation, vermeldet reihenweise die Erfolge des „Kirchner-Modells“ und gaukelt im Fall der Renten sogar Steigerungsraten von 1000% vor, wo es nicht mal 100% sind (lieber Autor Fernando Krakowiak, falls du das hier irgendwann lesen solltest: 2001 war der Peso noch 1:1 an den Dollar gekoppelt, der Umtausch zum Euro war über das Jahr gemittelt 1,12:1, wie du bei den historischen Wechselkursrechnern von oanda.com leicht hättest herausfinden können und eine Rente von 150 Pesos war dementsprechend rund 130 Euro wert, nicht 25). Düster ist dagegen das Panorama, das Die Welt für die nächsten Jahre aufmalt: Defizite und kreative Buchführung im Staatshaushalt hat Autorin Sandra Weiss hier ausgemacht. Sie freut sich aber im Standard aus Österreich, dass Cristina, die seit Néstors Tod vor fast genau einem Jahr nur noch Schwarz trug, demnächst wieder buntere Klamotten tragen darf. Zur Ehrenrettung dieses Artikels muss man sagen, dass er die erste, schlüssige Erklärung des „Modells“ enthält, von dem die Kirchneristen hier ständig schwafeln und das man „vertiefen“ müsse. Einen erheblich kürzeren Artikel von derselben Autorin gibt’s auch noch im Tagesspiegel.

Wahlkampfzeiten sind gute Zeiten für arme Auslandsreporter. :-)

Update 2: Der Autor des Artikels in der ZEIThat einen schönen Lapsus fabriziert, er spricht von der „Cassa Rosada“ (also der rosafarbenen Kasse -eigentlich caja im Spanischen-, im Gegensatz zu Casa Rosada, dem rosafarbenen Haus, dem argentinischen Regierungssitz).

Ausriss aus der ZEIT

Ausriss aus der ZEIT

Passend bei einer Präsidentin deren persönliches Vermögen zu Beginn der Amtszeit ihres Mannes 2003 mit etwas über 2 Mio. Pesos, inzwischen aber mit über 70 Mio. Pesos angegeben wird. Ganz offiziell und von ihr selbst übrigens, nicht irgendwelche journalistischen Spekulationen. Warum ihr das nicht auf die Füße fällt und von den Medien mehr thematisiert wird, verstehe ich nicht.

Wikipedia: Sufijo que entra en la formación de palabras con el significado de: I Acción y efecto: cese, corte, tueste.

Tabaré Vazquez zieht in den Krieg

Vor fast vier Jahren hab ich schon mal über den „Zoff wegen Zellstoff“ geschrieben, in dem es um ein neues, riesiges Zellstoffwerk am Río Uruguay ging. Ich schrieb: „Seit einigen Jahren jedoch gibt es Streit wegen der Ansiedlung von zwei Zellstofffabriken am Rio Uruguay, auf der östlichen Seite, also in Uruguay. Die Situation ist inzwischen so verfahren, dass scherzhaft bereits von einem bevorstehenden Krieg zwischen beiden Ländern die Rede ist.“

Offenbar war das so scherzhaft nicht, wie jetzt der uruguayische Ex-Präsident in einem Interview freimütig zugab. Er habe als Präsident schließlich alle Optionen durchspielen müssen, auch einen bewaffneten Konflikt mit Argentinien. Seine Generäle hätten ihm aber gesagt, sie hätte nur fünf Kampf-Flugzeuge und Treibstoff für maximal 24 Stunden. Deshalb habe er sich mit einem Beistandsersuchen an die USA gewandt.

Das Ganze ist insofern verwunderlich, als von argentinischer Seite lediglich ziviler Ungehorsam von Anwohnern des Flusses in Form der Besetzung einer Brücke über den Fluss geübt wurde, um den Transport von Material zur Baustelle des Werks zu erschweren. Die argentinische Regierung hat sich lange weitgehend rausgehalten (auch weil in Argentinien etliche, zwar weit kleinere, aber mindestens so dreckige Zellstoffwerke stehen, deren Abwässer genauso in den Grenzfluss laufen, wie Greenpeace Argentinien damals offenlegte). Letztlich klagte sie vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag und verlor. Zu keinem Zeitpunkt stand jedoch ein Krieg mit Uruguay auf der Agenda.

Soweit man das weiß. Bei Néstor Kirchner kann man da nie ganz sicher sein.

Geeimert

Den Deutschen wird ja so allerhand nachgesagt in der Welt. Sie seien besonders fleißig, ist hier oft zu hören, sehr effizient und ordentlich, jedoch leider wenig humorvoll. Ein weiteres Adjektiv, dass die Deutschen gerne mit sich selbst verbinden, ist „sauber“. Im Urlaubshotel, vor allem im südlichen Ausland, ist es das nie genügend und wie Mutti zuhause putzt schon mal überhaupt niemand. So das Klischee.

Nun, ich hab Neuigkeiten: hier schon. Um ehrlich zu sein, gibt es hier Hausfrauen, die deutlich gründlicher putzen als Mutti daheim (sorry, Mutsch). Nicht, dass ich das für erstrebenswert hielte. Ich bin auch was die Ordnungsliebe angeht nicht sonderlich „deutsch“ im Sinne der oben aufgezählten Tugenden. Das Genie überblickt schließlich das (selbstangerichtete) Chaos. ;-)

Mich persönlich irritiert dabei besonders eine Eigenart des Putzens vor der Haustür: das „Eimern“, im hiesigen Idiom „baldear“ genannt (von balde = Eimer). Eimerweise wird da Wasser auf den Fußboden gekippt und hinterher mit einem Strohbesen gründlich gekehrt, damit der Staub von den Steinplatten in der Einfahrt oder – ja tatsächlich – dem Bürgersteig runtergeht. Einige Damen (es sind fast ausschließlich solche), die dieser Tätigkeit nachgehen, belassen es nicht nur beim Wasser, sondern versetzen dies bisweilen sogar mit Putzmittel (z.B. wenn irgendein geparktes Fahrzeug einen Ölfleck hinterlassen hat).

Ganz eifrige greifen sogar zu Chlorreinigern damit der Bürgersteig auch keimfrei wird und dann muss man höllisch aufpassen, dass man keine Spritzer an die Klamotten kriegt, weil die sonst ruckzuck gesprenkelt sind. Glücklicherweise kündigt sich diese Form des Eimerns immer schon einige Meter vor Erreichen der Zone olfaktorisch an, sprich: es riecht nach Schwimmbad. Meist weiche ich dann inzwischen auf die Straße aus, auch weil man beim Durchschreiten der Putzzone während des Putzvorgangs gelegentlich recht ärgerliche Blicke zugeworfen kriegt, nach dem Motto: „Kerl, pass doch auf, ich hab grad’ frisch geputzt“.

Meine Vermutung ist, dass dies eine Eigenart insbesondere der Porteños ist, also der Einwohner von Buenos Aires. In vielen anderen Landesteilen ist Wasser viel zu kostbar, um es einfach auf die Straße zu schütten. Hier sollte es das eigentlich auch sein, aber das Bewusstsein dafür scheint nicht sehr ausgeprägt.

Gib Gas!

Hab vor einigen Tagen bei Spiegel Online einen Artikel über Erdgasautos in Deutschland gelesen, in dem es heißt, dass die dort keiner haben will. Von 42 Millionen Fahrzeugen in D sind keine 100.000 Erdgasvehikel. Was umso erstaunlicher ist, als die meisten dieser Fahrzeuge vom Werk aus bivalent sind, also sowohl mit Erdgas als auch mit Benzin betrieben werden können. Bei voller Betankung eines VW Passat TSI Ecofuel, heißt es im Artikel, kommt man rund 900 km weit, je zur Hälfte mit Gas und mit Benzin. Und das bei Erdgaspreisen, die ungefähr bei 50% des Benzinpreises liegen. Das versteh wer will.

Hier in Argentinien gibt’s schon seit über einem Jahrzehnt eine stattliche Erdgasfahrzeugflotte. Lange Zeit lag Argentinien damit sogar weltweit an der Spitze, inzwischen haben Pakistan und Iran uns überrundet. Die meisten dieser Fahrzeuge kommen nicht ab Werk mit einem Erdgastank, sondern der wird hier meist nachgerüstet, was keine ganz billige Angelegenheit ist. Im Kofferraum oder – bei entsprechend hochachsigen (gibt’s das Wort?) Fahrzeugen – unter dem Fahrzeugboden werden ein oder zwei Gasflaschen angebracht, betankt wird meist über einen Anschluss im Motorraum (s. Fotos).

Autos werden mit Erdgas betankt

Autos werden mit Erdgas betankt. Aussteigen ist dabei aus Sicherheitsgründen Pflicht

Gasanschluss im Motorraum

Gasanschluss im Motorraum

Lohnen kann sich das trotz der relativ hohen Anschaffungskosten. Vor allem Taxifahrer und andere Vielfahrer nutzen die Betankung mit Gas, weil sie so die Spritkosten mal eben um 60% und mehr drücken können. Ich bin selbst schon mit den Gefährten gefahren und muss sagen, einen nennenswerten Unterschied zu flüssig betankten Fahrzeugen konnte ich nicht feststellen.

Unter Umweltgesichtspunkten ist das sicher das Gescheiteste, was man derzeit hier machen kann, weil das Gas sauberer verbrennt als Benzin und weniger CO2 produziert. Hybridfahrzeuge mit teilweisem Elektroantrieb sind zwar schick, aber hier noch viel zu teuer und dementsprechend kaum im Angebot.

Für die meisten Argentinier gibt’s aber einen anderen Hauptgrund, warum nach einigen Jahren der Stagnation die Umwandlungen von Fahrzeugen im letzten Jahr wieder anstiegen: die steigenden Benzinpreise. Auch wenn diese dank der Subventionspolitik der Regierung noch vergleichsweise niedrig liegen: ein Liter Super-Benzin kostet hier in der Hauptstadt derzeit umgerechnet etwa 0,86 Euro – wenn es verfügbar ist; häufig muss man auf das etwas teurere Premium-Benzin ausweichen, das mit rund 1 Euro aber für Weltmarktverhältnisse auch noch recht preisgünstig ist. 48 Mrd. Pesos (ca. 10 Mrd. Euro) hat die Regierung im letzten Jahr an Subventionen rausgehauen, knapp 90% davon für niedrige Gas-, Strom- und Benzinrechnungen, heißt es bei Clarín. Dieses Jahr wird wohl die 70 Mrd. Peso Marke gerissen. Schon im August hieß es, drei Viertel der vorgesehenen Gelder seien verbraucht (Cronista). Eilig wurde der entsprechende Haushalt, der ursprünglich 65 Mrd. Pesos vorsah, mit 6,5 Mrd. weiter aufgestockt (Buenos Aires Económico, La Nación).

Es ist aber abzusehen, dass Königin Cristina langsam weg muss von dieser Art Gute-Laune-Politik. Die Sojapreise sinken und damit wird der größte Devisenbringer des Landes weniger wert. Der Staatshaushalt wird das also nicht mehr viel länger mitmachen. Muss er ja auch nicht: wenn sie erst mal wiedergewählt ist, werden die Benzinpreise wahrscheinlich noch schneller steigen und dann noch mehr Leute ihr Fahrzeug umrüsten zum Erdgasauto.

Warum die Dinger in Deutschland keine Käufer finden versteh ich allerdings trotzdem nicht.